Die Pandemie an Universitäten: „Ich kann meinen Mund nicht mehr halten, ohne daran zu erkranken“ #StudentenStehenAuf

Ein Gastbeitrag von Studentin Anna

Wenn wir auf Demos sind, dann hören wir vermutlich folgenden Satz am häufigsten: „Endlich seid ihr da, wir haben so lange auf euch gewartet!“ Aber wo sind die ganzen Studenten, die vor 60 Jahren noch gerufen haben: „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“?

Vermutlich sitzen sie in kleinen, viel zu teuren Wohnungen oder in ihren alten Kinderzimmern und arbeiten. In Zeiten der Online-Lehre müssen wir unsere Seminare nicht nur vor- und nachbereiten, sondern auch den Stoff selbst erarbeiten. Früher wurden in den Seminaren noch Inhalte durch Diskussionen und Austausch miteinander vermittelt. Aber heutzutage sitzen alle Studenten vor ihrem Laptop, Kamera und Mikro ausgeschaltet, und hoffen, dass sich der Dozent seine Frage selbst beantwortet. Die Inhalte der Online-Lehre fehlen leider zu großen Teilen und die Veranstaltungen, die wir besuchen, sind tote Zeit; wir lernen nicht wirklich etwas dabei. Außerdem findet das, was wir lernen, oft keine Anwendung.

„Einerseits lernte ich bereits in den ersten Vorlesungen, dass kritisches Hinterfragen elementarer Bestandteil von Wissenschaftlichkeit ist. Gleichzeitig wird in der Öffentlichkeit seitens regierungsnahen Institutionen dazu geraten, dies zu unterlassen. […] Gerade beschäftige ich mich studienbedingt damit, wie sich Verhalten von Menschen ändern lässt – z.B. durch Belohnung und Bestrafung – und dass Menschen eher geneigt sind, Verhalten zu imitieren, wenn eine Person mit Macht und Status es vormacht. Dies hilft mir, das derzeitige Verhalten der breiten Masse zu verstehen, doch frage ich mich ernsthaft: Was für einen Wert hat ein Studium, wenn es offenbar nicht zum kritischen Denken befähigt?“, schreibt eine 27-jährige Psychologiestudentin.

Auch in anderen Studienbereichen können die Studenten die jetzige Situation nicht nachvollziehen. „Als Medizinstudent im klinischen Studienabschnitt ist mir immer klar, dass die Medizin niemals schlimmer als die Krankheit sein darf. Aber genau das ist seit letztem Jahr permanent der Fall. Der Bevölkerung scheint das vollkommen egal zu sein, die breite Masse macht einfach alles mit und das ohne Hinterfragen. […] Ist das Virus wirklich so schlimm, dass junge, gesunde Menschen nicht in die Universität gehen dürfen, dass angehende Ärzte nicht adäquat ausgebildet werden dürfen?“

Wir haben viele Fragen an die Regierung, aber vor allem an die Universitäten, die Orte der Forschung und des Wissens, an denen Menschen wie Lessing, Kant oder Luther ihren Anfang nahmen, Kritiker, die sich für Diskurs und Aufklärung einsetzten.

„Die Universitäten als Orte des Wissens haben aus meiner Sicht versagt. Sie lassen keinen kritischen Diskurs zu, nehmen Studien, die nicht ins Bild der Regierung passen, nicht zur Kenntnis und scheinen nicht offen für gegensätzliche Meinungen zu sein.“ Was von den Universitäten geblieben ist, sind Institutionen, die wie der Rest der Gesellschaft in Panik verfallen sind. „Nur sind Linien in der Uni-Bibliothek nicht die einzigen Bodenmarkierungen. Hinter jeder Linie ist auch noch ein kleines Viereck geklebt. Eben, um sich in das Viereck zu stellen. […] Ich war vor einigen Wochen auch in der Gebrüder-Grimm-Bibliothek der HU-Berlin. Dort kann man am sogenannten Recherche-PC nach den gewünschten Büchern schauen. Die Mitarbeiter haben die Tastatur von diesem PC sogar mit Folie umwickelt. Direkt daneben steht ein großer Spender mit feuchten Desinfektionstüchern und dazu der Hinweis, die Folie nach der Benutzung mit einem Desinfektionstuch abzuwischen.“

