Die Hetzjäger – Medien auf totalitären Abwegen Til Schweigers Foto mit mir und der Sturm im Medienglas

Die stramm konservative CSU-Legende Otto von Habsburg, Sohn des letzten Kaisers und in jungen Jahren sogar noch Thronfolger, pflegte in seiner Zeit im Europäischen Parlament einen engen, fast freundschaftlichen Austausch mit dem stramm linken Daniel Cohn-Bendit von den Grünen. Weder bei den Grünen noch bei der CSU löste das nennenswerte Empörung aus.

Wenn ich in Moskau bin, treffe ich mich regelmäßig auch mit Putins früherem Sprecher Michail Koschuchow, einem bekannten TV-Star. Mehrmals gab es auch Selfies in sozialen Netzwerken mit freundlichen Worten. Niemanden regte das auf. Obwohl man Koschuchow, der im Kreml inzwischen in Ungnade gefallen ist, durchaus eins auswischen könnte durch solche Bilder mit dem „Kreml-Feind“.

Nicht nur in freiheitlich-demokratischen Systemen ist Privates Privatsache. Auch moderne autoritäre Systeme halten sich eher zurück, wenn es darum geht, wer mit wem welchen Umgang pflegt. Was sie von den totalitären Systemen der Vergangenheit unterscheidet. Und – man muss das leider sagen, auch wenn es brutal ist – vom selbsternannten „besten Deutschland aller Zeiten“ im Jahr 16 unter Angela Merkel.

Hier reicht es, dass ein Filmstar ein Selfie mit zwei freundlichen Worten mit einem Journalisten macht, den viele nicht mögen. Und schon herrscht auf Twitter hellste Aufregung. Sieht man sich die Trends an, hat man den Eindruck, es gäbe kaum etwas Weltbewegenderes. Die mediale Blase hyperventiliert. Wie auf Kommando werden die beiden Abgebildeten im immer gleichen Tenor und teilweise identischem Wortlaut mit einem Eifer diffamiert, wie man ihn ansonsten eher aus Gottesstaaten im Umgang mit Ketzern kennt.

Hier ein paar Kostproben:

„Qualitätspresse“ 2021. Mit Journalismus hat das nur noch wenig zu tun. Eher schon erinnert es an eine Hetzjagd. Und an die Definition von Propaganda im Duden: „Systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder ähnlicher Ideen und Meinungen mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen.“ Das Problem dabei: Viele Steigerungsmöglichkeiten sind da kaum noch möglich. Wenn man nicht irgendwann mit dem Vorwurf kommen will, Schweiger oder ich würden kleine Kinder zum Frühstück essen.

In meinen Augen kann nur ein willfähriger Journalist keine Feinde haben. Wer Position bezieht und kritisch nachfragt, macht sich damit Feinde. Und wird von vielen nicht gemocht. Und auch heftig kritisiert. Das ist völlig okay. Etwas anderes ist es, wenn eine mediale Treibjagd veranstaltet wird. Wenn, um angesichts der EM die Fußballsprache zu nutzen, nicht gegen den Ball, sondern auf den Mann getreten wird.

Die Krone setzte dem Diffamierungskonzert der vom ZDF mit unseren Gebühren fürstlich alimentierte Jan Böhmermann auf:

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Menschen mit anderen politischen Meinungen als psychisch oder geistig krank hinzustellen, ist ein Wesensmerkmal von totalitären Systemen. Und von totalitärem Denken.

Man muss sich das vergegenwärtigen, weil es so ungeheuerlich ist, dass man es auf Anhieb erst einmal nicht wahrhaben will. Böhmermann macht sich darüber lustig, jemand, der sich mit jemandem trifft, der ihm, Böhmermann, politisch nicht genehm ist, sei deswegen geistig krank bzw. dement.

Tiefer kann man nicht mehr sinken, hätte ich fast geschrieben – hätte Böhmermann mit seinem Erdogan-Gedicht nicht schon lange einen Tiefpunkt erreicht („am liebsten Ziegen ficken“, „schlimm nach Döner“ riechendes „Gelöt“).

Was ich in diesen Tagen alles über mich in Zeitungen gelesen und im Fernsehen gesehen habe, hat mich verwundert. Und amüsiert. „Reitschuster – der Til Schweiger der Journalismus-Darsteller“, spottet etwa eine Autorin im Portal web.de: „Um sich den Grand Slam der Aluhut-Meisterschaften endgültig zu sichern, posiert Schweiger auf Instagram diese Woche stolz mit seinem ‚Helden‘ Boris Reitschuster. Ein selbsternannter Journalist, der auf seinem Blog eine Art Abenteuerspielplatz für Fake News betreibt.“

‘Selbsternannte Journalisten‘

Die Dame, die mich als „selbsternannten Journalisten“ bezeichnet (ein Widerspruch bzw. eine Dummheit in sich, weil in einer freien Gesellschaft niemand Journalisten „ernennt“), schreibt über sich auf ihrer Autoren-Seite: „Marie von den Benken arbeitet als Model, Autorin und Influencerin und lebt in Hamburg, Berlin und Paris. Sie kommuniziert insbesondere über ihren Twitter-Account und Instagram und engagiert sich für PETA, Viva con Agua, Weisser Ring und Trash-TV. Sie pendelt zwischen den internationalen Fashion Weeks und deutschen TV-Studios. Das ist auch der Grund, warum „Germany‘s Next Topmodel“ ihr Lieblingsformat ist. Eine Mischung aus beidem. Seit 2020 ist sie auch SPD-Mitglied, wird aber vermutlich trotzdem nie Bundeskanzlerin.“ Ein klassischer Beleg für die alte Theorie, dass jeder beim anderen immer dort Schwachstellen sucht, wo er sie selbst bei sich verortet.

