Corona-Regeln: Wird das Durchsetzen schwierig, gibt es Ausnahmen Beerdigung mit über 120 Trauergästen

Von Elias Huber

Je mehr eine Regierung ins Leben der Bürger eingreift, desto willkürlicher agieren diejenigen, welche die Verordnungen durchsetzen. Die Bürger sind vor dem Gesetz nicht mehr gleich, sondern manche sind gleicher. Das zeigt auch eine Beerdigung in der bayerischen 9000-Seelen-Gemeinde Rain.

Die besuchten am vorvergangenen Freitag zwischen 120 und 150 Trauergäste laut Polizeiangaben. Ein Anwohner, der neben dem Friedhof eine Agip-Tankstelle betreibt, schätzte die Besucherzahl gar auf “knapp 300” gegenüber reitschuster.de. Erlaubt sind aber gerade einmal 25 Trauergäste.

Bürgermeister und Polizei standen vor einem Dilemma: Sollten sie die Beerdigung auflösen oder weiterlaufen lassen? Der Bürgermeister entschied in Absprache mit der Polizei, die Veranstaltung zu genehmigen. Ein Polizeisprecher argumentierte gegenüber reitschuster.de, man hätte den Menschenzustrom “nur mit erheblichen Zwangsmaßnahmen” verhindern können. Die Verantwortlichen hätten entschieden, die Situation “nicht eskalieren zu lassen”.

Gleichwohl – der Fall aus Rain zeigt: Die Corona-Regeln gelten nur insoweit, als sie der Staat durchsetzen kann. Wird das Durchsetzen schwierig, gewährt man Ausnahmen. Bei rodelnden Kindern sind die Gesetzeshüter knallhart. Auch Angehörige können sich manchmal nicht von einem Verwandten verabschieden, der im Sterben liegt, wenn dieser positiv getestet wurde.

Zudem drängt sich der Eindruck auf, dass manche Staatsdiener das Coronavirus selbst nicht ernst nehmen. Wenn es doch ein außergewöhnlich gefährliches Virus ist, müsste der Staat nicht auch hart durchgreifen? Die Trauergäste könnten schließlich andere anstecken, die an dem Virus sterben. Selbst Polizeigewalt dürfte doch eigentlich kein Hindernis sein, um die Regeln durchzusetzen – zumindest in der Logik der Corona-Befürworter.

Im Nachgang stellte sich übrigens heraus, dass der Bürgermeister nicht einmal befugt war, eine Sondergenehmigung zu erteilen. Das hätte allein der Landrat in Absprache mit dem Gesundheitsamt tun dürfen, wie die Lokalseite Donau-Ries-Aktuell berichtete. Ein weiterer Regelbruch.

P.S.: Im Netz gab es Spekulationen, dass die Trauergäste einen Migrationshintergrund hätten. Ein Facebook-Nutzer kommentierte etwa einen Bericht über die Beerdigung mit der Frage “Migranten-Bonus?”. Jouwatch spekulierte, es sei nicht anzunehmen, dass es unter den “indigenen Deutschen” Familien gebe, die für eine Beerdigung „bis zu 400 Teilnehmer“ mobilisieren könnten. Dagegen erklärte der Anwohner gegenüber reitschuster.de, dass es sich um “deutsche Christen” aus einer Artistenfamilie gehandelt habe. Auch die Bild berichtete, dass die Verstorbene aus einer Zirkus-Familie gestammt habe. Die Wurzeln der Familie reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, wie eine Wikipedia-Suche ergibt. Eine Mitarbeiterin des entsprechenden Zirkus-Unternehmens bestätigte auf reitschuster.de-Anfrage, dass es sich bei der Verstorbenen um ein Familienmitglied handele.

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Elias Huber arbeitet als freier Journalist in Frankfurt am Main.
Bild: Von Kirill_ak_ white/Shutterstock
Text: eli

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