Macron erklärt Ungeimpften den Krieg Unglaubliche Aussagen mit Fäkalsprache – die unsere Medien glätten

„Ich habe große Lust, das Leben der Ungeimpften zu Scheiße zu machen“ – das sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron jetzt sinngemäß in einem Zeitungsinterview („Les non-vaccinés, j’ai très envie de les emmerder“). Verzeihen Sie die Grobheit der Sprache – doch wenn ein Staatspräsident sich so äußert, mit Fäkal-Sprache, muss das auch so wiedergegeben werden. Und nicht beschönigt übersetzt wie in den meisten Medien mit „Ungeimpfte nerven“, oder umgedeutet wie etwa vom „Focus“, der schreibt, Macron „schlägt deutliche Töne an“ (während etwa der Google-Übersetzer folgendes Ergebnis bringt: „Die Ungeimpften, ich will sie wirklich verarschen“.)* „Bis zum Ende“, fügte Macron dann noch hinzu. Weiter hört sich der Staatschef an wie in einem Machtrausch: „Ich werde sie nicht ins Gefängnis stecken, ich werde sie nicht zwangsimpfen“, sagte Macron. Aber die Botschaft an sie sei: „Ab dem 15. Januar könnt ihr nicht mehr ins Restaurant gehen, ihr könnt keinen Rotwein mehr trinken, ihr könnt nicht mehr Kaffee trinken gehen, ihr könnt nicht mehr ins Theater gehen, ihr könnt nicht mehr ins Kino gehen…“

Macron kündigte in dem Interview mit der Zeitung Le Parisien Härte gegen sogenannte „Impfverweigerer“ an. Neben den derben Worten, die auch nach Machtrausch klangen, sage er, wer sich nicht impfen lasse, verhalte sich unverantwortlich. Und, so sagt er: „Ein Unverantwortlicher ist kein Bürger mehr.“

Weniger als vier Monate vor der Präsidentschaftswahl führten diese Aussagen prompt zu einem Aufschrei seitens der Opposition, wie der SRF berichtet. „Sie seien eines Präsidenten unwürdig, erklärte der Vorsitzende der konservativen Les Républicains, Christian Jacob. Es könne nicht das erklärte Ziel eines Präsidenten sein, französische Bürger zu nerven, so Jacob.“ Es hagelte Kritik von allen Seiten: Marine Le Pen, die Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National, nannte den Präsidenten seines Amtes unwürdig. Jean-Luc Mélenchon von den Linken nannte die Aussage schockierend. Der Kandidat der Grünen, Yannick Jadot, schrieb – allerdings in einem Impfaufruf – die Menschen seien Macron egal. Sozialistenchef Olivier Faure sagte, dass so eine Aussage nicht auf dem Niveau eines Präsidenten sei.

Selbst Macrons Ex-Premierminister Edouard Philippe forderte seinen einstigen Gönner in einer Fernsehsendung zu einer Entschuldigung auf, wenn auch nur indirekt: „Der Präsident der Republik drückt sich manchmal auf eine gewählte Art und Weise aus und manchmal in einer familiären Weise. Er ist derjenige, der sagt, wenn es ihm leid tut.“ Der Politologe Arnaud Benedetti schrieb im „Figaro“: „Der Macronismus ist der Trumpismus der Eliten.“

Kritiker bemängeln, der geplante obligatorische Impfpass in Frankreich sei nichts anderes als eine versteckte Impfpflicht. Dass so eine nicht kommt, ist nach Macrons Worten nur mit Problemen bei der Umsetzung verbunden: „Wenn ich morgen sage: Alle Erwachsenen müssen sich impfen lassen. Wie kontrollieren Sie das und was ist die Sanktion? Das ist das eigentliche Thema. Soll ich die Leute zwingen, sich impfen zu lassen? Sie einsperren und dann impfen? Da werden Sie mir sagen: Sie sind ein komischer Mensch …“

Frankreich hat eine Impfquote von 73,5 Prozent (Deutschland: 71,39 Prozent) in Bezug auf die Gesamtbevölkerung.

Die krasse Überschrift habe ich bewusst in dieser provokanten Form gewählt, weil ein „Anscheißen“ von Teilen der Bevölkerung durch ein Staatsoberhaupt und eine Erklärung, er sehe diese nicht mehr als Bürger, nichts anderes ist als eine Kriegserklärung an diese. Und ein massiver Verstoß gegen alle Regeln der Demokratie.

*)  Leser schrieben mir, ich sei zu streng mit Macron, die Fäkal-Sprache habe sich im Französischen eingebürgert – das ist bei uns auch der Fall. Dennoch macht es Sinn, sie als solche zu benennen. Und zumindest im Élysée-Palast hat sie sich bisher wohl kaum eingebürgert.

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Bild: Shutterstock
Text: br

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