Großbritannien will die meisten Corona-Maßnahmen bis Februar lockern "Nicht mehr notwendig, weil die Omikron-Welle abflacht"

Von Daniel Weinmann

Man muss sich den britischen Gesundheitsminister Sajid Javid als Gegenentwurf zu seinem bundesdeutschen Amtskollegen Karl Lauterbach vorstellen. Schon zu Beginn dieses Jahres gab er bekannt, neue Corona-Restriktionen trotz steigender Infektionszahlen nur „als absolut letzten Ausweg“ zu verhängen. Das Land müsse „versuchen, mit COVID-19 zu leben“, schrieb Gesundheitsminister Sajid Javid am Samstag in einem Beitrag für die Zeitung „Daily Mail“ – als sich die Insel mit immer neuen Rekordzahlen an Corona-Neuinfektionen konfrontiert sah. Für Karl Lauterbach ist es „dezidiert nicht der Fall“, dass COVID-19 inzwischen eher der Grippe gleiche.

In Großbritannien beginnen die Fallzahlen zu sinken – und die Regierung strebt an, als eines der ersten Länder in die endemische Phase überzugehen. Javid kündigte im Unterhaus an, dass die Regierung bis Ende Monat fast alle Restriktionen wieder fallenlassen will. Dazu zählen laut „The Times“ auch die Covid-Zertifikate. Diese seien nicht mehr erforderlich, so der Gesundheitsminister, da die Omikron-Welle abflache. Zugleich teilte er den Abgeordneten mit, dass er ihr „instinktives Unbehagen“ über diese Politik teile.

Die Krankenhäuser stünden nach wie vor unter „erheblichem Druck“, räumte der britische Gesundheitsminister zwar ein, man müsse mit Vorsicht vorgehen. Es sei jedoch „ermutigend, dass wir während dieser Welle keinen Anstieg der Zahl der COVID-19-Intensivpatienten verzeichnen konnten und es erste Anzeichen dafür gibt, dass sich die Zahl der Krankenhauseinweisungen zu verlangsamen beginnt“. Die Zahl der bestätigten Fälle ging zuletzt auf 84.429 zurück, während die Gesamtzahl der hospitalisierten COVID-19-Patienten zuletzt auf 19.345 abnahm.

»Keine Beschränkungen sollte auch nur einen Moment länger bestehen als unbedingt notwendig«

Der ehemalige Kabinettsminister Greg Clark drängte Javid, die Restriktionen noch in diesem Monat aufzuheben: „Wir sollten bei der Aufhebung genauso schnell reagieren wie bei deren Einführung.“ Großbritanniens oberster Gesundheitspolitiker Javid entgegnete, dass „keine Beschränkungen – überhaupt keine – auch nur einen Moment länger bestehen sollten als unbedingt notwendig“.

Unterdessen warnte die NHS Confederation, die 1,5 Millionen Beschäftigte des Gesundheitswesens vertritt, dass es „gefährliche Selbstzufriedenheit“ sei, zu glauben, dass die Bedrohung durch die Omikron-Variante vorüber sei. „Die nationalen Daten zu den gemeldeten Fällen geben Anlass zur Hoffnung“, sagte der NHS-Vorsitzende Matthew Taylor, „aber wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass diese Gefahr verschwunden ist. Entscheidungen darüber, was ein Leben mit Covid-19 bedeuten wird, müssen von Realismus und nicht von Wunschdenken und Ungeduld geleitet sein.“

Hierzulande undenkbar ist nicht nur ein Gesundheitsminister, der fast alle Corona-Restriktionen lockern will. Unterstützt wird dessen Vorstoß nämlich von wissenschaftlichen Beratern, deren Sicht der Dinge ebenfalls diametral dem Expertenrat der Ampel-Koalition widerspricht. Die Experten zweifeln eine Doppelimpfung als Bedingung für den Zutritt in geschlossene Räume an, da ihrer Ansicht nach zwei Dosen die Ausbreitung von Omikron „nachweislich“ nur wenig aufhalten können.

Sehen Sie hier einen Video-Zusammenschnitt von den Montagsdemos:

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: JOKE_PHATRAPONG/Shutterstock
Text: dw

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