Die psychosozialen Folgen für Kinder und Jugendliche in der „Pandemie“ Eingepreiste Kollateralschäden oder extreme Kurzsichtigkeit?

Ein Gastbeitrag von Dr. Bodo Neumann

Das gesamtgesellschaftliche Spektrum der psychischen Folgeschäden der „Corona-Pandemie“ ist bisher kaum analysiert und bewertet worden. Dabei ist die psychische Belastung enorm und die heftigste Welle kommt erst noch. Vergangene Krisen zeigen: Der Höhepunkt der psychosozialen Belastungen kommt erst nach dem Abklingen der ursächlichen Krise, weil die Psyche immer erst zeitverzögert reagiert.

Psychosoziale Folgen

Insbesondere die Folgen der „Corona-Maßnahmen“ auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind weitreichend und werden jetzt in den psychotherapeutischen und psychiatrischen Praxen sichtbar. Konflikte mit den Eltern, Homeschooling, fehlende soziale Kontakte mit Freunden, Sorgen um Angehörige sowie Zukunftsängste haben Heranwachsende psychisch stark belastet.

Sie alle machen aufgrund ihres Alters eine unglaublich dynamische Entwicklung durch. Anders als die Erwachsenen, die oft jahrelang in ihrer psychosozialen Entwicklung auf einem relativ stabilen Niveau bleiben, müssen sich Kinder und Jugendliche von Jahr zu Jahr weiterentwickeln. In diesem Alter finden Reifeprozesse und Identitätsfindung statt.

Experten aus der Kinder- und Jugendpsychologie sehen schon länger, welche psychischen und psychosomatischen Folgen die „Pandemie“ für die Kinder hat. So zeigen sich bei Kindern Ängste, Schlafstörungen, psychosomatische Reaktionen, viel Traurigkeit. Bei Jungen versteckt sich Depression und tiefe Traurigkeit oft hinter Wut, Ärger, Aggressionen und Hyperaktivität. Sie konnten zu lange nicht herumtoben, haben auch jetzt noch zu viel Abstand zueinander. Bei Mädchen sind Trauma-Symptome zu sehen: Sie sind sehr ängstlich, traurig und schnell gestresst.

Corona – Angst. Was mit unserer Psyche geschieht."Überproportional betroffen ist der Nachwuchs aus schwierigen sozialen Verhältnissen, der in engen Wohnverhältnissen lebt und dessen Erziehungsberechtigte voll und ganz damit beschäftigt sind, den Alltag zu meistern. Eine Entwicklung, die schon vor der „Pandemie“ zu beobachten war, durch diese aber verstärkt und sichtbarer wurde.

Ein Teil hat die „Pandemie“ bisher gut gemeistert, ein weiteres Drittel wird mit guter Unterstützung unbeschadet aus der Krise kommen, aber bei einem Drittel wird es gravierende Schädigungen geben. Langfristig ist mit Depressionen, Angststörungen und erhöhtem Aggressionspotenzial zu rechnen. Bei Jugendlichen zeigt sich ein erhöhtes Suchtpotenzial, bei Mädchen ein enormer Anstieg der Essstörungen. Der Online-Konsum ist extrem gestiegen. Gleichzeitig haben Kinder und Jugendliche viel zu wenig Bewegung. Gaming- und Gamblingsucht war auch vor der „Pandemie“ festzustellen, aber durch sie ist diese stark gewachsen. Auf den Jugendpsychiatrien sind die Sucht-Stationen extrem voll. Realistisch ist, dass ein Teil dieser Generation verloren gehen wird.

Eltern, Lehrer, Schule

Was die Schulen betrifft, so sind Kinder in Deutschland im internationalen Vergleich besonders von den in der „Corona-Pandemie“ verordneten Schulschließungen betroffen gewesen. Andere Länder wie z. B. Dänemark, Frankreich und Schweden zeigen, wie es anders geht, als nur restriktive Schulschließungen durchzuführen. Zudem zeigt sich, dass die Einschränkungen für Schulkinder oft größer gewesen sind als für erwachsene Arbeitnehmer.

Kaum etwas wird so emotional diskutiert wie die Sorgen um die Kinder in der Pandemie. Die Gründe dafür könnten unterschiedlicher nicht sein, Konsens herrscht lediglich darüber, dass sich fast alle Eltern von der Politik im Stich gelassen fühlen.

