Kölner Karnevalspreis für Carola Rackete "Ein Vorbild für uns alle und ein Ansporn"

Man kann über die Flüchtlingskapitänin Carola Rackete ganz unterschiedlicher Meinung sein. Für die einen ist sie eine Heldin wegen ihrer Aktionen im Mittelmeer, und weil sie sich den linksradikalen Waldbesetzern im Dannenröder Forst angeschlossen hat. Für die anderen ist sie genau deswegen eine Anti-Heldin. Beide Ansichten sind völlig legitim in einer demokratischen Gesellschaft.

Jetzt erhält die 32-Jährige den Karl-Küppers-Preis des Festkomitees des Kölner Karnevals. Die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker soll ihr die Auszeichnung am Montag verleihen. Nach ihren Worten ist die junge Frau „ein Vorbild für uns alle und ein Ansporn, sich gegen Rassismus, Antisemitismus und gegen eine Spaltung in der Gesellschaft einzusetzen“.

Die Initiatoren der Auszeichnung loben ein „besonderes Maß an Engagement und Zivilcourage“ bei der umstrittenen linken Aktivistin. Zu denen gehören neben anderen die Stadt Köln, die Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums, das Festkomitee Kölner Karneval und die Familie Karl Küppers. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wurde erst im laufenden Jahr gestiftet. Er erinnert an den Karnevalisten Karl Küppers: Dieser hatte während der NS-Zeit öffentlich Kritik an den Nationalsozialisten geübt.

„Sie hat viel Mut und Menschlichkeit bewiesen, als sie die Schiffbrüchigen in Lampedusa an Land brachte und dafür mediale Verurteilung, juristische Verfolgung und offene Anfeindungen in Kauf genommen hat. Das verdient unser aller Bewunderung“, erklärte der Präsident des Festkomitees, Christoph Kuckelkorn, die Entscheidung für Rackete.

„Den Finger in die Wunde legen, Mißstände offenlegen und sich dabei auch gegen den Strom stellen und Zivilcourage zeigen – das hat Karl Küpper wie kaum ein anderer gemacht und das hebt auch Carola Rackete von vielen Menschen ab. Wir brauchen Menschen wie sie gerade bei so schwierigen Themen wie der Flüchtlingskrise, um Solidarität und Humanität immer zum Leitbild unseres Handelns zu machen.“

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Erstaunlich ist, wie hier das Hinterher-Rennen hinter dem Zeitgeist als Widerstand gegen genau diesen gewertet wird. Kurt Tucholsky sagte einst: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“ Umgewandelt auf Rackete könnte man dazu heute sagen: „Nichts ist einfacher und nichts erfordert weniger Charakter, als sich in offenem Einklang mit seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Ja.“ Faszinierend, wie sich die Vorreiter des Zeitgeists dabei gegenseitig für vermeintlichen Mut mit Preisen überhäufen. Genauso wie im Journalismus.

PS: Besonders pikant an der Preisverleihung: 2019 hatte die Kölner AfD-Stadtratsfraktion beantragt, zu Ehren von Küpper einen Preis für die beste politische Büttenrede zu stiften. Die anderen Parteien im Stadtrat lehnten die Initiative ab, sie wurde deshalb nicht umgesetzt. Der Kölner AfD-Fraktionsvorsitzende Stephan Boyens schrieb deshalb einen offenen Brief an die Preisträgerin. Darin seht unter anderem:

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„Mit großer Freude hat die Kölner AfD-Fraktion zur Kenntnis genommen, dass Sie am 19. Oktober den erstmals verliehenen “Karl-Küpper-Preis für Zivilcourage” im historischen Rathaus zu Köln in Empfang nehmen werden.

Diese Verleihung zeugt in mehrerer Hinsicht von einer gesunden Prise Humor und hätte dem großen kölschen Büttenredner Karl Küpper bestimmt Stoff geliefert für einige kräftige Pointen! (…) Auch Karl Küpper hätte sicher seine hintersinnige Freude daran, dass ihn nun ausgerechnet der organisierte Kölner Karneval ehrt, der ihn sowohl während der NS-Diktatur als auch später in der Nachkriegszeit feige-opportunistisch verraten und verkauft hat.

…Es ist geradezu genial, Karl Küppers Sinn für Ironie mit einem Preis für Zivilcourage ausgerechnet an Sie, liebe Frau Rackete, zu würdigen. Gibt es doch in unserer links-grün dominierten Gesellschaft und Medienlandschaft kaum etwas weniger Zivilcouragiertes als der Einsatz für noch mehr Migration nach Europa und Deutschland.“

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Bild: Paul Lovis Wagner/Sea-Watch.org/Wikicommons/CC BY-SA 4.0
Text: red


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