Verraten wir unsere Freiheit?

Demokratie lebt von der Diskussion, und vom Streit. Davon, dass auch gewagte Thesen ausgesprochen werden dürfen. In Deutschland haben wir uns von diesem Idealzustand weit entfernt. Und selbst bei denen, die das erkennen, machen sich die Auswirkungen bemerkbar: So hatte ich lange Zweifel, ob ich diesen Gastbeitrag von Alfred Koch, dem früheren Vize-Regierungschef von Russland, der heute in Deutschland lebt und deutscher Staatsbürger ist, veröffentlichen soll. Er wird für viele Leser eine Zumutung sein. Auch ich hatte daran zu beißen. Aber Demokratie lebt davon, dass wir einander andere Meinungen zumuten. Nur im freien Wettstreit, in der Konkurrenz der Meinungen, gibt es die Chance, gute, ja optimale Lösungen zu finden, und Fehler zu minimieren. Gerade Meinungen von Menschen, die in einer anderen Kultur sozialisiert sind, die andere Sichtweisen und anderen Prioritäten haben, sind in meinen Augen besonders interessant – weil sie uns Selbstreflexion und Selbstpositionierung ermöglichen – eine Kontrolle der eigenen Koordinaten. Umso schlimmer, dass heute so viele Menschen mit Scheuklappen unterwegs sind. Nach der langen Vorrede nun aber endlich der Gastbeitrag:

Von Alfred Koch

Wenn es ihnen nur gelingen würde, den Schweden!! Möge ihnen Gott helfen, dass sie diese Schlacht gewinnen!

Schweden ist das Licht der Freiheit und die Hoffnung der gesamten fortschrittlichen Menschheit. Eine Insel des gesunden Menschenverstandes in einem Ozean von Populismus, Feigheit und Sklaverei.

Wie viel Intelligenz und Mut braucht man, um der Mehrheit, die sich vor Angst in die Hose gemacht hat, zu folgen und alle in ihren Häusern einzusperren?

Der wahre Mut besteht darin, dass man seine Rechte und Freiheiten auch angesichts des Todes nicht aufgibt, dass man sie für unveräußerlich hält.

Wie viele Menschen verstehen überhaupt, dass es bei all dem, was geschieht, um unsere Werte geht, und nicht um Zahlen?

Warum haben die Briten 1940 gegen Hitler gekämpft? Warum? Immerhin hatte Hitler ihnen  mehrmals Frieden angeboten! Ihnen hätte nichts gedroht, britische Piloten wären nicht über dem Ärmelkanal gestorben, ihre Schiffkonvois wären nicht im Atlantik versunken, die englischen Städte wären nicht bombardiert worden…Wie dumm war Churchill – nach den Maßstäben, die heute für viele gelten: Warum hat er keinen Friedensvertrag unterschrieben, der sich für ihn geradezu aufgedrängt hat? Warum versprach er der Nation „Blut, Schweiß und Tränen“ statt Frieden? Warum hat er seine Soldaten nicht verschont? Warum hat er die Kinder und die alten Menschen nicht verschont, die durch die deutschen Bomben gestorben sind?

Im Gegensatz zu Russland war Krieg für Churchill keine Selbstverständlichkeit. Er hätte ihn jeden Moment aufhalten können, indem er einfach den Hörer abgenommen und Hitler angerufen hätte. Der wartete sehr auf diesen Anruf von Churchill…

Warum hat Churchill das nicht getan? Weil er und die Nation als Ganzes damals noch Werte hatten. Es war eine existenzielle Entscheidung. Es ging nicht um die Zahl von Toten oder Überlebenden. Es ging um die Entscheidung zwischen Freiheit und Sklaverei. Darum, ob man die Freiheit aufgibt im Tausch gegen Sicherheit. Und um Mut.

Und achtzig Prozent der Schweden zeigen diesen Mut. Es ist schön, freie Menschen anzuschauen. Mögen sie fest zu ihrer Entscheidung stehen!

P.S. Übrigens, sobald die (nicht-schwedischen) Bürger, die sich in die Hosen gemacht haben, aus ihrer Inhaftierung entlassen werden, werden sie überrascht sein, dass sie bankrott oder arbeitslos sind. Und dann werden sie ihrer Regierung zur Rechenschaft ziehen. Dann werden diese Populisten die Quittung für alles erhalten, was sie jetzt tun.

Darüber hinaus wird eine zweite Epidemie-Welle diese Bürger befallen und sie werden keine kollektive Immunität haben (im Gegensatz zu den Schweden) …

Zum Autor: Alfred Reingoldowitsch Koch ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und Russlanddeutscher. Unter Boris Jelzin war er Vize-Regierungschef und Leiter der Russischen Privatisierungsbehörde. Wladimir Putin kennt er noch aus gemeinsamen Petersburger Tagen. Später fiel er bei seinem alten Bekannten in Ungnade und musste ins Exil. Seit fast zehn Jahren lebt er in Oberbayern und ist inzwischen deutscher Staatsbürger. Er gilt heute als einer der bekanntesten Putin-Kritiker und hat allein auf facebook ein Publikum von mehr als 120.000 Abonnenten.


Bild: Pixabay

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