Nach Impfung: Ehemalige Leistungsturnerin an Rollstuhl gefesselt Postvakzinale Myasthenia Gravis

Von Kai Rebmann

Es ist ein Schicksal, das sprachlos macht. Selin Islami aus Solingen (NRW) stand bis vor wenigen Monaten noch mitten im Leben. Die 17-Jährige hatte eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten begonnen und galt als talentierte Turnerin. Sogar an den Deutschen Meisterschaften hat die Jugendliche bereits teilgenommen. All das gehört jetzt aber der Vergangenheit an, heute ist die bis vor Kurzem noch kerngesunde Teenagerin auf den Rollstuhl angewiesen. Im August 2021 erhielt Selin ihre erste Impfung (Biontech), wenige Tage danach litt sie unter Symptomen wie Husten, starken Bauchschmerzen und Schwächeanfällen. Nach weiteren Impfungen im Herbst wurden die Beschwerden immer schlimmer, seit Dezember 2021 muss die junge Frau auch ihre Berufsausbildung ruhen lassen. Diagnose: Postvakzinale Myasthenia Gravis!

Die Medien in Deutschland schweigen sich über diesen Fall aus, und das, obwohl die 17-Jährige ganz bewusst an die Öffentlichkeit gehen will, wie sie gegenüber dem „Solinger Tageblatt“ erklärt hat. Aber auch die regionale Tageszeitung aus Selins Heimatstadt berichtet nur mit angezogener Handbremse (und hinter der Bezahlschranke) über das Schicksal der ehemaligen Leistungssportlerin. Weil sich Selin im Januar 2022 auch noch mit Corona infiziert hat, stünden die Ärzte nun vor „einem großen Rätsel“, ob die Beschwerden ihrer jungen Patientin auf die Impfung oder die Infektion zurückzuführen seien. Wieder einmal soll der große Elefant im Raum nicht beim Namen genannt und nach Möglichkeit eine alternative Erklärung gefunden werden. Ins Deutsche übersetzt handelt es sich bei einer „Postvakzinalen Myasthenia Gravis“ um eine „schwere Muskelschwäche nach Impfung“. Die Deutsche Myasthenie Gesellschaft erklärt dazu: „Ursache dieser Störung ist eine fehlgesteuerte Immunreaktion, d. h. eine Bildung von Abwehrstoffen (Antikörpern) gegen körpereigene Strukturen auf der Muskulatur.“

Blutwäschen und Tabletten bestimmen den Alltag

Nachdem die Ärzte in der Uniklinik Essen die Diagnose auf die äußerst seltene Autoimmunerkrankung gestellt hatten, wurde Selin im Mai dieses Jahres an die Charité in Berlin überwiesen. Seither wird der Alltag der Teenagerin von Tabletten und Blutwäschen bestimmt. Rund um die Uhr, alle vier Stunden, muss Selin über den Tag verteilt 45 Tabletten einnehmen. „Mein Mann und ich stellen uns auch nachts den Wecker, um die Einnahme nicht zu verpassen. Wenn alle Muskeln versagen, wäre das dramatisch“, sagt Aylin Dalgül, die Mutter der Auszubildenden.

Doch damit noch nicht genug. Um die Beschwerden in einem halbwegs erträglichen Rahmen zu halten, ist Selin außerdem auf regelmäßige Blutwäschen angewiesen. Nach bisher rund 30 dieser Behandlungen finden die Ärzte inzwischen kaum noch Zugänge für die Dialyse, wie die Jugendliche mit Verweis auf unzählige Narben an Hals und Leiste gegenüber den Kollegen vom „Solinger Tageblatt“ erklärt. Ihre Mutter ergänzt, dass schon zweimal versucht worden sei, einen dauerhaften Dialyseshunt in die Unterarm-Arterie zu legen, jedoch ohne Erfolg. Jetzt sei auch noch diese Arterie geschädigt worden, klagt Aylin Dalgül.

Familie prüft Klage gegen Biontech

Selin Islami lebt mit ihrer Familie im dritten Stock eines Mehrparteienhauses. Die Wohnung kann das Mädchen nur verlassen, wenn ihr Vater sie die Treppe runter- und wieder raufträgt, weshalb die Familie aktuell auf der Suche nach einer Wohnung mit Aufzug ist. Aylin Dalgül war als Finanzbuchhalterin beschäftigt, musste die Stelle inzwischen aber kündigen, um sich voll und ganz auf die Pflege ihrer Tochter konzentrieren zu können. Das Mädchen ist zu 100 Prozent schwerbehindert und wurde in den Pflegegrad 4 (von 5) eingestuft, was nach offizieller Lesart als „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ definiert wird.

Als letzte Hoffnung bleibt der Familie ein neues Medikament, das bisher aber eigentlich nur für Erwachsene zugelassen ist. „Wir haben bei der Krankenkasse durchgekämpft, dass Selin das sehr teure Präparat vier Wochen lang testen kann“, zeigt sich die Mutter erleichtert. Die Verabreichung des Medikaments erfolgt unter ärztlicher Aufsicht in der Uniklinik Essen. Parallel zu dieser Behandlung prüft der Anwalt der Familie eine Klage gegen Biontech, um den Hersteller des Impfstoffs zur Rechenschaft zu ziehen, der mutmaßlich dafür verantwortlich ist, dass sich das Leben ihrer Tochter von heute auf morgen radikal verändert hat.

DAVID
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Alexandros Michailidis/Shutterstock

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