Die Geschichte haben Sie vielleicht schon gelesen: Ein CDU-Bürgermeister in Sachsen-Anhalt hat 10.000 Euro für die AfD gespendet. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Was dahinter steckt, ist viel brisanter.
Aber alles der Reihe nach. Bernd Prange, Ortsvorsteher der Gemeinde Altmärkische Höhe im Landkreis Stendal, wünscht sich unverhohlen ein starkes Ergebnis der AfD damit sie allein regieren kann. Die Hoffnung des Christdemokraten: Dadurch soll die eigene Partei „endlich aufwachen“, die Brandmauer zur AfD aufgeben und ihren „Linkskurs“ beenden.
Zugleich fordert der CDU-Mann offen die Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Der steht in seinen Augen für eine Führung, „die den konservativen Kern der Union preisgibt“. Wer die Brandmauer zur AfD verteidigt, „während er gleichzeitig nach links schielt, zerstört die CDU als bürgerliche Volkspartei“, so der 59-jährige Fuhrunternehmer, der seit 27 Jahren dem Kreistag in Stendal angehört und seit 32 Jahren Ortsbürgermeister ist. Er sagt ganz offen, dass er auf einen Rausschmiss aus der CDU hofft – und kündigte an, bei den Landtagswahlen in gut zwei Wochen die AfD zu wählen.
In den großen Medien wird das nun skandalisiert – und vor allem wird es dezent so dargestellt, als handle es sich um einen Einzelfall.
Formal trifft das zwar zu – denn tatsächlich ist zumindest öffentlich nicht bekannt, dass ein anderer CDU-Politiker mit einer fünfstelligen Summe die AfD unterstützt.

Inhaltlich dagegen betreiben die großen Medien faktisch Desinformation. Denn tatsächlich brodelt es in der CDU in Sachsen-Anhalt. Ortsbürgermeister Prange ist kein Einzelfall. Selbst unter den aktuellen Landtagsabgeordneten, die auf einen Wiedereinzug ins Parlament in Magdeburg hoffen können, ist die Loyalität zur Union gebrochen. Hinter verschlossenen Türen liebäugeln sie ganz offen damit, nach der Wahl ihre Abgeordnetenstimme der AfD und ihrem Spitzenkandidaten Siegmund zu geben.
CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze gilt selbst in der eigenen Partei als unglückliche Wahl. Sein Vorgänger Reiner Haseloff macht keinen großen Hehl daraus, dass er wenig von ihm hält, wenn die Mikrophone ausgeschaltet sind. Und in der Bundes-CDU habe man Sachsen-Anhalt bereits abgeschrieben, rumort es.
Dabei ist die Erosion der CDU in Sachsen-Anhalt wohl erst der Anfang. Den Christdemokraten droht ein ähnliches Schicksal wie ihren Parteifreunden in Italien, die längst im politischen Nirwana verschwunden sind.
Splitternackter Kandidat
Was in Altmärkische Höhe passiert und uns als Einzelfall verkauft wird, ist nach vielen, vielen Rissen der Punkt, an dem die ersten Grundpfeiler sichtbar einbrechen – in einem Fundament, das längst durch und durch morsch ist. Die CDU in Sachsen-Anhalt bröckelt nicht – sie implodiert gerade vor unser aller Augen. Genauer gesagt: Es würde vor unser aller Augen geschehen, wenn die großen Medien nicht gezielt wegsehen und die Nacktheit des CDU-Ministerpräsidenten nicht mit einem virtuellen Medien-Kleid notdürftig verhüllen würden. Offenbar in dem frommen linken Glauben, der Zerfall bleibe auf Magdeburg beschränkt.
Besonders paradox: Die CDU freut sich über all die vermeintlichen Wahlkämpfer für sie von Links – all den politischen Hygienebesessenen und Glaubenswärtern mit Dieter Hallervorden an der Spitze, die so besessen sind von ihrer Panik, dass sie genauso wenig wie die CDU selbst verstehen, wie sehr sie den Christdemokraten schaden und der AfD helfen.
Potemkinsche Medienfassaden
Wer auf Teufelsaustreiberei setzt und Wunschdenken zur Realität erhebt, unterschätzt die Schwerkraft der politischen Realität. Die CDU war immer ein Kanzlerwahlverein, der nur noch durch das Karriereversprechen zusammengehalten wird, seit die Überzeugungen so wechselbar wurden wie Unterwäsche. Wenn die Perspektive auf Ämter wegbricht, bricht auch die Partei weg. In Kürze werden wir das in Magdeburg beobachten können. Und die großen Medien werden sich sehr bemühen müssen, um das so gut es eben noch geht zu verschleiern.
Die italienischen Christdemokraten sind nicht an einem Skandal gestorben. Sie sind an ihrer eigenen Beliebigkeit zerbrochen. Sie lassen aus dem Grab grüßen.
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Bild: Symbolbild/KI/Gemini
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