Kimmich: Öffentlich-rechtliche Inquisition Fußball-Star leistet Abbitte im ZDF und verspricht Impfung

Was ist der Unterschied zwischen der Inquisition, also der Ketzerverfolgung in finsteren Zeiten, und dem öffentlich-rechtlichen Journalismus? Teilweise gibt es keinen. Zumindest heute etwa bei einem Interview des Fußball-Stars Joshua Kimmich im ZDF. Ein ausländischer Freund, der seit langem in Deutschland lebt und nur noch den Kopf schüttelt über sein Gastland und die Tage zählt, bis er zurück kann in seine osteuropäische Heimat, schickte mir den Link. Mit folgenden Worten: „es tat mir einfach soooo leid um ihm: offentliche verohoer. inqusition. jede frage war unterstellung.“ (Schreibweise aus dem Original beibehalten).

Ich sah mir dieses Meisterstück des neudeutschen „Haltungs-„Journalismus sofort an. Es erinnert an mittelalterliche Ketzerprozesse, und sogar etwas an die Schauprozesse unter Josef Stalin, in denen die Angeklagten verzweifelt versuchten, Kopf und Kragen zu retten. Kimmich wirkt verzagt, wie ein reuiger Sünder. Er sitzt einsam und verlassen auf einem Stuhl, wie auf der Anklagebank. „Haben Sie ein schlechtes Gewissen Ihren Mannschaftskollegen gegenüber“, fragt der ZDF-Ankläger. Kimmich bekennt reuig, dass er nicht nur den Mitspielern, sondern auch der Familie gegenüber ein schlechtes Gewissen hat: „Ich habe die Mannschaft im Stich gelassen…das wäre mit einer Impfung nicht passiert!“ Auch, dass ihm das Gehalt gestrichen wurde, kann Kimmich nachvollziehen, wie er beteuert. Mehr noch: „In dieser Thematik gibt es keine zwei Meinungen. Das war das gute Recht des Vereins.“

Auf die Frage, ob er die öffentliche Kritik an seiner „Impfzurückhaltung“ verstehen kann, antwortet Kimmich in schuldbewußtem Ton, den Blick nach unten geneigt, mit manipulativer Kamera-Einstellung, die ihn vor schwarzem Hintergrund zeigt, in dem sich seine Silhouette spiegelt: „Absolut. Jegliche sachliche Kritik kann ich da nachvollziehen und verstehen, vor allem zur jetzigen Zeit, wo die Inzidenzen auch wieder ansteigen.“

Sein Verhalten sei nicht mit seiner Vorbild-Funktion vereinbar, setzt der ZDF-Ketzerverfolger nach. Kimmich senkt wieder den Blick: „Auch die Frage habe ich mir oft gestellt. Natürlich bin ich mir bewußt, dass ich eine Vorbildfunktion darstelle. Und doch bin ich trotzdem nur ein Mensch, der eben Ängste und Bedenken hat.“ Sodann äußert Kimmich Verständnis und Mitgefühl für die Politiker, die es so schwer hätten in dieser Zeit. Er verstehe es nicht, warum einem Menschen wie ihm sein Fehler nicht nachgesehen werde: „Es geht gar nicht darum, meine Unentschlossenheit und diese Entscheidung zu rechtfertigen.“ 

Kleiner kann man sich kaum noch machen. Ich persönlich musste manche Stellen mehrmals anhören, weil ich meinen Ohren nicht traute. Was wurde mit Kimmich gemacht, wie stark muss der öffentliche Druck gewesen sein, dass er sich derart selbst vor der Kamera entwürdigt? 

Das deutet er an. Er erzählt, dass sogar seine Eltern belästigt wurden, in seinem Dorf, in den Wirtshäusern, vor der Kirche habe man versucht, die Menschen zu interviewen; sogar bei der Beerdigung seines Opas sei Presse gekommen. So macht Kimmich zwischen den Zeilen deutlich, was ihn zur „Abbitte“ veranlasst hat. Der ZDF-Mann greift das nicht auf, sondern setzt das Verhör fort: „Inwieweit sind Sie mit Ihrem Verhalten dafür verantwortlich, dass zur Zeit noch viele Menschen nicht geimpft sind?“ Prompt distanziert sich Kimmich von „Querdenkern“ und „Verschwörungstheoretikern“. Der Inquisitor fährt fort: „Sie haben die Initiative ‘Wir gegen Corona‘ gegründet, wie passt das damit zusammen, dass Sie unentschlossen waren, dass Sie noch nicht geimpft sind?“ Kimmich beteuert, er sei kein Impfgegner: „Natürlich wäre es besser gewesen, mich früher impfen zu lassen. Es gibt ja viele gute Gründe, sich impfen zu lassen. In allererster Linie, dass man sich selbst nicht infiziert … generell war es einfach schwierig, mit meinen Ängsten und Bedenken umzugehen! Rückblickend gesehen würde ich gerne die Entscheidung des Impfens früher treffen.“

Das ZDF nutzte das Interview denn auch in einem Propaganda-Stil, der an Kriegszeiten erinnert. Hier die Einleitung aus dem Begleittext des ZDF zu dem Video: „Joshua Kimmich bedauert, dass er sich nicht früher hat gegen Covid-19 impfen lassen. Das hat der Nationalspieler vom FC Bayern München jetzt in einem ZDF-Exklusiv-Interview erklärt. Generell sei es für ihn schwierig gewesen, mit seinen Ängsten und Bedenken umzugehen. Und deshalb habe er auch so lange gezögert mit seiner Impfbereitschaft.“

Zitat des Delinquenten:

Vielleicht musste ich auch erst das durchleben, was ich jetzt durchlebt habe. Natürlich, rückblickend gesehen, würde ich gerne die Entscheidung des Impfens früher treffen, aber zum damaligen Zeitpunkt war es mir eben nicht möglich.

Und weiter:

Kimmich zeigt in dem Gespräch sehr wohl Verständnis für die zum Teil deutliche Kritik an seiner Unentschlossenheit bezüglich der eigenen Impfung.

Die Abbitte des sündigen Impfmuffels wurde denn auch sofort quer durch den Blätterwald vermeldet. Focus Online, das Zentralorgan der Corona-Panik, zeigt das Bild eines geknickten Kimmich und titelt: „Sichtlich gezeichnet erklärt Kimmich, sich doch impfen lassen zu wollen – Lob von Lauterbach“.

Ich muss offen gestehen: Ich schäme mich angesichts solch eines Interviews und des Umgangs damit für meinen Berufsstand. Das hat nichts mit dem Journalismus zu tun, wie ich ihn verstehe. Hier machen sich Journalisten zu Vollstreckungsgehilfen der Regierung, in einem Stil, der an finstere Zeiten erinnert.

So wenig ich den Stab über Kimmich breche angesichts des unmenschlichen Drucks, der auf ihn ausgeübt wurde, so bitter ist sein selbstentwürdigendes Einknicken. Kimmich dürfte für sein Leben ausgesorgt haben. Das sei ihm gegönnt. Aber hätte ihm nicht gerade das die Gelegenheit gegeben, mutiger zu sein? Vor allem, wenn man bedenkt, dass es viele Menschen gibt, die um ihre blanke Existenz zittern müssen, aber dennoch nicht einknicken? 

PS: Interessanter Hinweis von einem Leser: Kimmich ist als Influencer im BMI-Papier „Wie wir Covid unter Kontrolle bekommen“ vom April 2020 explizit erwähnt.

 

Bild: Screenshot/ZDF
Text: br

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