Ganz ehrlich – ich habe etwas gezögert mit dieser Überschrift. Aber mich dann entschieden: Sie ist nicht böse, sie ist nicht polemisch – sie ist unvermeidlich.
Was ist passiert?
Auf einem „Wahlforum” des „Liberalen Mittelstands” sitzen der CDU-Fraktionschef Guido Heuer und der AfD-Spitzenkandidat von Sachsen-Anhalt nebeneinander. Beide halten gemeinsam das Mikrofon, wirken gut gelaunt, berühren sich. Aber sehen Sie selbst:
Ein Bild, das für den AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt unbezahlbar ist:
“CDU-Fraktionschef Guido Heuer und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sitzen Schulter an Schulter auf einer Veranstaltung in Halberstadt” pic.twitter.com/8Iddle6YUk
— Johannes Hillje (@JHillje) June 12, 2026
In funktionierenden Demokratien würde man sagen: Toll, wenn politische Gegner so menschlich miteinander umgehen.
Im Land des (nicht nur) politischen Hygiene- und Reinheitswahns sagt man: „Igitt! Ketzerei! Abbitte leisten“.
Die Altmedien hyperventilieren
Die Inquisitoren rücken aus. Der unvermeidliche Potemkin-Bürgerliche Robin Alexander, der als Feigenblatt und Stichwortgeber durch alle Talkshows gereicht wird (siehe hier) apportiert sofort untertänigst der Brandmauer-Religion und schickt eilfertig eine Anfrage an die CDU: Wie ist das Bild entstanden?
CDU-Fraktionschef Guido Heuer macht hastig den Kniefall vor dem willigen Vollstrecker: „Das Foto ist entstanden, weil es nur zwei Mikrofone gab und ich bei einer Falschaussage von Herrn Siegmund intervenieren musste. Ich habe Herrn Siegmund das Mikrofon aus der Hand genommen, und dabei ist diese unglückliche Aufnahme entstanden. Das war allerdings keine Kumpelei, sondern politische Konfrontation.”
War Heuer schon in der Kirche? Hat er sich schon mit Weihwasser gereinigt? Oder ist er jetzt für immer verdammt?
„Vertrautes Foto mit AfDler bringt CDU-Fraktionschef in Nöte“ titelt der einst bürgerliche „Focus“. So als hätten sich die beiden wie ein Ehepaar gezeigt.
Die „Bild“ geht noch weiter: „AfD-Kuschelfoto bringt CDU-Fraktionschef in Erklärungsnot“.
Wenn das ihre Vorstellung von Kuscheln ist, dann erklärt das vielleicht, warum die „Bild“-Journalisten so schlechten Journalismus machen – aus Frustration.
Auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums wird das Ganze aufgeblasen – da ist gleich vom Ende der Brandmauer die Rede.
Alles scheint normal in diesem Deutschland im Jahr 2026 – nur nicht Normalität in Form von menschlichem Umgang miteinander.
Kein Schwarz-Weiß
Ich hadere mit der AfD – wegen der Anbiederung vieler ihrer Politiker an Putin, die mich massiv befremdet. Ich schätze ihre Innenpolitik.
Und ich finde ihre Diabolisierung widerlich. Ihre Entmenschlichung. Ihre Ausgrenzung.
Den Hygiene- und Reinheitswahn, der dahinter steckt. Der ganz finstere Wurzeln in noch finstereren Zeiten hat.
Womit wir wieder bei der Überschrift wären. Und ich denke, Sie verstehen jetzt, warum ich sie nur so formulieren konnte und nicht anders.
Und nein – ich setze nichts gleich. Ich mache nur auf gewisse Ähnlichkeiten in den Denkmustern an. Auch damals begann alles viel harmloser, als es endete.
Bei Corona kontrollierten Polizisten, wie lange die Bissen beim Apfelessen dauerten und wie groß die Schlücke beim Kaffeetrinken waren. Die Gesichtsmuskelpolizei wäre der konsequente nächste Schritt im BDaZ*)
Lachen Sie noch, oder unterstützen Sie schon? Hier steht wie es geht – für Galgenhumor als Notwehr. 1000 Dank!
*) BDaZ = Bestes Deutschland aller Zeiten. Nicht zu verwechseln mit GröFaZ – Größter Feldherr aller Zeiten, der war früher (wer den Begriff nicht kennt – hier nachzulesen)
PS Mehr zu Robin Alexander und Journalisten-Konsorten: Potemkin-Konservative: Die neue Tarnkappe des Systems
– Wie angeblich bürgerliche Journalisten systemtreu Kritik simulieren
PPS Mehr zur Ausgrenzung – hier zum Thema Hotel-Verbot für AfD-Leute: Der AfD-Verbanner vom Tiergarten: Wenn Haltung das Handwerk frisst
Bild: Symbolbild/KI/Grok World Economic Forum / Flickr, CC BY-NC-SA 2.0
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