Das psychische Wohlbefinden von Eltern in Deutschland hat während der Pandemie messbar gelitten. So gaben Väter und Mütter an, sich insgesamt gestresster und psychisch belasteter zu fühlen als vor Corona. Das zeigt u. a. eine Studie der WZB in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum, die von März 2020 bis April 2021 durchgeführt wurde.

Viele Eltern sind mittlerweile bereit, weitere Maßnahmen hinzunehmen, wenn nur die Bildungseinrichtungen in diesem Winter geöffnet bleiben. Gleichzeitig spielen sich in den Schulen Szenen ab, die vor der Pandemie einen gesellschaftlichen Aufschrei ausgelöst hätten. Da gibt es Tafeln, auf der einen Seite die Geimpften stehend, auf der anderen die nicht Geimpften, die sich dann vor der versammelten Klasse regelmäßigen Tests unterziehen müssen.

Da gibt es Lehrkräfte, die Kinder einzeln aufrufen und nach ihrem Impfstatus befragen: Wer geimpft ist, erhält einen Applaus, wer nicht, muss sich rechtfertigen. Jugendliche erinnern ihre Mitschüler an ihre „soziale Verantwortung“, in der fälschlichen Annahme, dass sie es seien, die eine Verantwortung für die erwachsene Gesellschaft hätten, nicht diese für sie. Die soziale Spaltung ist längst in den Schulen angekommen.

Hier entsteht der Eindruck, dass es mehr um den „Schutz“ der Lehrer geht als um die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. Dabei ist das Risiko von Lehrern, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, nicht größer als in anderen Teilen der Gesellschaft, die in regelmäßigem Kontakt zu anderen Bevölkerungsgruppen stehen.

Risikokompetenz

Ein Resultat der repressiven „Corona-Maßnahmen“ sind letztendlich hochgradig verunsicherte und verängstigte Eltern und Lehrer, die kaum noch in der Lage sind, rational zu denken und zu handeln. Manche von ihnen regredieren als eine Reaktion auf Angst und Panik auf eine frühere Stufe ihrer Persönlichkeitsentwicklung und verhalten sich auch hier wie Kinder. Angst und Panik finden ebenso ihren paradoxen Ausdruck in Gleichgültigkeit und Apathie.

Neuinfektionen, Coronatote, die Reproduktionszahl R etc. – solche Zahlen haben die Bevölkerung in den vergangenen Monaten in Angst versetzt, auch weil sie diese Zahlen nicht verstehen und einordnen können.


Ein Problem ist, dass die wenigsten gelernt haben, mit Zahlen umzugehen und Wahrscheinlichkeiten zu verstehen. Da statistisches Denken nur rudimentär ausgeprägt ist, werden die Risiken häufig nicht verstanden und falsch eigeschätzt. Man nennt dies auch in der Psychologie mangelnde „Risikokompetenz“. Das hat ziemlich dramatische Folgen in der „Corona- Pandemie“, denn die „Experten“ der Regierung sind meist risikokompetente Personen, die genau wissen wo die Triggerpunkte der Bevölkerung liegen. Im Klartext heißt das, sie wissen wie man mit Zahlen Menschen manipulieren kann, um das Angstlevel weiterhin hoch zu halten. Auf Hilfe von Experten zu setzen, ist daher riskant: Viele sind Interessenkonflikten unterworfen, ihr Sagen und Tun klafft auseinander; andere schauen nicht über den Rand ihres Fachgebiets und sind überrascht von Wechselwirkungen.

Was wir brauchen, sind also mehr Menschen – sprich auch Lehrer und Eltern –, die in der „Corona-Pandemie“ unabhängig mitdenken. Menschen, die risikokompetent sind, die gelernt haben, zu fragen: Wie groß sind die Risiken wirklich und wodurch kommen sie zustande? Die Beantwortung dieser Fragestellungen kann irrationale und übertriebene Ängste eindämmen und Mut zum Handeln auslösen, denn Handeln besiegt Angst.

Regierung

Was weiß aber die Regierung zu den Zahlen und über die psychosozialen Folgen von Kindern und Jugendlichen in der „Corona-Pandemie“? In einem Spiegel-Artikel (30.6.2021) wird behauptet, dass die Bundesregierung kaum Informationen über die Lage von jungen Menschen in der Pandemie hat, und zählt eine Reihe von Wissensdefiziten auf. Tatsächlich ist die Situation eine andere. In z. B. einem gemeinsamen Bericht von BMG und BMFSFJ für die Kabinettsitzung am 30. Juni 2021 wird unter „TOP Verschiedenes“: „Übersicht zu gesundheitlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche (Stand 29. Juni 2021)“ in dem siebenseitigen Paper sehr differenziert dargestellt, welche aktuellen Folgen sowie Spät- und Langzeitfolgen die „Corona-Pandemie“ und die durchgeführten Maßnahmen auslösen.

