Die Lust am Untergang – warum „Eroberungsmigration“ für viele so reizvoll ist „Es wird Europa zerstören, für immer. Das ist schade."

„Die Geschichte der Menschheit ist, vom Anbeginn bis heute, voll von Eroberungen, von Invasionen, von der Verdrängung der Schwachen durch Stärkere. Die Naiven, die unbekannte Fremde mit Blumenkränzen begrüßten, haben es immer bereut, falls sie nicht ausgerottet wurden, bevor ihnen ihr Fehler klar wurde.“

Es sind Sätze wie in Stein gemeißelt, die Harald Martenstein da heute in der „Welt“ schreibt. Ganz offen spricht er von „Eroberungsmigration“ – und kommt zu folgender düsteren Prognose: „Es wird Europa zerstören, für immer. Das ist schade.“

Der Artikel steht leider hinter einer Bezahlschranke, aber ich finde ihn zu wichtig, um dahinter versteckt zu bleiben. Gerade erst habe ich mich mit einer guten Freundin unterhalten über die Frage, wie es zu diesem Selbstmord Europas kommt, den wir vor unseren Augen erleben – und den weite Teile der Politik und auch der Bevölkerung verdrängen. Und stattdessen ihre Wut auf diejenigen richten, die dieses Problem benennen.

  Martenstein verweist auf  einen Bestseller, der schon 1973 den Fall Europas vorhersagte –  und wohl die Inspiration war für Michel Houellebecq für seinen Roman „Unterwerfung“. „Das Heerlager der Heiligen“ von Jean Raspail. Ein Mega-Beststeller. Und schon damals ein Tabu in unseren Medien.

2018 griffen die Eiferer vom „Spiegel“ den Roman auf. Die Kenntnis dieses Buches, das man mit Orwells „1984“ vergleichen könne, gelte als „Erkennungszeichen der neuen, bürgerlichen Rechten, so das Urteil der Hamburger Gesinnungswärter.

Der Inhalt: Eine Armada aus Handelskähnen mit 800.000 Armen startet von Kalkutta aus nach Südfrankreich. Im „Spiegel“ wird die Quintessenz des Buches wie folgt zusammengefasst : „Europa ist ratlos. Komitees gründen sich, es gibt Gebetskreise, Schweigemärsche, Kindermalwettbewerbe ,Wir und die Gäste vom Ganges‘. Währenddessen verrammeln die Küstenbewohner ihre Villen und fliehen nach Norden. Die Hypermarchés sind geplündert, Soldaten verweigern aus Mitleid den Befehl zu schießen. Es ist ein umgekehrter Kolumbus-Moment, eine Landnahme, doch diesmal unter dem Beifall der Eingeborenen.“

Das Thema seines Buches sei die Feigheit der Europäer, sagte der 2020 verstorbene Raspail.

Martenstein zieht Parallelen zu dem, was wir heute erleben: „Auch der Ansturm Zehntausender junger Männer aus Afrika auf die kleine spanische Stadt Ceuta kam vom Wasser.“ Sein bestechendes Verdikt: „Längst ist diese Art von Eroberungsmigration zu einer Waffe gegen das dumme, schwache Europa geworden, von der sowohl Putin als auch Erdogan und nun vermutlich auch Marokko Gebrauch machen. In Deutschland sorgen sich viele Linke nicht so sehr um Vergewaltigte oder um Erstochene, die gelten für sie als der unvermeidliche Preis für das, was sie Vielfalt und Buntheit nennen. Sie sorgen sich vor allem darum, ob wir auch höflich genug mit den Eindringlingen sprechen. Invasoren? Eroberer? Niemals!“

Andere Länder wie Japan und viele andere würden das so mit sich nicht machen lassen, wie die Europäer, so Martenstein völlig zutreffend. Seine Prognose in Sachen „Eroberungsmigration“: „Sie wollen nach Europa, weil es möglich ist, hineinzukommen. Und sie wollen aus Europa für sich an Vorteilen herausholen, was sich herausholen lässt, wie genau, wird sich dann zeigen. Sobald ihre Zahl es hergibt, werden sie die Regeln bestimmen.“

Reinste Ketzerei

Genau so ist es. Und ich war positiv überrascht, dass die „Welt“ so etwas inzwischen veröffentlicht, wenn auch hinter einer Bezahlschranke und schnell ziemlich weit unten auf der Seite – bisher galt so eine Sichtweise ja als „rechtsextrem“ wie so ziemlich alles, was der rot-grünen Meinungshegemonie gegen den Strich geht.