Durch meine Jahre in Moskau bin ich abgehärtet. Mein Motto, was Hetzjagden angeht: Viel Feind, viel Ehr. Einer meiner besten Freunde, ein russischer Jude aus Kiew, hatte mir vor vielen Jahren, als ich mich noch aufregte über Angriffe unter der Gürtellinie, einen wertvollen Rat mitgegeben: „Wenn du dir sowas überhaupt ansiehst, wovon ich generell abrate, dann musst du das tun als Anthropologe; mit Erstaunen darauf schauen, wie die Menschen reagieren, wie sie sich zu Hass und Hetze hinreißen lassen. Statt dich darüber zu ärgern, muss es dich faszinieren. Motto: Erstaunlich, dass diese Aussage von dir da so viele Emotionen auslöst. Dann kannst du die Gründe sezieren. Aus emotionaler Entfernung. Eben wie ein Anthropologe.“

Der Rat hilft fantastisch. Bei vielen der „Hetzjäger“ ist es faszinierend, was sich zwischen den Zeilen über ihre Gemütslage herauslesen lässt. Wie bei einem Pawlowschen Reflex wird die Sympathie-Bekundung von Schweiger sofort auf das Thema Corona reduziert. Zum Vorschein kommt so eine Fixierung auf dieses Thema. Und eine Unfähigkeit, andere Meinungen dazu zu akzeptieren, wie es für Demokraten selbstverständlich sein müsste.

Der Hintergrund – nicht nur bei diesem, sondern auch anderen Reizthemen – sind Selbstzweifel und, bezüglich vermeintlicher Wahrheiten, eine große Unsicherheit – die tief verdrängt ist. Und die Beunruhigung, die es hervorruft, an das Verdrängte erinnert zu werden, wird dann mit Aggression kompensiert gegenüber demjenigen, der die sorgsam verdrängten eigenen Zweifel wieder zum Leben zu erwecken droht. Oder so kritisch ist, wie man es selbst gerne wäre – aber sich nicht traut. Nein, leider bin ich nicht so klug, dass ich mir das selbst erschlossen habe – die Theorie stammt von Bestseller-Autor und Psychiater Hans-Joachim Maaz, dessen Arbeit ich außerordentlich schätze. Und den die Rückkehr totalitärer Züge, wie wir sie gerade erleben, genauso erschreckt wie mich.

Dieses totalitäre Denken macht blind. Viele der Vorwürfe, die da im Eifer des Propaganda-Gefechts erhoben werden, sind einfach absurd (aber dazu in einem „Faktencheck“ später mehr). Focus Online schafft es, mich als Corona-Schwurbler zu diffamieren – während ich zeitgleich auf der Seite als Focus-Online-Autor geführt werde. Motto: „Focus Online enthüllt: Corona-Schwurbler schreibt für Focus Online“. Ich weiß, eigentlich sollte einen das wütend machen, aber meine Reaktion ist ein mitleidiges Lachen. Lächerlicher können Eigentore doch kaum sein!

Aber noch mal kurz ganz ernst:

Wie unsicher in ihren Meinungen müssen Menschen sein, um es nicht ertragen zu können, wenn andere das, was sie als Wahrheit ansehen, kritisieren oder auch nur kritisch hinterfragen? Auf welchen tönernen Füßen muss ihr Weltbild gebaut sein, wenn sie abweichende Meinungen nicht aushalten können. Machen wir die Gegenprüfung: Interessiert es Sie wirklich, was zum Beispiel ein Jan Böhmermann schreibt? Etwa über Corona? Oder wen die Volksverpetzer gerade wieder verpetzen? Mich, offen gestanden, nicht die Bohne. Obwohl ich eigentlich ein Anrecht darauf hätte, denn Böhmermann muss ich mit GEZ-Gebühren subventionieren, die Petzer indirekt als Steuerzahler, weil sie als gemeinnützig anerkannt werden (und dann auch mit Hilfe dieser „Gemeinnützigkeit“, also meiner Steuergelder, teure Verleumdungs-Anzeigen gegen mich in den Google-Suchergebnissen schalten). Dennoch: Ich käme auch nie auf die Idee, solche Leute oder Portale akribisch zu verfolgen, um mich dann über diese aufzuregen und sie öffentlich zu diffamieren. Sie sind mir schlicht egal.

Umgekehrt gilt das nicht.

Was ich als Kompliment auffasse.

Und als unglaubliche Selbstentlarvung. Frei nach dem großen Karl Kraus: Was trifft, trifft auch zu.

Ganz offensichtlich haben mein Team und ich in ein Wespennest gestochen.

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Nur eines ärgert mich an der Sache: Dass man, statt schönen Analysen, gelegentlich Artikel wie diesen schreiben muss. Die Hetzjäger sind Zeitdiebe. Und damit sie damit nicht wirklich erfolgreich sind, beende ich diesen Text hier. Ich könnte die ganze Hetze selbst nicht einmal annähernd so gut beschreiben, wie sie das durch ihre Hetze selbst tun.

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Bild: Til Schweiger
Text: br


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Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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