Freude an der Unfreiheit? Exklusive INSA-Umfrage

98,2 Prozent der Leser meiner Seite machen sich Sorgen, dass die Abwägung zwischen Gesundheits- und Freiheitsrechten im Zuge der Corona-Pandemie aus dem Lot gerät und die gegen die Pandemie getroffenen Maßnahmen zu massiv sind. Da ich genau zu diesem Thema eine repräsentative Umfrage mit 2046 Teilnehmern bei INSA in Auftrag gegeben habe, wollte ich vorab wissen, was Ihre Meinung dazu ist. Eine solche Vorab-Umfrage auf der Seite war die Idee von Lesern, die ich gerne aufgriff.

Und jetzt halten Sie sich bitte fest! Als ich das Ergebnis der INSA-Umfrage bekam, musste ich wirklich sehr fest durchatmen. Denn auf die gleiche These („Ich finde es falsch, wenn öffentlich-rechtliche Medien bewusst auf Beiträge und Einladungen von entschiedenen Kritikern der Corona-Maßnahmen verzichten“) fiel die Antwort völlig anders aus. Hier das Ergebnis:

Keine Sorgen

In Worten: Eine Mehrheit von 50 Prozent macht sich keine Sorgen um die Freiheit – trotz deren erheblicher Einschränkung im Zuge der Corona-Pandemie, die so weit ins Private reichen, wie dies selbst in Diktaturen nicht üblich ist. Nur ein gutes Drittel (35 %) hat diese Sorgen. Wohlgemerkt war die These nicht, dass die Freiheit zu stark beschnitten ist. Sie war viel vorsichtiger: Es ging nur um die Sorge, dass so etwas passieren kann. Meine Ansicht ist, dass in einer freiheitlichen Demokratie jeder Einschnitt in die Grundrechte zumindest solche Sorgen wecken sollte. Und 98,2 Prozent der Leser hier scheinen das ähnlich zu sehen. Dass die Hälfte der Deutschen in dieser Situation nicht einmal diese Sorge hat, ist für mich genauso erschreckend wie das Virus selbst. Ist die Freiheit der Hälfte der Deutschen nichts wert? Haben sie verlernt, sie zu schätzen? Sind sie im Dornröschenschlaf? So eine Meinung der Mehrheit ist ja geradezu eine Einladung an die Regierung, die Freiheiten weiter und länger einzuschränken.

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Interessant ist, dass die Sorge um die Freiheit im diktaturerfahrenen Osten deutlich höher ist als im freiheitsverwöhnten Westen. Dort haben die Menschen die Freiheit zum Nulltarif bekommen bzw. haben nie Unfreiheit erlebt.

Auch bei den Altersgruppen ergibt sich eine deutliche Differenzierung. Während die Sorge um die Freiheit über die Altersgruppen hinweg weitgehend homogen ist, stechen die 40- bis 49-Jährigen hervor (44 % zu 33-36 % bei den restlichen Gruppen). Sie sind auch die einzige Altersgruppe, die mehrheitlich die Sorge hat, dass die Balance zwischen Freiheit und Gesundheit aus dem Lot gerät (44 % fürchten das, 39 % nicht).

Sehr deutlich sind die unterschiedlichen Ansichten bei den Wählern unterschiedlicher Parteien. Vorrangig Wähler der AfD teilen die Sorge um die Freiheit (74 % bei 20 % Ablehnung). Auch eine Mehrheit der FDP-Wähler stimmt zu (50 % bei 41 % Ablehnung). Wähler der Linken sind annähernd gleich auf Ablehnung (45 %) und Zustimmung (42 %) verteilt. Bei Wählern der Union, SPD und Grünen liegt die Zustimmung bei 22 bis 26 % (Ablehnung: 63-72 %). Am wenigsten Sorgen um die Freiheit machen sich ausgerechnet Wähler jener Partei, die viele früher für diejenige mit einem besonderen Freiheitsdrang hielten: 72 % der Grünen-Wähler. Das zeigt, dass die einstigen Alternativen heute für Verbote und Einschränkungen der Freiheit stehen.

Ich mache ungern aus meinem Herzen eine Mördergrube und muss ganz offen gestehen, dass ich schockiert bin von den Ergebnissen. 75 bzw. 30 Jahre nach dem Ende der zwei Diktaturen auf deutschem Boden (wobei eine hierzulande weniger brutal wütete, dafür in Russland umso brutaler) haben viele Menschen in diesem Land offenbar noch ein schwach ausgeprägtes Freiheitsgefühl.

Bitte schreiben Sie mir, ob ich in Ihren Augen da einfach zu pessimistisch und/oder überempfindlich bin in meiner Diagnose – oder ob Sie meine Sorgen teilen. Der Berliner Abgeordnete Marcel Luthe (bis Oktober FDP, heute parteilos) sagte in einer ersten Reaktion auf die Umfrage, man müsse auch das Positive sehen: 35 %, die sich ernste Sorgen um die Freiheit machen, seien nicht zu unterschätzen. Das zeige, dass es eine sehr solide Basis für eine wirklich liberale, freiheitliche Politik in Deutschland gebe.