Womit wir bei der Frage sind, über die ich mit meiner Freundin diskutiert habe. Meine Antwort war, es gehe vor allem um die Wirtschaft, die billige Arbeitskräfte brauche. Sie lachte und nannte mich naiv: „Wie denn? Wenn ein großer Teil in der sozialen Hängematte ist und diejenigen, die arbeiten, sie mit unseren Geldern durchfüttern müssen?“

Sie hat recht. Denn die Zahlen sind aktenkundig, auch wenn sie nicht gerne gelesen werden: Der Nettobeitrag großer Teile der Zuwanderung aus bestimmten Kulturräumen zur Sozialversicherung ist negativ, die Kriminalitätsstatistiken sind erschreckend, und die Integrationsversprechen von 2015 liegen schlicht in Trümmern. Trotzdem machen sie weiter, als gebe es diese Realität einfach nicht. Warum? Weil die massive, unkontrollierte Einwanderung für eine bestimmte Schicht ideologisch nützlich ist. Und weil diese nicht selbst den Preis bezahlt, sondern von anderen bezahlen lässt – von den Frauen in bestimmten Stadtteilen, die sich abends nicht mehr sicher bewegen können, von den Kindern in überforderten Schulen, von den Steuerzahlern, die zunehmend das Gefühl haben, in einem Land zu leben, das sie nicht mehr wiedererkennen, von Patienten in einem völlig überforderten Krankheitssystem (ich nutze gezielt nicht mehr das Wort Gesundheitssystem).

Verlogene Debatte

Die offiziellen Erklärungen – Wirtschaft, Fachkräftemangel, humanitäre Pflicht – erklären viel, aber nicht das Entscheidende: die systematische Verdrängung der eigenen Interessen der „schon länger hier Lebenden“. Eine Gesellschaft, die ihre Grenzen auflöst, ihre Frauen zu Geiseln macht und gleichzeitig jeden, der das ausspricht, zum Feind erklärt, handelt nicht mehr aus Naivität. Sie handelt aus einer tieferen, selbstzerstörerischen Logik.

Deshalb war mein zweiter Erklärungsversuch Selbsthass und eine perfide Sehnsucht nach dem Untergang. Womit wir sofort bei dem waren, was Martenstein mit Blick auf Japan wie folgt beschreibt: „Wenn sie überhaupt jemanden hineinlassen, dann als Arbeitskraft und auf Zeit. In Japan hat kaum jemand Sehnsucht danach, seine Identität zu verlieren. Es glaubt auch kaum jemand daran, dass man historische Schuld dadurch wiedergutmachen könnte, dass man aus der Geschichte verschwindet und sich im Nichts auflöst wie ein Tropfen im Ozean.“

Ja, leider hält er uns da korrekt den Spiegel vor. Wobei auch noch andere Faktoren in meinen Augen hineinspielen – aber die sind extrem tabu. Etwa eine Sehnsucht nach Lebendigkeit, die wir uns abdressiert haben hinter all den Tabus, Zwängen und Vorschriften. Sehnsucht bei Frauen nach ungezähmter Männlichkeit in Zeiten, in denen von vielen jede Maskulinität als toxisch verachtet wird und schon Komplimente als Übergriff gelten. Unter solchen Bedingungen ist es leider naheliegend, dass viele von einem Extrem ins andere fallen.

Dieser letzte Punkt verdient mehr als eine Fußnote. Denn er berührt etwas, worüber wir kollektiv schweigen – aus Feigheit und weil die Sprache dafür längst kriminalisiert wurde.

Systematische Kastration

Unsere westliche Zivilisation, insbesondere die protestantisch geprägte in den USA, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien, hat in den letzten Jahrzehnten ein großangelegtes Experiment gestartet: Sie hat nicht nur Lebendigkeit und Spontanität als verdächtig markiert, sondern das männliche Ideal kastriert. Nicht jeden Mann. Aber den Typus, der schützen, entscheiden und im Ernstfall auch zuschlagen kann. All das wurde „toxisch“ genannt und entsorgt. Übrig blieb der weiche, permanent entschuldigende, um Erlaubnis bittende Mann, der beim ersten kritischen Blick schon den Anwalt im Kopf hat. Gefallen an einer Frau offen zu zeigen ist für ihn fast schon ein Verbrechen.