Gleich in der Darstellung der Ausgangslage wird festgestellt, Zitat: „Durch die Veränderung der Alltagsstruktur (Schul- und Kitaschließungen) und die Kontaktbeschränkungen samt deren Auswirkungen können bei Kindern und Jugendlichen unter anderem Zukunftsängste, Leistungsdruck und Vereinsamung zunehmen. Die mangelnde soziale Interaktion mit Gleichaltrigen, übermäßiger Medienkonsum, Bewegungsmangel und Fehlernährung während der Pandemie stellen ein Risiko für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dar.“

Allein diese Feststellung zeigt die Informiertheit der Regierung über die psychosozialen Folgen der „Pandemie“. Genauer wird dann in diesem Bericht über die psychische Gesundheit, weitere Aspekte der Gesundheit und des Wohlbefindens von Kindern und Jugendlichen sowie Folgewirkungen und bisherige Maßnahmen des Bundes eingegangen.

So wurde im vom BMFSFJ eingesetzten Corona-KiTa-Rat von den Kinder- und Jugendärzten u. a. berichtet, dass die in den Kommunen im Jahr 2021 durchgeführten Schuleingangsuntersuchungen ein besorgniserregendes Bild zeigten. Demnach wiesen Kinder vor der 1. Klasse deutlich vermehrt Defizite im sprachlichen, motorischen und sozial-emotionalen Bereich auf.

Zwar sehen die bisherigen Pläne der Ampel-Parteien keine flächendeckenden Schulschließungen mehr vor, regional aber sind diese auch künftig möglich. Auch Auflagen, die Wechsel- und Distanzunterricht sowie Abstandsregeln beinhalten, sind nicht ausdrücklich ausgeschlossen. In einigen Bundesländern ist die Präsenzpflicht bereits aufgehoben, erste Schulen sind wieder geschlossen worden. Eine faktenbasierte Einordnung auf der Grundlage wissenschaftlicher Evidenz wird somit nicht mehr möglich sein. Das Vertrauen der Eltern und der Lehrer in politische Entscheidungen zum Wohle der Heranwachsenden ist verloren gegangen und wird auch für länger gestört bleiben.

Überraschend ist aber auch in diesem Zusammenhang, dass es so gut wie keine kritischen Äußerungen der Kinder- und Jugendärzte sowie auch der Psychologen zu den „Corona-Maßnahmen“ gibt – also zu den Ursachen der psychosozialen Folgen für Kinder und Jugendliche. Vielmehr werden nur die „Symptome“ analysiert und behandelt. Es hat den Anschein, dass sie vielmehr zu sehr intellektuell, strukturell und personell in ein Gesundheitssystem verwickelt sind, das die herrschende „Corona-Ideologie“ maßgeblich beeinflusst und forciert.

Als Fazit ist zu konstatieren: Die Regierung nimmt wissentlich in Kauf – welches Handlungsmotiv auch immer dahinterstehen mag –, dass ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen in unserem Land an massiven irreversibel psychosozialen Spät- und Langzeitfolgen erkranken wird und auch schon erkrankt ist. Wie es scheint, sind sie als Kollateralschäden der ins totalitäre abgleitenden „Corona-Maßnahmen“ mit eingepreist worden.

Die „Impfung“ mit einem „mRNA-Impfstoff“ für alle Kinder und Jugendlichen zwischen 5 und 11 Jahren und ab 12 Jahren wäre dann nur die Fortsetzung der repressiven Corona-Maßnahmen und die Missachtung des „Nürnberger Kodex“ (1947): „Die freiwillige Zustimmung der Versuchsperson ist unbedingt erforderlich. Das heißt, dass die betreffende Person im juristischen Sinne fähig sein muss, ihre Einwilligung zu geben; dass sie in der Lage sein muss, unbeeinflusst durch Gewalt, Betrug, List, Druck, Vortäuschung oder irgendeine andere Form der Überredung oder des Zwanges, von ihrem Urteilsvermögen Gebrauch zu machen […].

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Bodo Neumann ist promovierter Diplompsychologe. Er verfügt über langjährige Beratungs- und Forschungserfahrungen, die er einsetzt für Menschen in Veränderungssituationen, die ihre Signatur-Stärken entfalten wollen und somit lernen, ihre Erfolgspotentiale zu erkennen und zu entwickeln.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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