Nächtlicher Brandanschlag auf deutsch-russische Schule in Berlin Polizei sieht Vorsatztat und Zusammenhang zum Krieg

Was ist nur in diesem Land los? Meine kleine Tochter ging bis vor kurzem auf die deutsch-russische Lomonossow-Schule in Berlin. Jetzt lese ich: Auf eine der zwei Lomonossow-Schulen ist ein Brandanschlag verübt worden. Wie die „B.Z.“ berichtet, sollen die Täter von mehreren Überwachungskameras erfasst worden sein, als sie ein Feuer im Eingangsbereich der Privatschule gelegt haben. Der Tagesspiegel meldet: „Wir gehen von einer Vorsatztat und einem Zusammenhang zum Krieg in der Ukraine aus“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.

Eltern von ehemaligen Schulkameraden meiner Tochter schickten mir diesen Brief der Schulleitung:

„Liebe Eltern, leider mussten wir erfahren, dass auf die Lomonossow-Schule in Marzahn in der Nacht ein Brandanschlag verübt wurde.
Gottlob ist niemand verletzt.

Unsere Schule ist informiert.

Unseren Kindern geht es gut.

Der Vorfall wird klein gehalten um keine Verunsicherung unter den SchülerInnen zu streuen. Ich bitte Sie auch, Ruhe zu bewahren.

Die Schule ist mit den Behörden in Kontakt.

Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Sicherheit der SchülerInnen und des Lehrpersonals zu erhöhen.

Die Polizei ist bereits verstärkt im Einsatz.

Unterstützen Sie die Arbeit, in dem Sie jede Auffälligkeit unverzüglich der Schule melden.

Sprechen Sie bitte kindergerecht über den Konflikt mit Ihren Kindern – unsere Kleinsten brauchen die Zuversicht, dass Schule und das Zuhause sichere Orte für sie sind.“

Unter den Lomonossow-Schülern sind Ukrainer genauso wie Russen und Deutsche, die einträchtig zusammen lernen. Die Kinder an den beiden Schulen sind jetzt in Angst, auch viele Eltern. Schon zuvor war es zu Schmierereien und Anfeindungen gekommen. Mit dem Brandanschlag ist ein neues Maß erreicht, das erschaudern lässt.

Was ist nur in unserem Land los? Wer reagiert sich an den Schwächsten ab? An Kindern! Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass sehr viele der Eltern Putins Politik seit langem kritisch gegenüberstehen – als das in Deutschland noch nicht Mainstream war. Auch an der Lomonossow-Schule fand nach meinen Erfahrungen nie irgendeine politische Beeinflussung der Kinder statt. Hier wird Völkerverständigung gelebt.

Damit wir uns klar verstehen: Ich halte den Überfall Putins auf das Nachbarland für ein Kriegsverbrechen, das durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen ist. Seine Art der Kriegsführung, die aus Tschetschenien und Syrien bekannt ist, bei der maximale zivile Opfer entweder in Kauf genommen oder bewusst herbeigeführt werden, ist schlicht barbarisch. Ich habe volles Verständnis dafür, dass gerade Menschen, die jetzt um ihre Verwandten oder Freunde in der Ukraine zittern müssen oder gar Verwundete oder Tote darunter zu beklagen haben, verzweifelt sind.

Aber auf Barbarei mit einem Brandanschlag auf eine Schule zu reagieren, unschuldige Kinder in Angst und Schrecken zu versetzen, ist durch nichts zu rechtfertigen.

Die Stimmung in Deutschland mit der massiven Hetze gegen Minderheiten macht mir große Angst: Erst waren es die Ungeimpften, die quasi für vogelfrei erklärt wurden und selbst mit der Verweigerung medizinischer Behandlung rechnen müssen. Jetzt sind es Russen. Von denen Abertausende unter Gefahr für Freiheit und Gesundheit gegen den Krieg auf die Straße gehen. Unter denen viele Journalistenkollegen jetzt ihre Existenz verloren haben, weil sie sich nicht beugen. Die Gefängnisstrafen riskieren. Ja, im schlimmsten Fall ihr Leben.

Gerade diesen Journalistenkollegen gebührt mein tiefster Respekt. Ihr Mut und ihre Zivilcourage könnte für viele deutsche Journalisten Vorbild sein. Für diejenigen, die immer noch gegen Ungeimpfte und Kritiker der Corona-Politik hetzen. Und jetzt mit einer oft allzu undifferenzierten Berichterstattung dafür sorgen, dass ein Hass gegen Russen allgemein entsteht.

Wo bewegt sich unsere Gesellschaft nur hin?

Das Leid in der Ukraine ist unermesslich. Es trifft auch viele Freunde von mir, weswegen es mich ganz besonders bewegt. Bitte helfen Sie den Menschen dort – hier finden Sie eine Übersicht, wie Sie helfen können.

Bild: Screenshot Lomonossow-Schule/Webpräsenz
Text: br

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