Die große Katerstimmung nach der Wahl Die Grünen interessiert nicht, wer unter ihnen Kanzler ist

Von Alexander Wallasch

Was für eine Katerstimmung – ganz gleich, wen man nach der Bundestagswahl trifft oder anruft, diese Ratlosigkeit nach diesem rasanten Countdown hin zum Wahltermin ist überall zu spüren. Sicher, das hat auch viel mit der eigenen Blase zu tun. Aber was ist so eine neumodische „Blase“, genannt Zuordnung, denn mehr als die komfortable Hülle für jene Menschen und Haltungen, denen man zugeneigt ist? Mit einem Unterschied vielleicht: Früher konnte, wer nicht ins eigene Denkschema passte, nicht einfach blockiert werden.

Katzenjammer nach der Wahl also. Aber selbst das ist eher merkwürdig als verständlich. Denn was hatte man sich erwartet? Es gab für besonders viele Bürger dieses Mal keinen Wahlausgang, der sie hätte positiv überraschen können. Diese sogenannte Schicksalswahl war schon entschieden, bevor die Wähler ihre Stimme abgegeben hatten: Ohne die Grünen und ihre ideologische Agenda ist in Deutschland nichts mehr möglich. Die Bundesregierung unter Merkel, die Alt-Medien und nicht zuletzt das öffentlich-rechtliche Fernsehen haben dafür gesorgt, dass aus der kleinsten Fraktion im Deutschen Bundestag ein Anspruch auf die Kanzlerschaft erwuchs und die grüne Ideologie das politische System in Deutschland endgültig aus den Angeln hebt.

Der Katzenjammer der einen ist der Opportunismus der anderen: Am Morgen nach der Wahl lese ich bei guten Freunden schon wieder eine Anpassung an die neuen Verhältnisse – jetzt wird die FDP mit größtem Interesse beobachtet – was wird Lindner machen? Auf einmal ist der Liberale so etwas wie ein Hoffnungsträger geworden, der die grüne Ideologie möglicherweise noch einzudämmen in der Lage wäre.

Ja, viele Bürger haben den natürlichen Wunsch, wenigstens irgendwie noch dazuzugehören, wollen diesen Katzenjammer loswerden. Eine Art Stockholm-Syndrom? Also werden mit Hängen und Würgen Alternativen zu jenem Kurs gesucht, den Annalena Baerbock bei der sogenannten „Elefantenrunde“ des Zwangsgebührenfernsehens als alternativlos erklärt hat: Ganz gleich, wer am Ende mit den Grünen regieren würde, es müsse eine „Klimaregierung“ sein.

Aber warum wird ausgerechnet jener Christian Lindner jetzt für viele zum Hoffnungsträger, der doch als FDP-Chef eine Legislatur lang nichts weiter getan hat, als sich gelegentlich gegen die AfD abzugrenzen und der ansonsten sein Jamaika-Trauma therapiert, also darüber nachgedacht hat, warum er in einem Anfall von politischem Anstand „Nein“ gesagt hat dazu, das fünfte Rad zu sein an dem Karren, den Merkel mit den Grünen 2017 schon als Klimaregierung ins Rennen schicken wollte?

Ebenfalls in der Elefantenrunde sagte Lindner etwas Bemerkenswertes: Er sprach offen davon, Jamaika den Vorzug zu geben vor der Ampel, aber dieses Mal müsse die Konstellation anders aussehen: Er will mit Laschet die Marschrichtung vorgeben und sich nicht wieder wie 2017 von Merkel und den Grünen über den Tisch ziehen lassen.

Allerdings zu glauben, die Grünen ließen sich 2021 noch einhegen von politischen Zweckgemeinschaften außerhalb einer grünen Ideologie, dazu gehört schon eine gehörige Portion Blauäugigkeit. Und Lindner ist nicht blauäugig, also auch das schon wieder der Versuch einer Wählertäuschung.

Wenn die Grünen nicht die Kanzlerin stellen können, ist es ihnen ziemlich gleich, wer unter ihnen den Kanzler stellt. Zu sehr haben sie sich daran gewöhnt, dass die Bundeskanzlerin der Union sich ihnen spätestens ab den 2010er Jahren so bedingungslos zugewandt hatte – das wird jetzt von jedem Bundeskanzler erwartet. Und die Herren werden selbstverständlich liefern.

Wer nun allerdings glaubt, Olaf Scholz hätte alles in trockenen Tüchern, der irrt auch hier. Denn auch wenn die grüne Ideologie gesetzt erscheint und die Grünen auf jeden Fall Teil der Bundesregierung sein werden, ist der FDP jetzt aus einem bestimmten Grund eine Sonderrolle zugefallen: Rot-Rot-Grün hat keine Mehrheit.

Hier ist es rückblickend interessant, dass die Grünen und die SPD in den entscheidenden letzten Wochen des Wahlkampfs alles dafür getan haben, die Linke zu schwächen. Mit Erfolg. Grün will im Prinzip einfach nur weiter durch Merkel regieren, da Merkel aber nicht mehr antritt, soll Laschet den Sprechsack der Grünen geben. Nicht Olaf Scholz. Denn wenn man letzteren gewünscht hätte, hätte man die Linke nicht so schlecht reden dürfen.

Aber wie selbstbewusst ist das eigentlich? Denn wer Laschet will, der will Jamaika, anders geht es ja nicht beim Ringen um Mehrheiten. Wenn aber Rot-Rot-Grün nicht die erste Wahl der grünen Ideologen war, dann sagt das viel darüber aus, wie tief diese Ideologie schon verfestigt ist in der Union und bei den Liberalen.

Aber auch diesen Parteien wird es zunehmend leichter gemacht: Wo man eine Position so gar nicht mehr vertreten kann vor den Bürgern, weil sie sich augenscheinlich nicht am Wohle des deutschen Volkes orientieren, kann man sich darauf zurückziehen, dass einem die Hände gebunden sind durch EU- und UN-Recht. Diese übergeordneten Instanzen werden zukünftig eine gewichtige Rolle spielen, wenn es um Klima- und Migrationspolitik geht: Der politische Wille der Deutschen hat auf breiter Front seine gestaltende Rolle verloren, weil die grüne und linke Ideologie es so wollte und weiter noch will.

Katerstimmung nach der Wahl. Natürlich. Aber keine überraschende. Niemand hätte etwas anderes erwarten können. Sicher war das eine Schicksalswahl – allerdings war das Schicksal schon viel früher besiegelt, die Wahl konnte und hat dran nichts mehr ändern können. 

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Shutterstock
Text: wal

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Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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