1000 Dank für Ihre Unterstützung – nur die macht die INSA-Umfragen möglich, die ich exklusiv in Auftrag gebe. Auch wenn das Ergebnis zuweilen frustrierend ist wie hier: Ich halte es für sehr wichtig, eine Vorstellung von den Stimmungen im Land zu bekommen. Eine, die zumindest andere Akzente setzt als die Umfragen von ARD und ZDF, die sehr oft in eine bestimmte Richtung gehen. So sehr jeder von uns subjektiv ist und damit auch meine Umfragen in ihrer Fragestellung keine Objektivität erreichen können – erst die Summe unterschiedlicher, subjektiver Meinungen und Stimmungsbilder ermöglicht ein umfassendes Bild. In diesem Sinne freue mich, wenn Sie mithelfen, weitere Umfragen in Auftrag zu geben. Morgen lesen Sie hier die Reaktionen auf die These: „Ich finde es falsch, wenn öffentlich-rechtliche Medien bewusst auf Beiträge und Einladungen von entschiedenen Kritikern der Corona-Maßnahmen verzichten.“

Hier noch das Ergebnis der Umfrage auf meiner Seite:

THESE 1: Ich finde es falsch, wenn öffentlich-rechtliche Medien bewusst auf Beiträge und Einladungen von entschiedenen Kritikern der Corona-Maßnahmen verzichten.

Stimme ich zu
5,148, entspricht 98.39%
Stimme ich nicht zu
71, entspricht 1.36%
Keine Angabe
10, entspricht 0.19%
Weiß nicht
3, entspricht 0.06%

THESE 2: Ich mache mir Sorgen, dass die Abwägung zwischen Gesundheits- und Freiheitsrechten im Zuge der Corona-Pandemie aus dem Lot gerät und die gegen die Pandemie getroffenen Maßnahmen zu massiv sind.

Stimme ich zu
5,138, entspricht 98.20%
Stimme ich nicht zu
56, entspricht 1.07%
Weiß nicht
31, entspricht 0.59%
Keine Angabe
7, entspricht 0.13%

 

Bild: Shchus/Shutterstock
Text: red
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michel
2 Monate zuvor

nur 50%?

da bin ich aber positiv überrascht, also eigentlich extremst sogar.

die anzahl der glücklichen sklaven, die zum einen eh keinen schimmer haben was freiheit eigentlich ist, als auch derer die davor massivste angst haben, denn dem einher geht die verantwortung, hätte ich auf mindestens auf rund 80% geschätzt, oder wie hoch war noch gleich die beteiligung bei der souveränitätsabgabe aka „wahl“?

Nicht von Bedeutung
3 Monate zuvor

Mich hätte noch interessiert, wie die Befragten beruflich aufgestellt waren – Arbeiter,  Angestellter, Arbeitsuchender oder Langzeitarbeitsloser. Denn immerhin kann es ja sein, dass sich Einige der Befragten schon länger deswegen keine Sorgen mehr machen, weil es die letzten Jahre schon keinen Sinn mehr machte, sich Sorgen zu machen bzw. sich aufzuregen.

Paige
3 Monate zuvor

ich kenne die Deutschen als ein Volk mit einer tiefsitzenden Angst vor Freiheit. Kein Volk bejubelt jedes Verbot, jede Einschränkung jubelnder als das deutsche. Und kein Volk denunziert und petzt jeden begeisternder, wenn jemand sich den Verboten und Regeln nicht unterwirft. Deshalb rutscht Deutschland nun in die dritte Diktatur binnen hundert Jahren. Nicht, weil die Anführer so böse sind, sondern weil Millionen von Deutschen kollaborieren. Das taten sie immer. Ja, für die Deutschen hat Freiheit keinen Wert.

Blindleistungsträger
Antwort an  Paige
2 Monate zuvor

Dem stimme ich zu. Die meisten nehmen den Verlust von Freiheiten gar nicht richtig wahr. Wenn man die Leute direkt darauf hinweist, dann erlebt man nicht etwa erschrecktes Erstaunen sondern Ungerührtheit. Mein Fazit lautet: Deutsche können mehrheitlich mit Freiheit nichts anfangen.

Robert Leubner
3 Monate zuvor

Hallo Herr Reitschuster, ich hatte auch auf ein anderes Ergebnis gehofft. Aber so ist es nun mal. Umfragen können auch Klarheiten bringen, die einem selbst nicht gefallen. Allerdings bestätigt ihr Ergebnis mein „Bauchgefühl“. Und das ist ganz einfach. Solange es unseren Mitmenschen noch so gut geht, werden sie einfach nicht glauben, dass der schwarze Schwan jeden Morgen an der Tür klopft. Erst wenn der Fall eines persönlichen „Pain-Point“ eintritt, ändert sich diese Einstellung.

