Kulturschock per Faustschlag

Mit einem blauen Auge bin ich aus Moskau davon gekommen – leider buchstäblich. Die fünf Tage in der russischen Hauptstadt brachten mehr Eindrücke und Emotionen als ein Monat in Berlin. Das Land verändert sich, massiv und schnell. Und bei allen Problemen gibt doch einigen Anlass zur Hoffnung. Darüber in Kürze mehr. Unten erst einmal die Geschichte vom blauen Auge – und wie sie wieder die interkulturellen Unterschiede zu Tage brachte….

 

 

Auf dem Foto: Beim Treffen mit Michail Kuschuchow, TV-Star und früher Sprecher Putins, und Alisa Ganieva, einer meiner Lieblings-Schriftstellerinnen.

 

Aber jetzt zum blauen Auge: Es war nicht Koschuchows Reaktion auf meine Putin Kritik (die wäre eher Lob), sondern die Strafe für zu große Eile – beim Versuch, bei grün noch über eine Ampel zu kommen, kam mir das Bein einer Moskauerin in die Quere. Mein Sprung war so gewaltig, dass die deutsche Nationalmannschaft wohl noch in der WM verblieben wäre, wäre Neuer gegen Südkorea so gesprungen. Die Landung war hart und sehr schmerzhaft. Die Frau leistete sofort erste Hilfe und brachte mich in eine Apotheke, wo ich mir „Eis-Pakete“ kaufte: Plastik-Beutel mit einem Chemie-Gemisch, das sich in Eis verwandelt, wenn man stark dagegen schlägt. Das erste Paket „schlug“ die Apothekerin. Beim Treffen mit Koschuchow wollte ich das zweite Paket „schlagen“ – aber alle meine Schläge waren zu schwach. Ich bat Koschuchow, einen Bär von einem Mann, das für mich zu übernehmen. Koschuchow: „Boris, wenn ich da draufhaue, platzt das!! ich: „Michael, dann hau vorsichtig, mit halber Kraft“. Koschuchow: „Okay“. Er schlägt, das Paket platzt, die Chemikalie spritzt durch das halbe Restaurant. Wir können uns kaum halten vor Lachen. „Was für einen Russen gut ist, ist für einen Deutschen der Tod“, besagt ein altes russisches Sprichwort. Wir beschließen, es zu erweitern: „Was für einen Russen ein schwaches Klopfen ist, geht für einen Deutschen über sein Kraft-Limit“  

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