Corona-GAU für Söder?

Die Zeit vergeht so schnell in diesen Tagen, dass Ereignisse, die erst ein paar Tage her sind, auf einmal so wirken, als seien sie in einer anderen Epoche geschehen. Wer denkt heute noch an die Kommunalwahlen in Bayern am Sonntag, den 15. März? Vor dem landesweiten Urnengang gab es viele skeptische Stimmen, die warnten, angesichts der Corona-Epidemie sei so ein Urnengang keine gute Idee. Die bayerische Verwaltung, der Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vorsteht, wischte all die Bedenken zur Seite. Und so wurden die Wahlen abgehalten, als seien wir in mehr oder weniger normalen Zeiten. Ich schrieb dazu auf facebook am 15. März: „Überall wird über Quarantäne gesprochen, die Kanzlerin rief zur Minimierung sozialer Kontakte auf, Clubs, Bars etc. werden geschlossen – und in Bayern finden heute Kommunalwahlen statt. Kann mir jemand erklären, warum?“

Ein Kommentator schrieb: „Angesichts der Tatsache, dass der Virus stunden- und tagelang an Gegenständen (wie Kugelschreiber, Türklinken) haften kann und in der Luft mehrere Minuten überlebt, ist eine Wahl, wo alle paar Minuten neue Menschen in einen Raum kommen, keine gute Idee.“ Marisa Kurz berichtete: „Ich war Wahlhelferin heute in München, gab nicht mal Desinfektionsmittel um ab und zu die Tische und Stifte abzuwischen. Meiner Meinung nach hätte man die Wahl in München absagen müssen, weil München bayernweit am stärksten betroffen ist (etwa 250 bekannte Fälle). Irgendwo auf dem Land in Bayern ist das schon okay, aber München hätte ich echt abgesagt.

Und so kam es zu einem wohl einzigartigen zeitlichen Ablauf: Der „ganz normale“ Wahltag war kaum vorbei, die Wahllokale noch keine 24 Stunden geschlossen – da rief Ministerpräsident Söder, der Mann, der für die gewöhnliche Durchführung der Wahlen in dem Bundesland mit mehr als 13 Millionen Einwohnern verantwortlich war, den Katastrophenschutz aus. Und inszenierte sich fortan als der härteste Krisenmanager. Das hier ein gewisser Widerspruch herrscht bzw. eine Glaubwürdigkeitslücke, wurde in den Medien kaum thematisiert. Viele feierten Söder fortan als einzigen, der vor keiner noch so harten Maßnahme zurückschreckt. Ein bisschen habe auch ich mich davon anstecken lassen, muss ich gestehen. Aus seinem Umfeld wurde fleißig gestreut, dass sich der ehrgeizige Franke, parteiintern für sehr harte Ellenbogen bekannt, als Kanzler fast schon aufzwänge. Und tatsächlich machte der ehrgeizige Franke im Kontrast zu den stets etwas lendenlahm wirkenden Spahn, Altmeier, Laschet und Co. einen durchgreifenden Eindruck.

Und jetzt das! Das Image vom einzigen Regierungschef in Deutschland, der wirklich durchgreift, droht Kratzer zu bekommen. Massive. „Auch wenn es die Politik dementiert: Die Kommunalwahlen in Bayern waren eine Coronaviren-Schleuder für die bayerische Bevölkerung. Das belegen die öffentlich zugänglichen Zahlen eindeutig“, schreibt der Autor Marcel Bohnensteffen jetzt auf Politplag. Seine Analyse hat es in sich. Umso überraschender – oder vielleicht auch gerade nicht, je nach Perspektive, ist es, dass sie bislang kein einziges von den großen Medien aufgegriffen hat. Die bayerische Landesregierung war demnach Tage vor dem Wahltermin gewarnt gewesen und hat dennoch nichts unternommen, um die Bevölkerung zu schützen. Bohnensteffen fragt: „Wann wacht die Öffentlichkeit endlich auf und erkennt, dass hier verantwortliche Stellen mit Menschenleben gespielt haben?“Der Autor stützt sich auf eine Untersuchung der offiziellen Zahlen des Robert Koch-Instituts, und Einschätzungen von Experten und Insidern. Insbesondere auf eine Analyse von Martin Heidingsfelder, Gründer der Plattform VroniPlag Wiki, der die Infiziertenzahlen in Bayern über mehrere Wochen systematisch mit denen anderer Bundesländer verglichen hat. Dabei fiele auf, so Bohnensteffen in seinem Text unter Berufung auf Heidingsfelder: „Vom 20. bis 29. März, also knapp eine bzw. zwei Wochen nach der Kommunalwahl verzeichnet Bayern einen deutlichen Anstieg von Corona-Infektionen. Die prozentualen Veränderungen in diesem Zeitraum weichen mit Ausnahme von zwei Tagen (24. und 25. März) deutlich vom bundesweiten Durchschnitt ab.“

