Die neuen Leiden des Anthony Fauci: Der Nimbus bröckelt Öffentliche E-Mails werden zum Bumerang

Von Christian Euler

Anthony Fauci gerät immer stärker unter Druck. Gleich mehrere schwere Vorwürfe scheinen sich zu verdichten. Vor wenigen Tagen musste der oberste Pandemie-Berater von US-Präsident Biden einräumen, dass in den vergangenen fünf Jahren 600.000 Dollar Steuergeld an das Wuhan Institute of Virology geflossen sind – und zwar vom National Institute of Health (NIH), der wichtigsten amerikanischen Behörde für medizinische Forschung.

Er könne nicht ausschließen, dass die NIH-Finanzierung auch für die sogenannte Gain-of-Function-Forschung verwendet wurde. Dabei verändern Wissenschaftler Viren, um deren Übertragbarkeit zu erhöhen. Als der republikanische Senator aus Kentucky, Rand Paul, Fauci am 12. Mai im US-Senat wegen US-Finanzierung des chinesischen Labors in die Mangel genommen hatte, hatte der Infektiologe dies noch dementiert.

Paul und Fauci dürften wohl kaum noch Freunde werden. Der Politiker hatte den Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten wiederholt in sozialen Medien und in diversen Interviews für dessen Kommentare zur Herdenimmunität und für das Tragen von Masken auch nach dem Erhalt des COVID-19-Impfstoffs kritisiert. Unter dem Hashtag #firefauci macht sich der Senator nun für dessen Entlassung stark.

'Tony Fauci war nur ein weiterer schäbiger Bundesbürokrat'

Ärger könnten ihm auch die „Washington Post“ und das Internetportal „Buzzfeed“ bereiten, die unlängst unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz mehrere tausend E-Mails erhalten und am 2. Juni veröffentlicht hatten. In der Konversation, die zwischen Februar und April 2020 stattfand, finden sich einige Passagen, die die Republikaner nun nutzen, um Fauci anzugreifen. Sie werfen ihm unter anderem vor, Hinweise vertuscht zu haben, dass das Coronavirus aus einem Labor in China entwichen sein könnte.

Andere E-Mails zeigen, dass Fauci davon überzeugt war, dass Gesichtsmasken „nicht wirklich effektiv“ seien, um Viren fernzuhalten. „Diese Mails offenbaren, dass Tony Fauci nur ein weiterer zutiefst politischer und oft unehrlicher, schäbiger Bundesbürokrat war“, wetterte Fox News-Moderator Tucker Carlson, der den mittlerweile fast 80 Jahre alten Corona-Papst nach eigenen Angaben in zahlreichen Sendungen immer höflich empfangen hatte.

Besonders brisant ist auch die Korrespondenz zwischen Fauci und Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Dieser hatte den US-Chefberater in Sachen Coronavirus für sein neu entwickeltes Informationsprogramm des Unternehmens über die Pandemie COVID-19 eingespannt. Dieses Tool hatte zwei zentrale Ziele: Die Gewährleistung, dass „die Menschen verlässliche Informationen aus verlässlichen Quellen erhalten“ und sie „zu ermutigen, soziale Distanz zu üben und ihnen Ideen zu geben, wie sie dies mit Hilfe von Internet-Tools tun können“.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

Senator Rand Paul bezeichnete die E-Mails als „verstörend“. In den Senatsanhörungen zur Gain-of-Function-Forschung habe Fauci wahrscheinlich gelogen. Dieser verwahrte sich gegen die Behauptung, dass er Hinweise vertuscht habe, das Coronavirus könnte aus einem Labor in China entwichen sein und wies darauf hin, dass seine Position dem damaligen Stand der Forschung zum Ursprung des Virus entsprochen habe. Er selbst glaube nach wie vor, dass es auf natürlichem Wege auf den Menschen übergesprungen sei.

Doch davon scheint nicht einmal sein oberster Dienstherr überzeugt zu sein. US-Präsident Biden beauftragte Ende Mai eigens die Geheimdienste, ihm binnen 90 Tagen alles vorzulegen, was sie zu dieser Theorie in Erfahrung bringen können. Dies heizte die Spekulationen über einen möglichen Laborunfall in Wuhan zusätzlich an – der zwischenzeitlich immer mehr Zuspruch erhält.

Unterdessen beschuldigte der Mediziner Vladimir Zelenko Fauci im Gespräch mit „One America News“ des Verbrechens gegen die Menschlichkeit, das zu Hunderttausenden von Toten in den Vereinigten Staaten und Millionen von Toten weltweit geführt habe. Er habe alles getan, um Menschen den Zugang zu Behandlungen zu verwehren, zürnte Zelenko.

'Zehn Lektionen über Wahrheit, Dienen und den Weg nach vorn'

Die Abgeordnete Marjorie Taylor Greene hatte bereits vor einigen Wochen eine Gesetzesvorlage eingebracht, die das Gehalt von Anthony Fauci von knapp 418.000 US-Dollar auf Null reduzieren soll. Die konservative Kommentatorin Candace Owens geht sogar so weit, für seine Inhaftierung zu plädieren.

Der Nimbus des einstigen Corona-Papstes bröckelt so schnell, dass sein neues Buch, das erst kürzlich mit großem Getöse für Anfang November angekündigt worden war, von Großhändlern wie Amazon und Barnes & Noble kommentarlos gelöscht wurde. Das größte US-amerikanische Buchhandelsunternehmen Barnes & Noble hatte das Buch kurz zuvor als Werk von „Amerikas vertrauenswürdigem Doktor“ beschrieben.

Der vielsagende Titel des Buches bekommt vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung eine Bedeutung, die Fauci so wohl nie im Sinn hatte: „Erwarte das Unerwartete: Zehn Lektionen über Wahrheit, Dienen und den Weg nach vorn.“

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Phil Pasquini/Shutterstock
Text: ce

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