Fake News beim Bayerischen Rundfunk BR24 führt Gebührenzahler in Beitrag über Querdenker-Demo in die Irre

Von reitschuster.de

Am 28. Februar 2022 wurde auf dem Youtube-Kanal von BR24, einem Format des Bayerischen Rundfunks (BR), ein Beitrag der Frankenschau mit dem Titel „Corona-Demos bringen Polizisten an ihre Grenzen“ veröffentlicht. Wer sich das dreiminütige Video anschaut, kann nur entsetzt den Kopf darüber schütteln, wie viele Falschmeldungen und irreführende Darstellungen der BR in einem so kurzen Beitrag unterbringen konnte. Das beginnt schon beim Thumbnail, das in der bis vor wenigen Tagen veröffentlichten Version ein Bild gezeigt hat, auf dem der tätliche Angriff auf einen Polizisten zu sehen war. Im dazugehörigen Text hieß es: „Unglaublich! Das müssen Polizisten sich gefallen lassen“. Dem BR24-Zuschauer wird damit suggeriert, im folgenden Beitrag wird es um Gewalt bei Corona-Demos gehen. Problem: Das Foto stammt nicht von einer Corona-Demo, sondern entstand bereits im Juni 2020 in der Stuttgarter Krawallnacht, als die Innenstadt von Mitgliedern der „erlebnisorientierten Party-Szene“ verwüstet worden war.

David
Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Nachdem das irreführende Thumbnail in den vergangenen Tagen auch auf Twitter thematisiert worden war, hat BR24 inzwischen reagiert. In der Vorschau ist jetzt ein Screenshot aus dem dazugehörigen Beitrag zu sehen, dazu heißt es: „Corona-Demos: Extrem belastend für Polizisten“. Dazu schreibt BR24 in einer Anmerkung: „Wir haben das Thumbnail (Bild aus der Stuttgarter Krawallnacht) ausgetauscht, da sich die dargestellte Szene nicht auf Corona-Demos, sondern generell auf Gewalt gegen Polizisten bezog. Im Video der Frankenschau aktuell vom 25.02.2022 sind die Bilder aus Stuttgart als Archivmaterial gekennzeichnet.“ Wohlwollend könnte man nun von einem Versehen ausgehen, das der BR24 nach entsprechenden Hinweisen umgehend korrigiert hat. Doch das kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Denn auch über die Stuttgarter Krawallnacht hatte der BR24 damals berichtet und eben dieses Foto als Thumbnail verwendet.

BR24-Bericht enthält noch weitere Falschinformationen

Das ursprünglich verwendete Thumbnail (Bild aus der Stuttgarter Krawallnacht 2020 und Text „Unglaublich! Das müssen Polizisten sich gefallen lassen“) und der Titel des Beitrags („Corona-Demos bringen Polizisten an ihre Grenzen“) sind leider nicht die einzigen irreführenden Details im Zusammenhang mit diesem Video. Es geht nicht, wie vom Zuschauer erwartet, weil von BR24 nicht anders suggeriert, um gewalttätige Zwischenfälle während einer Corona-Demo. Vielmehr stehen die Vorbereitungen einer Hundertschaft der Polizei im Vorfeld einer Querdenker-Demo in Bamberg im Mittelpunkt. Zentrales Thema des Beitrags ist die allgemein gestiegene Arbeitsbelastung der Bereitschaftspolizisten in Bayern, um tätliche Angriffe gegenüber Polizisten geht es allenfalls am Rande, und dann auch nur bei anderen Veranstaltungen, etwa dem G7-Gipfel oder eben in der Stuttgarter Krawallnacht.

