Ist die Spitze der Inflation erreicht? Von wegen! Neue Studie sieht keine Entwarnung bei der Preisentwicklung

Von reitschuster.de

Angeheizt von den hochschießenden Energiepreisen eilt die Inflation in der Eurozone von Rekord zu Rekord. Im Juli kletterte sie im Vergleich zum Vorjahresmonat laut Statistikamt Eurostat um 8,9 Prozent. Es ist das höchste Niveau seit rund 40 Jahren. Die Preise für Energie schossen im Juli laut Eurostat zum Vorjahr um 39,6 Prozent nach oben, nach einem Plus von 42 Prozent im Juni. Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel nahmen um 11,1 Prozent zu.

Der Inflationsdruck scheint weiter zuzunehmen, abzulesen etwa am anhaltend hohen Preisdruck auf vorgelagerten Stufen. So haben sich die Erzeugerpreise im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland jüngst um 37,2 Prozent erhöht. Diese Steigerungen werden sich auch auf die Preise für die Endverbraucher auswirken.

Hält man sich darüber hinaus die jüngsten Tarifabschlüsse der Gewerkschaften vor Augen, wird schnell klar, dass auch die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale ihren Tribut in Form einer höheren Teuerung fordern wird. Geht es nach dem Finanzexperten Paul Jackson, dürfte die Spitze noch längst nicht erreicht sein. „Die Notenbanken sind bei der Bekämpfung der Inflation leider meilenweit hinterher“, zitiert die „Welt“ den Chefstrategen der Investmentgesellschaft Invesco.

»Das aktuelle Preisniveau liegt viel näher an früheren Inflationshöchstständen, als die offiziellen Daten vermuten lassen«

Jackson erinnert die aktuelle Situation an die 1970er Jahre. Rasante Preissteigerungen im Nachgang der Ölkrise sorgten für eine galoppierende Inflation in den USA, der der damalige Notenbank-Chef Paul Volcker mit einer Erhöhung des Leitzinses auf mehr als 20 Prozent ein Ende setzte. Die Konjunktur stürzte in der Folge in eine tiefe Rezession.

Nun könnte man einwenden, dass die heutige Teuerung nicht mit der gewaltigen Inflationswelle vergleichbar ist, die im Laufe der Siebzigerjahre in den westlichen Volkswirtschaften bisweilen die 20-Prozent-Marke riss. Doch eine aktuelle Untersuchung der Ökonomen Marijn Bolhuis, Judd Cramer und Lawrence Summers zeigt, dass die Inflationsraten damals anders berechnet wurden als heute.

„Das aktuelle Preisniveau liegt viel näher an früheren Inflationshöchstständen, als die offiziellen Daten vermuten lassen“, mahnen die Wirtschaftswissenschaftler. Ihrer Neuberechnung zufolge lag die US-Kerninflation, die die Teuerungsrate ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise abbildet, auf ihrem Höhepunkt im Juni 1980 bei 9,1 Prozent – während sie offiziell auf 13,6 Prozent taxiert wurde. Dies lässt die Differenz zur aktuellen Kerninflationsrate von 5,9 Prozent gewaltig zusammenschmelzen.

»Deutschland wird auf Jahre mit hohen Inflationsraten leben müssen«

Entsprechend desillusionierend fällt die Schlussfolgerung der Ökonomen aus: „Die Rückkehr zu einer Kerninflationsrate von zwei Prozent erfordert heute einen Inflationsrückgang in ähnlichem Ausmaß, wie er durch Volcker erzielt wurde.“

Erschwerend kommt hinzu, dass die Hüter des Geldes im aktuellen Inflationszyklus viel zu spät gegensteuerten. Die US-Notenbank etwa hätte nach Ansicht von Invesco-Stratege Jackson schon Mitte vergangenen Jahres reagieren müssen. Die Europäische Zentralbank ließ sich noch deutlich mehr Zeit und leitete ihre historische Zinswende erst im Juli mit einer Leitzinserhöhung um 0,5 Prozent ein. Eine kluge Geldpolitik hätte vorausschauender agiert und sich schrittweise von der ultraexpansiven Politik verabschiedet.

„Deutschland wird auf Jahre mit hohen Inflationsraten leben müssen“, fürchtet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer vor diesem Hintergrund laut „Welt“. „Die Inflation verfestigt sich und erledigt sich nicht von alleine“, so der Bereichsvorstand Research bei dem Frankfurter Geldhaus. Dies bedeute zwar auf keinen Fall Hyperinflation. Raten von vier bis fünf Prozent könnten aber normal werden.

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Bild: Shutterstock
Text: reitschuster.de

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