Dann kommen auf einmal Männer, für die diese Umerziehung nie stattgefunden hat. In denen es kein Gewalttabu gibt. Die eine Frau ansehen, als gehöre sie ihnen. Die nicht fragen, ob sie fragen dürfen. Und plötzlich stellt sich heraus: Ein Teil der Gesellschaft – wir wissen alle, welcher –, der das eigene Männlichkeitsideal systematisch verhöhnt hat, empfindet genau diese ungezähmte Energie als erregend. Unterschwellig. Denn zugeben würden sie das nie. Stattdessen verklären sie all das lieber zur Authentizität, zur notwendigen Korrektur, zum lebendigen Gegenstück zu dem, was sie am Eigenen als unterdrückerisch und erstarrt brandmarken. Dieselbe Schicht, die unablässig gegen „toxische Männlichkeit“ und Patriarchat wettert, zeigt eine bemerkenswerte Faszination für den Islam – ausgerechnet für eine Religion und Kultur, die Frauen systematisch unterordnet und Homosexuelle verfolgt. Der Widerspruch ist nur scheinbar. Er löst sich auf, sobald man begreift, dass es hier nicht um Prinzipien geht, sondern um die geheime Bewunderung für das, was man am Eigenen zerstört hat.

Das wiederum hat tiefere kulturelle Wurzeln – Schuldkultur, Selbstkasteiung, Reinigungsritual durch Unterwerfung –, die einen eigenen Artikel, wenn nicht ein eigenes Buch verdienen würden. Die protestantischen Wurzeln dieser Selbstbestrafungskultur erklären vieles davon – gemeint ist die Kulturgeschichte, nicht jeder Gläubige. Der Mechanismus dahinter ist so simpel wie erschreckend: Die Verklärung funktioniert nur, weil die Konsequenzen woanders landen. Die Gewalt, der Kontrollwahn, die Unterwerfung – das trifft die Frauen in anderen Stadtteilen, die Kinder in anderen Schulen, die Patienten in anderen Wartezimmern. Wer genug Geld und den richtigen Wohnsitz hat, kann das Experiment aus sicherer Distanz romantisieren. Die Gefahr und ihre Folgen sind dokumentiert. Man muss nur die Kriminalitätsstatistik ansehen.

Und was ist mit den Männern, die diese Politik aktiv betreiben und verteidigen? Auch da lohnt sich ein Blick unter die Oberfläche. Erstens wäre da ein Unterwerfungsreflex: Wer jede eigene Maskulinität als toxisch verinnerlicht hat, empfindet Selbstauslöschung als moralische Reinigung – Schuldabtragung durch Verschwinden. Dazu kommt Erleichterung, die eigene Schwäche endlich als moralische Überlegenheit verkaufen zu können. Zweitens der Konkurrenzausschluss: Die Männer, die diese Politik machen, leben privilegiert und zahlen den Preis nicht selbst. Drittens, und vielleicht am perversesten: auch Männer können die unterdrückte eigene Wildheit auf den „authentischen“ Fremden projizieren und sich durch Identifikation mit ihm entlasten – ohne je das Risiko zu tragen. Spontan musste ich bei diesen Zeilen an die Liebe von Frank-Walter Steinmeier zu den Mullahs im Iran denken.

Selbsthass im Outsourcing

Die unterschwellige Sehnsucht nach dem Wilden, dem Fremden ist die logische Folge einer Kultur, die das Eigene als gefährlich und das Fremde als lebendig verkauft, die vom „edlen Wilden“ träumt und die realen Kosten systematisch auf die sozial Schwächeren abwälzt. Es ist ausgelagerter, delegierter Selbsthass. Das Ganze gipfelt in der Aussage von Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, wir bekämen Menschen geschenkt. Nur in diesem Kontext ist so eine Aussage wirklich erklärbar. Genauso wie der alte Sponti-Spruch „liebe Ausländer, lasst uns mit den Deutschen nicht allein“.

Aber wer diese Motivlage – und natürlich ist sie beileibe nicht die einzige – ausspricht, gilt sofort als Frauenfeind oder Spinner. Dabei ist es nur die Beschreibung eines Vakuums. Eine Gesellschaft, die ihre eigenen Söhne zu Höflichkeitsrobotern erzieht und gleichzeitig die Grenzen öffnet, darf sich nicht wundern, wenn das Vakuum gefüllt wird – und zwar nicht von den eigenen.

Japan hat diese Frage beantwortet, indem es sie gestellt hat. Wir haben sie verboten. Und während wir uns weiter über politische Korrektheit streiten und der polit-mediale Komplex die Benennung der Realität tabuisiert und  „rechtsextrem“ diffamiert, wird Raspails Roman Tag für Tag weniger Dystopie und mehr Reportage.

Solche Analysen sind im Mainstream nicht zu finden. Wenn Sie ihnen etwas wert sind, bin ich für Ihre Unterstützung sehr dankbar. Hier steht, wie es geht.

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Bild: Symbolbild/KI/Gemini

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