Die während des Beitrags gezeigten Bilder aus Stuttgart, auf denen ein Polizist per Kung-Fu-Tritt attackiert wird, sind korrekterweise zwar mit dem Hinweis „Archiv“ markiert, jedoch wird beim Zuschauer bewusst oder unbewusst der Eindruck erweckt, es handele sich um einen Vorfall, der sich während einer Corona- oder Querdenker-Demo ereignet habe. Wie man auf die Idee kommen kann, für einen Beitrag, in dem über die psychische Belastung von Polizisten berichtet wird, mit einem Bild aus der Stuttgarter Krawallnacht und der Schlagzeile „Unglaublich! Das müssen Polizisten sich gefallen lassen“ als Blickfang zu werben, wird wohl das Geheimnis von BR24 bleiben. Ironischerweise wird erst ganz am Ende und eher beiläufig erwähnt, dass es bei der Querdenker-Demo in Bamberg keine Ausschreitungen gegeben habe. Von dem irreführenden Fake-Thumbnail und der alarmierenden Überschrift blieb am Ende also rein gar nichts mehr übrig.

BR warnt vor den „Tricks der Fake-News-Macher“

Der ARD-Faktenfinder und der Faktenfuchs von – Achtung, kein Scherz – BR24 nehmen gerne für sich in Anspruch der Hohe Rat der Wahrheit zu sein. Demzufolge müsste der oben beschriebene Beitrag der Frankenschau eigentlich ein gefundenes Fressen für den Faktenfuchs sein. Da sich die gebührenfinanzierten Faktenfinder aber lieber auf die bösen Schwurbler konzentrieren, werden wir darauf vergeblich warten müssen. Dass der BR aber durchaus Sinn für Humor hat, bewies er mit einem am 4. Mai 2022 veröffentlichten Beitrag mit dem Titel „Echt jetzt? Die Tricks der Fake-News-Macher durchschauen“, der in diesem Zusammenhang wie Realsatire anmutet.

BR-Moderatorin Christina Wolf beginnt den Beitrag mit einer Begriffsdefinition: „Fake News kennt ihr sicher. Das sind Falschinformationen, die teilweise oder komplett erfunden sind, die absichtlich im Netz verbreitet werden und da vor allem in den sozialen Netzwerken.“ Immer wieder fragt Wolf sich und die Zuschauer, was Menschen dazu antreibt, Fake News zu verbreiten und welcher Mittel sie sich dabei bedienen. Manipulation wird als eines der wichtigsten Instrumente der „Fake-News-Macher“ genannt. Das funktioniere so, erklärt Wolf, dass „ich jemand anderen beeinflusse, um daraus einen Vorteil zu ziehen.“ Anschließend wird die Propaganda als Sonderform der Manipulation vorgestellt. Früher seien Radio, Film, Fernsehen und Presse die wichtigsten Propagandamittel gewesen, aber heute kämen noch die sozialen Netzwerke, Youtube, Blogs oder Foren dazu, so die BR-Moderatorin.

Besonders spannend wird es, als Wolf auf die Strategien der „Fake-News-Macher“ eingeht. Den „klassischen Medien“ würde oft vorgeworfen, „dass sie irgendwas vertuschen, dass sie die Wahrheit nicht sagen, dass sie die Bevölkerung belügen und betrügen.“ Die Absicht dahinter sei, das Vertrauen in diese Medien zu erschüttern, wie Wolf erklärt. Eine andere Strategie sei es, Nachrichten aus dem Zusammenhang zu reißen. Genau dieser Strategie hat sich BR24 in seinem Beitrag über die Querdenken-Demo offensichtlich bedient. Bei der nächsten vorgestellten Strategie der „Fake-News-Macher“ fühlt man sich unweigerlich an Karl Lauterbach erinnert. Dabei werde laut Wolf mit den Ängsten der User (oder Menschen) gespielt und vor einem vermeintlichen Horror-Szenario gewarnt, „das so, und zwar genau so und auf alle Fälle eintreten wird.“

Damit Sie, liebe Leser, sich selbst ein Bild von den auf BR24 verbreiteten Fake News machen und sich ein eigenes Urteil darüber bilden können, geht es hier, hier und hier zu den entsprechenden Beiträgen.

Bild: Shutterstock
Text: reitschuster.de

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