In Sachsen: Lokführer brutal auf Bahnsteig zusammengeschlagen Weil er einen Streit schlichten wollte

Manchmal erschreckt man über die eigene Abgestumpftheit. Als ich die Nachricht, um die es hier geht, zum ersten Mal gelesen habe, war mein erster Gedanke: Ist ja nichts Ungewöhnliches, eher Alltag, und soll ich da wirklich etwas darüber schreiben? Dann sagte ich mir: Genau diese Herangehensweise ist das Problem. Weil immer mehr Menschen die Alltagsgewalt für normal halten, weil die meisten Medien gar nicht mehr oder nur noch im Kleingedruckten berichten, geht die Gewaltspirale immer weiter. Hand in Hand mit der Schweigespirale.

Deshalb möchte ich hier berichten über die unfassbaren Szenen, die sich in Lauter-Bernsbach in Sachsen zugetragen haben. Ein 15-jähriger Afghane ging auf einen Lokführer der Erzgebirgsbahn los. Dessen „Vergehen“: Er wollte auf dem Bahnsteig einen Streit schlichten. Dafür wurde er selbst zum Opfer. Was besonders fatal ist wegen der Signalwirkung, die davon ausgeht: Zivilcourage ist lebensgefährlich!

Ein Sprecher der Bundespolizei teilte mit: „Der Triebfahrzeugführer war von einem 15-jährigen afghanischen Staatsangehörigen angegriffen worden. Ein Rettungswagen brachte den Mann ins Krankenhaus. Wir ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung.“

„Der Zug der Erzgebirgsbahn war von Zwickau nach Johanngeorgenstadt unterwegs, als die Regionalbahn (RB 95) planmäßig am Haltepunkt Lauter stoppte. Hier stiegen drei Personen aus“, wie die „Bild“ berichtet: „Auf dem Bahnsteig kam es anschließend zu einem lautstarken Wortgefecht zwischen zwei der ausgestiegenen Reisenden – dem Afghanen (15) und einem Deutschen (36). Um was es ging, ist noch unklar. Der Afghane wurde laut Zeugenaussagen als äußerst aggressiv beschrieben.“

Der Lokführer sah die Auseinandersetzung aus seinem Führerstand, stieg aus und lief auf den Bahnsteig, wie es in dem Bericht heißt. Dazu der Polizeisprecher: „Nach bisherigem Erkenntnisstand wollte der Bahnmitarbeiter den Streit schlichten.“ Das Resultat: „Er wurde brutal zusammengeschlagen.“

 

„Einer der Beteiligten zerrte ihn zu Boden, schlug ihm anschließend mit der Faust mehrfach ins Gesicht und trat ihm gegen den Kopf“, wie die „Bild“ schreibt: „Ein weiterer Beteiligter hielt den Lokführer fest. Anschließend flüchteten die beiden – sie trugen weiße Pullover und schwarze Umhängetaschen.“

Trotz einer sofort eingeleiteten Fahndung entkamen die Täter. Dank einer Zeugin konnte der Hauptverdächtige jedoch zumindest identifiziert werden. Aber an seiner Wohnadresse in Lauter war er nicht anzutreffen, wie es in dem Bericht heißt; allem Anschein nach versteckt er sich.

Vorerst arbeitsunfähig

Jemand aus dem Zug konnte die üble Attacke auf den Lokführer mit seinem Handy aufnehmen. Die oben bereits hier eingestellten Bilder kursieren derzeit im Internet. „Die Ermittlungen müssen nun klären, warum der Lokführer auf sich allein gestellt war und der Deutsche (36) – der mit dem Afghanen anfangs in Streit geriet – dem Lokführer nicht half“, schreibt die „Bild“. Lutz Mehlhorn, der Leiter der Erzgebirgsbahn, sagte dem Blatt: „Wir sind entsetzt und hoffen, dass unser Mitarbeiter schnell wieder gesund wird.“ Dem Bericht zufolge wurde der Lokführer im Gesicht und an der Schulter verletzt und ist vorerst arbeitsunfähig.

Während die Täter noch nicht gefunden wurden, macht sich die Polizei schon auf die Jagd nach denen, die man heute als „übliche Verdächtige“ bezeichnen kann. „Die Beamten der Direktion Chemnitz haben sich die Reaktionen zur Prügel-Attacke in den sozialen Medien angeschaut“, schreibt die „Bild“ und zitiert einen Polizeisprecher: „Einige Kommentare erfüllen nach erster strafrechtlicher Bewertung den Tatbestand zur öffentlichen Aufforderung zu Straftaten sowie Volksverhetzung.“ Die Verfasser müssen jetzt mit einem Ermittlungsverfahren rechnen.

Nicht auszuschließen, dass sie schneller vor Gericht kommen als der oder die Täter.

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