Was würde man von Menschen erwarten, die mit den Meinungen anderer nicht einverstanden sind? Genau – dass sie mit diesen reden. Weil sie überzeugt sind, gute Argumente zu haben. Was geschieht stattdessen in Deutschland? Ausgerechnet diejenigen, die sich für moralisch überlegen halten, greifen zu den absurdesten Mitteln und Fouls, um Menschen mit anderer Meinung mundtot zu machen.
Den neuesten Beleg liefert wieder einmal der stramm linke Verein Campact. Erst vor 13 Tagen habe ich darüber berichtet, wie dessen Glaubenskrieger mit Millionen aus dem Halbdunkel einen Wahlkampf gegen die AfD in Sachsen-Anhalt machen, der jedem Gedanken von fairen Wahlen Hohn spricht (siehe hier).
Jetzt legen die Moralibans noch einen drauf: Sie fordern 90 Unternehmen auf, ihre Werbung für 62 YouTube-Kanäle zu sperren – mit der Begründung, diese hätten einen AfD-Bezug. Die genauen Kriterien sind undurchsichtig. So landeten etwa neben zahlreichen AfD-Politikern Roland Tichy, Nius, Achtung Reichelt und Apollo-News auf der Liste, meine Wenigkeit dagegen nicht (dazu etwas später mehr). Die vollständige Liste finden Sie hier.
Was das in Deutschland bedeutet, wo das vorauseilende Einknicken vor linken politischen Aktivisten eine Grundtugend ist wie früher der Putztag, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Die betroffenen Kanäle werden in Kürze ein echtes Finanzierungsproblem bekommen.
Die „Welt“, die über die Aktion hinter einer Zahlschranke schreibt, berichtet denn auch von Nervosität in den Unternehmen. Kein Wunder, ist die Drohung der Aktivisten doch explizit: Wer die Werbung nicht sperre, riskiere seinen „guten Ruf“. Mit anderen Worten: Er riskiert, von rot-grünen Aktivisten angeschwärzt und an den öffentlichen Pranger gestellt zu werden. Der Verband der Familienunternehmer kann ein Lied davon singen – Campact diffamierte ihn massivst, nachdem er es wagte, die Brandmauer zur AfD infrage zu stellen.
List der Anpasser
Und tatsächlich – die Konzerne kuschen. Campact vermeldet stolz: „Folgende Unternehmen haben bereits angekündigt, ihre Sperrlisten anzupassen: Aldi Süd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, Constantin Film, Wolt, Bergfreunde, Immowelt, Euronics, Axa, Berliner Wasserbetriebe, Milram, dm, Immoscout, Edeka, Flixtrain, Bifi, Klosterfrau, Procter & Gamble. Darüber hinaus haben Miniatur Wunderland, LG Electronics, Krombacher, Sparkasse, Sumup, Lenor, Rewe, Booking und Samsung zurückgemeldet, sie wollen dies prüfen“.
Besonders pikant: Auch die Drogeriekette dm steht jetzt auf der Liste derjenigen, die angekündigt haben, ihre Sperrlisten anzupassen. Dabei war dm-Chef Christoph Werner 2025 selbst massiv von Campact unter Druck gesetzt worden, nachdem er Verständnis für den Verband der Familienunternehmer geäußert und für offene Debatten geworben hatte. Damals habe man ihn nach dem Motto bearbeitet: „Bekenne dich, dass du austrittst, sonst werden wir veröffentlichen, dass du Mitglied bist.“ Dass dm damals aus anderen Gründen längst kein Verbandsmitglied mehr war, spielte keine Rolle. Der Druck scheint gewirkt zu haben.
Dass Unternehmen, die von der freien Marktwirtschaft leben, derart Männchen machen vor linken Aktivisten, denen unser einst freiheitliches System ganz offensichtlich suspekt ist, gehört zu den Treppenwitzen der Geschichte – und auch zu ihren Konstanten. Schon Lenin spottete, die Kapitalisten würden den Kommunisten noch die Schnur verkaufen, an der sie sie aufhängen.
