Linksextremer Brandanschlag – halb so schlimm? S-Bahnverkehr im Berliner Osten lahmgelegt

Die „Feministisch-Revolutionär-Anarchistische-Zelle“ hat sich zu einem Anschlag auf die Kabel der S-Bahn am Berliner Ostring bekannt. Eine entsprechende Selbstbezichtigung war am Montag Mittag auf der linksextremen Internetplattform „indymedia.org“ erschienen. Der Titel: „Lockdown fürs kapitalistische Patriarchat“.

Das Feuer war am Montag gegen 5 Uhr morgens an einem zentralen Kabelkasten der S-Bahn gelegt worden, in der Nähe von Ostkreuz und Frankfurter Allee. Es kam zu massiven Beeinträchtigungen des S-Bahn-Verkehrs und seiner Unterbrechung auf dem östlichen Bahnring. Teilweise musste Bus-Ersatzverkehr fahren. Erst am Dienstag ist wieder mit einer Normalisierung zu rechnen. Betroffen sind damit wohl zehntausende Fahrgäste, insbesondere auch Berufspendler.

Bereits 2011 hatte eine Anschlagsserie auf Kabelverbindungen der S-Bahn begonnen. Im Laufe der kommenden Jahre gab es wiederholt Brände, vermehrt im Umfeld des Berliner Ostkreuzes. Ab 2014 herrschte dann Ruhe an der Feuerfront bis zu einem Anschlag auf Hochspannungsleitungen 2018 und auf die Bahn 2019. Die Ermittler gehen davon aus, dass der oder die Täter Bahn-Insiderwissen haben müssen. Denn es wird mit geringem Aufwand maximaler Schaden erzielt.

In der Selbstbezichtigung auf der linksextremen Internetplattform wird Bezug genommen auf die für Freitag geplante Räumung des besetzten Hauses in der Liebigstraße 34. Es heißt dort: „Eine militante Gruppe hat 34 Millionen Euro für die Räumung der Liebig 34 veranschlagt. Wir greifen diese Aufforderung auf. Da dies die einzige Sprache ist, die verstanden wird, servieren wir die dazugehörige Quittung.“

Weiter heißt es in dem Aufruf: „Gestörte Arbeitsabläufe, Verspätungen, kaputte Infrastruktur, economic damage: Jede Räumung, jede Zwangsräumung wird teuer werden für die Stadt. Eine Stadt, die alles vermarkten lässt. Die mit hohler HipsterCulture die Kieze kaputt macht. Eine Stadt, die weltoffen tut – für diejenigen, die Geld haben. Wir haben schon lange die Nase gestrichen voll von dem verlogenen liberalen Mist.

Wir  fahren die Stadt runter.
Wir stoppen den Nahverkehr.
Wir stiften Chaos in der Stadt.
Wir behindern Arbeitsabläufe.“

Weiter wird zu einer kommunistischen Gesellschaft aufgerufen:
„Unser Struggle, unser Fight ist erst zu Ende, wenn die Menschen ihre Freuden und ihre Leiden, ihre Arbeit und ihre Reichtümer teilen, wenn alles allen gehört. Wenn es keine Reichen mehr gibt, die sich beschützen lassen müssen, und keine Klassenunterschiede. Wenn es keine Femizide mehr gibt und keine Waffen. Keinen Bullen-NSU 2.0 und keine Nazis.“

Interessant ist, dass laut Google News kein einziges deutsches Medium diese linksextremen Parolen wiedergibt. Berichtet wird demnach fast nur in regionalen Medien. Und auch dort eher als Nebenthema.

Kein breiter Schulterschluss der Demokraten.

Keine breite Empörung auf twitter.

Keine Solidaritäts-Bekundungen mit den Bahn-Mitarbeitern und Fahrgästen.

Keine Einladung der Brandbekämpfer zum Bundespräsidenten.

Frei nach George Orwell: Jede Gewalt ist schlecht. Aber linksextreme weniger.


Bild: Michael Candelori/Shutterstock (SYMBOLBILD. Antifa-Proteste gegen Trumps Amtseinführung, Januar 2017)
Text: red

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