Es herrscht eine dauerhaft ängstliche angespannte Stimmung an den Universitäten. An meiner müssen ausgeliehene Bücher nach der Rückgabe einen Tag in Quarantäne, bevor sie erneut ausgeliehen werden können. Doch auch zu Hause am eigenen Arbeitsplatz ist die Stimmung nicht viel besser. „Ich bekomme ein Arbeitsblatt, bearbeite dieses und das Thema zählt dann als durchgenommen. Welche Themen wir bisher ‚durchgenommen‘ haben, daran kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern, weil nichts davon hängen geblieben ist. Ich fühle mich demotiviert, mich überhaupt wieder an den Schreibtisch zu setzen, um zu lernen, da ich das Gefühl habe, es sei sowieso sinnlos. Ich fühle mich ausgepowert, ohne etwas getan zu haben, da der bloße Gedanke an die Zukunft mir Angst macht und mich erschöpft. […] Als ich mir eben meinen Text durchgelesen habe, fiel mir auf, dass ich nur Negatives geschrieben habe. Ich habe lange überlegt, was ich denn noch Positives über die »Online Lehre« schreiben könnte – eingefallen ist mir leider nichts. Hätte ich wenigstens Videokonferenzen mit meinen Dozenten und dem Kurs, dann wäre meine Situation bestimmt noch eine andere. Aber auf diese Art und Weise – allein mit ein paar Arbeitsblättern an meinem Schreibtisch, tagein tagaus, ohne Ausgleich – fällt es mir schwer, daran positive Seiten zu entdecken.“

Vielleicht ist ein Semester online möglich, aber mittlerweile sind es drei und die psychischen Auswirkungen werden immer deutlicher. Neben der Lehre besteht das Studium allerdings auch noch daraus, mit Kommilitonen auf dem Campus zu sitzen, oder in einer Bar. Mittlerweile unterhält man sich mit den Kommilitonen, wenn man es denn macht, auch online. Bei online Spieleabenden zum Beispiel. Auch dies ist sicherlich einmal, vielleicht auch zwei- oder dreimal möglich, aber nach einem Jahr, in dem nichts passiert ist, worüber man reden könnte, fehlt einfach der Gesprächsstoff. Den kritischen Studenten fehlt vor allem der Gesprächsstoff, weil man gebrandmarkt ist, sobald man Kritik an den Maßnahmen oder der Regierung äußert.

„Ich fühle mich ansonsten sehr isoliert – räumlich, emotional, geistig, intellektuell … auf vielfältige Weise. Ich erkenne mein soziales Umfeld nicht mehr wieder. Vor allem Leute, die ich aus studentischen Kreisen kenne, wirken meistens so, als wenn sie in einem Paralleluniversum leben, in dem ich ein feindliches Alien bin und nur nicht von ihnen angegriffen und verbal totgekloppt werde, weil ich mich nicht zu gewissen Dingen offen und ehrlich äußere. […] Es ist so, als würden alle einfach das wiedergeben, was sie im Fernsehen gehört haben. […] Und ständig dieser scheinbar große, übermächtige aber irrationale Konsens unter allen, dass Teilnehmer von Corona-Demos rechts sind.“ Wir haben uns daran gewöhnt, bei bestimmten Gesprächsthemen zu schweigen, damit wir von Freunden nicht mit Begriffen beworfen werden, die sie in den Medien gehört haben.