Auf seinem twitter-Account führt Bohnensteffen hierzu als Beleg zwei Graphiken an:

Die Abweichungen fallen der Analyse zufolge genau in die Inkubationszeit, die für Corona typisch ist, nämlich zwischen fünf und 14 Tagen. Erst nach dieser Zeit weisen Infizierte in der Regel Symptome von COVID-19 auf. Bohnensteffen beruft sich in seinem Text auf den Virologen Martin Stürmer vom Labor für Interdisziplinäre Medizin und Diagnostik in Frankfurt. Der hält es demnach „für plausibel, dass der Wahltag eine zusätzliche Infektionswelle innerhalb Bayerns ausgelöst hat.“

Bayerns Innenministerium, das formell für die Durchführung der Wahlen die Verantwortung trug, sieht laut Bohnensteffen keinen Zusammenhang zwischen den stärker als im Bundesdurchschnitt steigenden Fallzahlen und den Wahlen. In seinem Artikel schreibt Bohnensteffen: „Das Ministerium bezeichnet einen solchen Vorwurf als ,falsch´ und ,völlig haltlos´. Auf Anfrage teilt es schriftlich mit, die Infiziertenzahl in Bayern rühre ,auf keinen Fall von einer Ansteckung am 15. März´ her.“

Man mag dem bayerischen Innenministerium durchaus zutrauen, dass es gut informiert ist, und auch in Sachen Viren kompetent. Dass es allerdings genau weiß, wie und wo sich Menschen infizieren können, überrascht doch sehr: Denn nur mit einem solchen Wissen kann das Ministerium behaupten, der Anstieg der Infektionen komme „auf einen Fall von einer Ansteckung am 15. März“.

Ebenso schwer nachvollziehbar ist es, warum das Ministerium die durchaus logischen Schlussfolgerungen von Bohnensteffen als „völlig haltlos“ zurückweist. Zumindest nach logischen Gesichtspunkten ist diese sehr kategorische Haltung des Ministeriums nicht ganz nachvollziehbar. Dafür aber umso mehr aus politischen – die Vorwürfe haben enorme politische Sprengkraft und drohen heftig am Bild Söders als Super-Krisenmanager und Kanzler in spe zu rütteln. In meinen Augen ist die Analyse von Bohnensteffen bzw. Heidingsfelder durchaus ernst zu nehmen und zumindest alles andere als „haltlos“ – und ich empfehle Ihnen sehr, sich davon selbst ein genaueres Bild davon zu machen – hier nochmal der Link zu Bohnensteffens Text.PS – Leserkommentar:Kleine Ergänzung zu den Kommunalwahlen in Bayern: Das wurde aus Berlin gezielt flankiert. Diese Warnung vor angeblichen Fake News wurde einen Tag vor den Kommunalwahlen aus dem BMG abgefeuert, um dann einen Tag nach den Kommunalwahlen die Einschränkungen zu verkünden.

Das war nicht Söder allein, das kam von ganz oben.

https://www.stern.de/gesundheit/coronavirus–gesundheitsministerium-warnt-vor-fake-news-9181716.html


Bild: Pixabay

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