Bloss nicht schwarz ärgern!

Waren Sie bisher der Ansicht, dass sie recht modern sind, keine Vorurteile haben und erst recht kein Rassist sind (bei negativen Worten wird ja nicht „gegendert, bei denen darf die weibliche Form ruhig fehlen)? Dann setzen Sie sich jetzt bitte hin, denn was im Sonderheft „Wissen“ der „Zeit“ jetzt unter dem Titel „Diskriminierung: Der Anti-Rassismus-Knigge“ zu lesen ist, wird Sie umhauen. Denn seien Sie bitte mal ganz ehrlich: Haben Sie nicht schon Worte benutzt wie „Schwarzfahren“, „Schwarzsehen“, „schwarzmalen“ oder „schwarze Schafe“? Ja? Dann haben Sie, wenn man dem Artikel von Lann Hornscheid glaubt, „rassistischer Metaphern“ verwendet. Pfui! Schande über Sie! Der Mann, 1965 als Antje Hornscheidt geboren, muss es schließlich wissen. Er war laut eigener Website bis 2017 Professor an der Humbolt-Universität zu Berlin „zu Gender und Sprache“ und beschäftigt sich „mit Dikriminierung durch Sprache“. Nein, Sie haben sich nicht verlesen, der Buchstabe „s“ fehlt tatsächlich. Warum, ist schwer zu sagen. Tippfehler? Verdeckter HInweis, dass alles nur Satire ist? Neue Form der Diskriminierung?

Nein, leider handelt es sich bei dem Beitrag nicht um Satire. Laut Hornscheidt werden durch den Gebrauch von Wörtern wie „Schwarzfahren“, „Schwarzsehen“ oder „schwarze Schafe“, so wörtlich, „rassistische Vorstellungen genährt und bestätigt, weitergeführt und fließen als subtile Gewalt ins eigene Leben ein.“

Jetzt wissen wir also, wo Gewalt herkommt in Deutschland. Und ich muss mich outen. Ich hoffe, Sie werden deswegen jetzt nicht meine Seite auf Ihre Blacklist/schwarze Liste – verdammen….Mist…jetzt ist mir das auch noch herausgerutscht!! Ich bekenne mich schuldig, ich bereue, ich schäme mich – ganz wie FDP-Chef Christian Lindner gestern im Bundestag – also, nochmal von vorne, weswegen ich mich eigentlich schämen und öffentliche Reue zeigen wollte: Ich habe in meiner Heimatstadt Augsburg mehrfach im Hotel „Drei Mohren“ übernachtet, bin in meiner Jungend schon einmal schwarz gefahren, habe mich schon schwarz geärgert, liebe Mohrenköpfe…nein, ich kann gar nicht weiter sprechen…ich verfalle in Tränen. Was bin ich für ein schrecklicher Mensch!

Wie kann ich meine Schuld ausmerzen und mich weißwaschen? Vielleicht drei Tage vor den Bundestag stellen mit einem Schild um den Hals: „Ich bin ein böser Rassist?“ Ist es ein mildernder Umstand, dass ich nie Zigeuner-Schnitzel gemocht habe? Eher nicht. Dafür ist es aber sicher schulderschwerend, dass ich mir in Deutschland inzwischen vorkomme wie in einem Irrenhaus. Etwa, wenn in der taz kürzlich in einem Artikel zu Thüringen stand, die FDP habe ja schon früher Nazi-Anwandlungen gehabt, weil das einstige Wahlziel – 18 Prozent – eine Zahl der Nazis sei. Was, Sie glauben das nicht? Ich konnte es erst auch nicht glauben. Hier bitte der Beleg:

Dabei geht der Rassismus noch viel weiter, wenn man der Zeit glaubt. Erst kürzlich war im Zentralorgan des heilen guten linken Welt ein Artikel mit folgendem Vorspann zu lesen: „Ich wollte einen Text zur Frage schreiben, ob es rassistisches Dating gibt. Dann merkte ich: Auch ich treffe fast nur weiße Frauen. Bin ich selbst ein Rassist?“

Der Irrsinn und die Wohlstandsverblödung in Deutschland haben ein Maß erreicht, zu dem man keine Worte mehr findet. Deshalb lege ich hier eine Schweigeminute ein – als Protest gegen den Wahn. Ganz ehrlich: Ich sehe schwarz. Und das einzige Gegengift ist schwarzer Humor. Aber das ist ja auch schon wieder völlig rassistisch.


Bild: Pixabay

Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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