Die Medienberichte führen allerdings zu einer Behandlung von Studenten und auch Schülern, die ein Maskenattest haben, die ich in diesem Land nicht für möglich gehalten hätte, wenn man es mir vor zwei Jahren erzählt hätte. „Ich wurde im Voraus dafür verantwortlich gemacht, dass die ganze Schule auf der Intensivstation liegen würde, wenn ich ohne Maske in die Schule gehe. Ich werde nun von den Schülern separiert und muss im Nebenraum sitzen. Ich kann durch die Glasscheiben gucken, aber höre weniger und werde oft übersehen. Die Tür darf offenbleiben. Ich sitze zwei Meter hinter der Klasse … darf aber nicht im Klassenraum mit zwei Metern Abstand sitzen. Ich werde von Lehrern als Corona-Leugnerin bezeichnet. Zum Beispiel werde ich im Notengespräch gefragt: „Sie sind doch Corona-Leugnerin oder nicht?“ Im Kollegium wird schlecht über mich geredet. Die Lehrer scheuen sich nicht davor, mich vor der Klasse für alles Mögliche, bezüglich Corona, schuldig zu erklären.“

Um eine Prüfung ohne Maske schreiben zu dürfen, muss eine Studentin ihr Attest einreichen und einen Antrag auf eine maskenfreie Prüfung stellen. „Vormittags bekam ich eine E-Mail des Prüfungsamtes, dass meine eingereichten Unterlagen nicht ausreichen würden, um für die Prüfung eine Befreiung der Maskenpflicht zu bekommen. Daraufhin rief ich beim Prüfungsamt an. Es folgte eine Erklärung über die exakten Angaben, welche in einem Attest sein müssten.

Einzelunterlagen könnten nicht berücksichtigt werden. Um zur Prüfung (ohne Maske) zugelassen zu werden, sollte ich umgehend ein aktualisiertes Attest vorlegen. In Zeiten von Praxisdurchsuchungen jedoch nicht mehr so einfach. Auf meine Erklärung, dass es mir wirklich nicht möglich wäre, eine Maske zu tragen und den Hinweis, dass es mir nicht möglich ist, die Klausur nach der Pandemie nachzuholen, bekam ich folgende Antwort: „Sie müssen schon bedenken, dass Sie eine Gefahr für alle anderen darstellen.“ Nervlich und psychisch war ich zu diesem Zeitpunkt am Ende. Schließlich habe ich mir die Erkrankung nicht ausgesucht. […] Nicht einmal 24 Stunden vor der Prüfung erhielt ich die Erlaubnis, an der Prüfung auch ohne Maske teilnehmen zu dürfen. Jedoch unter folgenden Bedingungen: Ich müsste als erste da sein (eine Stunde vor dem offiziellen Einlass) und dürfte erst, nachdem alle anderen Studierenden den Raum verlassen haben, den Raum wieder verlassen. Toilettengänge sollte ich in der Zeit, wenn möglich vermeiden. Ich sollte die anderen Studierenden nicht gefährden.

Neben all diesen Erfahrungen kommt bei vielen von uns die Angst um die eigene Zukunft hinzu. Studierte Künstler, die ihren Abschluss in der Pandemie gemacht haben, werden direkt mit einem Berufsverbot konfrontiert. Offiziell habe ich einen Arbeitsvertrag, allerdings werde ich erst bezahlt, wenn ich auf der Bühne stehe. Ich bin nicht arbeitslos, es ist mir und so unglaublich vielen Künstler/innen ein Berufsverbot auferlegt worden. […] Aber in meinen Kreisen tobt ebenfalls eine Pandemie von Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und die konstante Message der Regierung: „Ihr (Künstler) seid nicht essentiell.“

Weil ich aktuell keine Abkehr von diesem meiner Ansicht nach politischen Irrweg in der Corona-Krise sehe, habe ich mich dazu entscheiden, diesen Staat nicht mehr zu unterstützen. Ich habe den Abbruch meines Studiums eingeleitet. Ich kann den Verfall unserer freiheitlich-demokratischen Grundwerte nicht mehr ertragen. Ich kann meinen Mund nicht mehr halten, ohne daran zu erkranken. Ich muss aussprechen können, was schief läuft.
Wir sehen uns auf der Straße!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

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Verfasst von Anna, im Namen der gesamten StudentenStehenAuf – Bewegung.

Offener Brief an alle Universitäten Deutschlands.

Bild: Suchawalun Sukjit/Shutterstock
Text: Gast
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Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2021 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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