Für viele von uns sind Werte, wie Recht, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität so wichtig, dass unsere feinen Sensoren anspringen und den Verrat wittern. Unsere Mitmenschen dagegen brauchen da härtere Faktoren. Den Verlust des Arbeitsplatzes, des Vermögens, die Gefährdung Ihrer Gesundheit oder der persönliche Angriff auf ihr Lebensmodell. Erst dann sind sie bereit, sich Gedanken zu machen, aus der Matrix herauszutreten. Deshalb ist die Regierung ja auch so bemüht, uns mit Geld zuzuschütten. Brot und Spiele war der Leitspruch schon im alten Rom. Aber auch das ist untergegangen.

Raimund
3 Monate zuvor

Lieber Herr Reitschuster, vielen Dank für Ihre hervorragende Berichterstattung. Noch nicht ins Auge garstigefasst wurde folgendes: lässt sich durch ein Volksbegehren die Herausgabe der Vermögensverhältnisse sämtlicher Politiker und Involvierten dieser Coronapropaganda vor- und während, bis zum aktuellen Datum, erzwingen? Nutznießer dieser Menschen- und Volkswirtschsftlichen Katastrophe würden so ans Licht geraten. Herzliche Grüße und bitte machen Sie weiter so. Ein besorgter Bürger.

Onkel Dapte
3 Monate zuvor

Nein, Herr Reitschuster, Sie machen sich völlig zurecht Sorgen anhand dieses verstörenden Ergebnisses. Es war aber nach meinen Erfahrungen gerade der letzten Zeit mit Bekannten und Freunden nicht ganz unerwartet. Seien Sie stolz darauf, hier kluge und weitsichtige Leser zu haben. Allerdings, gerade die Unbekümmerten sollten hier lesen und tun es leider nicht.

Bernma
3 Monate zuvor

Guten Tag Herr Reitschuster,

ich denke einen großen Einfluß hat die Wohlstandsverblödung und die Vollkaskomentalität der Menschen. Viele glauben ja auch das es nach der Bio Gabe einer bestimmten Industrie alles so wird wie vorher. Ich antworte auch mit Henry Ford Zitat in meinen Worten „Wenn die Menschen heute Abend das Finanzsystem verstehen würden, hätten wir morgen Früh eine Revolution“. Da aber die meisten Menschen keine Ahnung und Interesse zeigen für Wissen in Finanzen und Wirtschaft bleibt nur die einzige Wahrheit „Wer nicht hören will wird Fühlen“.

Anymonus
3 Monate zuvor

Die Zahlen belegen, dass die Flucht der Intelligenten aus diesem geistig unterbelichteten Land völlig gerechtfertigt ist. Jährlich kehren Hunderttausende Hochqualifizierte diesem Land den Rücken, und ich selbst trage mich ebenfalls mit diesem Gedanken, auch wenn ich mich schwer tue, da ich grundsätzlich gern hier lebe und Emigration als Gewaltanwendung klassifiziere. Gleichzeitig ist dieses Phämomen keineswegs deutsch, weshalb Flucht nur ein vorübergehender Ausweg ist, ehe sich diese geistige Unnachtung global etabliert hat. Letztlich geht es um Auslöschung der Fundamente des christlichen Glaubens und dessen Säulen wie Liebe, Vergebung, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, etc. Dem Menschen soll all das ausgetrieben werden, er soll es an sich selbst ablehnen und als Gefahr erkennen. Was den Menschen zum Menschen macht, soll eliminiert werden. Dazu sage ich NEIN, das wird nicht eintreten, das wird niemals eintreten. Warum? Weil wi aus der Quentenphysik wissen, dass alles in allem enthalten ist und simot auch jede Information. Diese kann nicht ausgelöscht werden, so dass die Erinnerung, wer wir sind, niemals beseigt werden kann. Niemals! Sie kann bestenfalls überdeckt werden, permanent gelöscht jedoch nie, das ist unmölich. DAS ist die Zuversicht, die wir als Meschheit haben.

Hans Castorp
3 Monate zuvor

Mal ein positiver Aspekt: Eine Studie, die im Juni 2018 in „Science“ veröffentlicht wurde, zeigt, dass es zum Umschlag der Mehrheitsmeinung innerhalb einer Gruppe (also auch einer Gesellschaft) nur einer Minderheit von knapp über 25% bedarf. Wenn diese Anzahl an überzeugten Anhängern einer alternativen Meinung („committed minorities“) erreicht wird, beginnt die Einstellung der Mehrheit zu kippen. Das erklärt auch, warum die Staatspropaganda sämtliche Abweicher als wahlweise gefährlich oder geistesgestört abstempelt – denn die obengenannten 25% müssen natürlich innerhalb der Gruppe akzeptiert und glaubwürdig sein. Nichtsdestotrotz: Wenn man sich die Zugriffszahlen hier und auf anderen relevanten Kanälen anschaut, bleibt vielleicht doch ein Rest Hoffnung. Alleine die Tatsache, dass  immer offensichtlicher gelogen wird, zeigt, unter welchem Druck sie mittlerweile stehen.

Eichelhäher
3 Monate zuvor

Warum sollte jemand, der vor einem Jahr noch die Grünen gewählt hat überhaupt noch irgendwas merken. Mich überraschen solche Umfrageergebnisse gar nicht. Alleine die Sonntagsumfrage legt nah, dass ein Großteil unserer Mitbürger mental vollständig eingehegt sind.