Lauterbach und die Ukraine "Die Welt hat Besseres zu tun"

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Thomas Rießinger

Oft und gerne hat man Deutschland als das Land der Dichter und Denker bezeichnet. Und nicht ohne Grund: Man denke nur an Schriftsteller wie Johann Wolfgang von Goethe und Thomas Mann, an Philosophen vom Schlage eines Immanuel Kant oder Arthur Schopenhauer oder gar an Wissenschaftler hohen Ranges wie Carl Friedrich Gauß und Albert Einstein. Doch all das, diese beachtliche Ansammlung großer Leistungen und bedeutender Akteure, liegt lange zurück und ist, um den erwähnten Thomas Mann kurz zu Wort kommen zu lassen, „sozusagen schon ganz mit  historischem  Edelrost überzogen und unbedingt in der Zeitform der tiefsten Vergangenheit vorzutragen“.

Aber auch die Geister unserer Zeit haben ihre Verdienste. Ich darf beispielsweise auf die mehr als 200 Professuren für Gender-Studies hinweisen, die mit ihren Erkenntnissen den deutschsprachigen Raum bereichern, und ohne Frage findet einer der wichtigsten Vertreter der heutigen Wissenschaft, der famose Christian Drosten, seinen Platz in der Riege großer Denker, auch wenn manche die Auffassung vertreten, man habe ihn eher zu den Dichtern zu zählen.

Es wäre jedoch unverzeihlich, einen der wichtigsten Wissenschaftler unserer Tage zu vergessen, der uns seit zwei Jahren in unnachahmlicher und fürsorglicher Weise mit panischen Parolen versieht: Karl Lauterbach ist es, der vielleicht größte, sicher aber der geschwätzigste Gesundheitsminister, den es je gab. Inzwischen hat er sich vom Gesundheits- zum Universalexperten entwickelt, kein Thema ist mehr vor ihm sicher, weshalb er sich auch gerne zur weiteren Entwicklung des Weltklimas äußert und es nicht versäumt, bewährte Panikmuster auf sein neues Objekt der Begierde zu übertragen.

Und nicht nur das, ein derart universell gebildeter Mensch muss auch seinen Beitrag zur Kriegsdiskussion leisten; man wüsste ja sonst gar nicht mehr, was man denken soll. Die Welt, so meint er, habe „Besseres zu tun, als sich mit den Großmachtfantasien von Putin zu beschäftigen“, denn der gefährde Menschen „in einer Situation, wo wir mitten in der Corona-Pandemie sind“. Und weiter: „Wir müssen den Klimawandel bekämpfen, wir müssen die Pandemie bekämpfen, wir müssen neue Pandemien verhindern.“

Man sieht deutlich, wie es in dem Minister denkt. Wer, aus welchen Gründen auch immer, seine Truppen in einem anderen Staat aufmarschieren lässt, wird sich in aller Regel keine Gedanken über Gesundheits- und Klimapolitik machen, man muss sogar damit rechnen, dass er Lauterbachs neues Buch nicht gelesen hat. Die Gefährdung von Menschenleben liegt auch nicht darin, dass der Angriff in einer Situation erfolgt, „wo wir mitten in der Corona-Pandemie sind“, sondern im Angriff selbst, der aber für Lauterbach eher zweitrangig zu sein scheint. Wie wäre denn die Lage, wenn es keine Pandemie gäbe, wenn niemand auf die Idee käme, neue Pandemien zu verhindern oder gar die Klimakatastrophe zu bekämpfen, die sich vor allem in den Großrechnern mancher Klimaforscher und den Großhirnen vieler grüner Aktivisten abspielt? Dann wäre, sofern wir Lauterbach ernst nehmen wollen, allem Anschein nach gegen einen Einmarsch nichts mehr einzuwenden, denn die Welt, wie er sie sieht, hätte ja nichts Besseres mehr zu tun.

Oder geht es ihm vielleicht gar nicht um die Welt, sondern um sich selbst und seine eigene Wichtigkeit? Es gibt viele Gründe gegen einen Krieg und wenige dafür, und ausgerechnet die Gründe, die mit der Sache überhaupt nichts zu tun haben, sucht sich der Minister aus. Böse Menschen, die seine ministerielle Uneigennützigkeit ein wenig in Frage stellen, könnten der Idee verfallen, er wolle mit aller Gewalt im Mittelpunkt der Diskussion stehenbleiben, egal worüber diskutiert wird, und müsse daher immer und immer wieder auf sich aufmerksam machen – zumal auch der Verkauf seines gerade erschienenen epochalen Werkes leiden könnte, wenn keiner mehr an den Autor denkt.

Immerhin lässt er es bei diesen sinnlosen Aussagen nicht bewenden, er versucht noch, sein Mitgefühl ins Spiel zu bringen. Die Kinder täten ihm leid, so können wir lesen, ihre Kindheit werde unterbrochen, sie hätten Angst um das eigene Leben und um das ihrer Eltern. „Das ist etwas, was kein Kind verdient, und was schlicht furchtbar ist.“ Unbestritten. Es fällt ihm nur leider etwas zu spät ein. Nicht vergessen: Es ist Karl Lauterbach, der diese Sätze von sich gibt. Es ist derselbe Karl Lauterbach, der seit zwei Jahren mit aller Kraft dazu beiträgt, Kindheiten zu unterbrechen und die Angst der Kinder um das eigene Leben, um das der Eltern und insbesondere das der Großeltern zu schüren, obwohl mittlerweile selbst der Minister wissen könnte, dass für die staatlich angeordneten Kindesmisshandlungen kein wissenschaftlicher Grund vorliegt – ganz zu schweigen von seiner Vorstellung, Kinder und sogar Kleinkinder mit keineswegs gut erforschten Impfungen zu behelligen, die sie nicht brauchen. Auch wenn es außer Frage steht, dass ein Krieg auch und besonders zu Lasten der Kinder geht, sollte einer der großen Verursacher hiesigen Kinderleids sich nicht als Verteidiger von Kinderinteressen aufführen.

Vielleicht kann er nicht anders. Sollte ein Hauch von Selbsterkenntnis mitschwingen, wenn er die aktuellen Vorgänge als „möglicherweise, so scheint es mir, zumindest auch zum Teil vermittelt durch narzisstische Geltungsbedürfnisse, die nicht hinnehmbar sind“, bezeichnet? Das wäre wohl zu viel verlangt. Was er hier Putin – zu Recht oder zu Unrecht – zuschreibt, könnte in den Augen des hiesigen Publikums auch auf den Minister zutreffen, aber dieser Gedanke dürfte ihm fremd sein.

Manche Philosophen sind durch monumentale Entwürfe und Theorien zu Ruhm gelangt, aber der eine oder andere hat es auch mit kürzeren Äußerungen geschafft. Besonders deutlich sieht man das am Beispiel Dieter Bohlens, des bekannten Vertreters neuzeitlicher Philosophie, nebenberuflich im Bereich von Musik und Fernsehen tätig. Sein philosophischer Beitrag ist an Kürze und Prägnanz nicht mehr zu überbieten: „Das Problem ist: Mach einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist.“ Es bleibt jedem überlassen, diesen Lehrsatz nach bestem Wissen und Gewissen anzuwenden.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und war Professor für Mathematik und Informatik an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Neben einigen Fachbüchern über Mathematik hat er auch Aufsätze zur Philosophie und Geschichte sowie ein Buch zur Unterhaltungsmathematik publiziert.

Bild: Juergen Nowak/Shutterstock
Text: Gast

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