,Opfer der Bildungskatastrophe‘
Auch Apollo News steht auf der Liste – angeblich als Teil des „AfD-Vorfelds“. Als „Beleg“ dient ein Text der Amadeu-Antonio-Stiftung. Der Chefredakteur erfuhr erst durch eine Anfrage der „Welt“ davon und nannte die Methode, über Druck auf Werbekunden die Finanzierung unliebsamer Medien anzugreifen, skandalös und „abstoßend“. Seine Redaktion habe die AfD vielfach kritisiert, „insbesondere wegen ihrer anti-westlichen, prorussischen Außenpolitik“. Von Politikern und dem „Vorfeld“ der Partei sei man deshalb „gebetsmühlenartig“ angegriffen worden. AfD-Chefin Weidel habe Apollo News gar als „Opfer der Bildungskatastrophe“ bezeichnet.
Dass die Aktion unter dem Motto ‚gegen Hass und Hetze‘ läuft, und in Wirklichkeit genau diese Hetze betreibt und genau die Ausgrenzung praktiziert, die sie ihren Opfern vorwirft – wer nicht sperrt, riskiert seinen ‚guten Ruf‘ –, gehört zu den Absurditäten und zu der kognitiven Dissonanz, an die wir uns leider gewöhnt haben.
Merkwürdiges Fehlen
Und ich? Ganz ehrlich: Meine erste Reaktion war Erleichterung. Wer will schon auf so einer Liste stehen. Für eine Sekunde dachte ich dann: Vielleicht haben die ja tatsächlich kapiert, dass ich einfach kritischen Journalismus betreibe und es keine Parteiwerbung ist, wenn man sich gegen eine Verteufelung von Parteien ausspricht. Aber ich fürchte, diese Hoffnung ist eine Illusion. Wahrscheinlicher: Sie haben mich schlicht nicht auf dem Radar. Was für sich genommen schon bemerkenswert ist – ich bin, laut Reuters Institute der Oxford University, die reichweitenstärkste Nachrichtenfigur (neudeutsch „Newsfluencer“) Deutschlands (siehe meinen Artikel „Platz 1 – und niemand darf es erfahren: Wie der NDR eine Oxford-Studie zurechtstutzt). Übersehen kann man mich eigentlich nicht. Aber dennoch – meine Hoffnung, dass Campact halbwegs nachvollziehbare Kriterien hat, und bei mir schlicht nichts fand, was ins Raster passte, ist gering. Denn wie beliebig die Kriterien wirklich sind, zeigt die „Beleg“-Spalte der Boykottliste: Mal reicht ein Verweis auf den Verfassungsschutz NRW, mal ein x-beliebiges „Beispielvideo“, mal nur ein Link auf einen Text einer befreundeten NGO. Recherche mit harten Kriterien sieht anders aus.
Bleibt die Frage, die am Anfang stand. Was würde man von Menschen erwarten, die mit den Meinungen anderer nicht einverstanden sind? Dass sie reden. Streiten. Mit Argumenten. Campact tut das Gegenteil: Boykottlisten statt Debatte, Drohungen statt Gespräch, Halbdunkel statt offener Auseinandersetzung. Warum wollen sie – Campact und all die vielen, vielen anderen – Andersdenkende mundtot machen? Warum ist das heute eine Pandemie? Wovor haben sie solche Angst?
Genau hier zeigt sich, warum mein Journalismus-Modell funktioniert. Campacts Hebel sind Werbepartner – Unternehmen, die Angst vor schlechter Presse haben und deshalb kuschen. Ich habe keine Werbepartner, die man unter Druck setzen könnte. Ich bin auf niemanden angewiesen außer auf Sie, meine Leser. Das macht mich erpressungsresistent – aber nur, solange genug von Ihnen mitmachen. Hier steht, wie es geht. Danke!
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Bild: Symbolbild/KI/Gemini
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