Nagelsmann-Protokoll: Die schmutzigen Details des WM-Debakels Wie der Bundestrainer Deutschland selbst besiegt hat

Nochmal Fußball, werden vielleicht einige von Ihnen jetzt stöhnen. Aber Fußball ist nur der Anlass. Worum es geht, greift viel breiter. Denn was jetzt nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft alles ans Licht kommt, haut mich um. Obwohl ich eh schon alles sehr kritisch sah – siehe meinen Bericht gestern. Und ich möchte Ihnen die neuen Enthüllungen nicht vorenthalten.

Vorab eine kurze Replik auf eine kluge Freundin mit ausländischen Wurzeln, die schrieb, die deutsche Kritik an Nagelsmann sei „Pöbelei“ und „typisch deutsch“. Meine Antwort: Nein. Typisch deutsch ist das Gegenteil — das Verdrängen, das Schönreden, Merz‘ Tweet, das DFB-Nicken. Und was die Bild jetzt über Nagelsmann enthüllt, ist keine Pöbelei. Es sind Fakten.

Der Trainer, der nicht spricht

Es ist eine lange Liste des Versagens, das die „Bild“ unter dem Titel „WM 2026: Wie Julian Nagelsmann die Mannschaft verlor!“ aufführt: Nagelsmann, der gerne, oft und laut mit Journalisten redet, sprach demnach kaum mit seinen Spielern. Dafür radelte er mit seiner Frau zum Training — mitten in der heißen Turnierphase, was einigen Spielern bitter aufstieß.

Außerhalb der Trainingsbesprechungen gab es dem Bericht zufolge kaum Einzelgespräche — Spieler beklagten intern: „Der Trainer spricht nicht mit mir.“ Öffentlich dagegen: stets redegewandt, TED-Talk-erprobt. Ein Kontrast, der größer nicht sein könnte – und ein Symptom dieses neuen, narzisstischen Trainertypus ist, bei dem sich alles um das Ich dreht – die erste Parallele zur Politik, wo ebenfalls genau dieser Typus dominiert.

Aber es geht weiter: Der Aufstellungs-Zickzackkurs Nagelsmanns bei dieser WM war geradezu tragikomisch. Deniz Undav, der mit seinen Toren den Einzug in die K.o.-Runde erst möglich gemacht hatte, ließ Nagelsmann vor und während der WM links liegen — und brachte ihn erst gegen Paraguay von Beginn an. Die meisten Spieler erfuhren die Aufstellung für das Ecuador-Spiel erst bei der Abschlusspressekonferenz. Das ist das Gegenteil von Führung.

Umgekehrt wurde die WM zum großen Familienausflug, Frauen und Eltern waren mit im Tross, es gab Eifersüchteleien, etwa, wer im Mannschaftsflugzeug mitfliegen darf und wer Linie fliegen muss, die weniger privilegierten waren sauer, wie Ex-Nationalspieler Matthäus enthüllte. Und auch hier wieder typisch: Die Medien haben das wochenlang verschwiegen. Erinnert Sie das an etwas?

Wortbruch als System

Die Liste lässt sich lange weiterführen, und ich begrenze mich auf das Wichtigste. Monatelang wog Nagelsmann den Qualifikationskeeper Oliver Baumann im sicheren Glauben, er habe den Platz im Tor bei der WM sicher. Während Nagelsmann im Hintergrund schon monatelang mit Manuel Neuer an dessen Rückkehr feilte. Dass er ausgebootet wurde, erfuhr Baumann nicht etwa vom Bundestrainer persönlich – sondern aus dem Fernsehen.

Auch bei anderen Spielern wurde Nagelsmann wortbrüchig, das Nominierungs-Zickzack ist legendär. Und vor allem – es nimmt den Spielern ihre Grundsicherheit. Wie sollte etwa ein Baumann, degradiert auf übelste Art und Weise, im Trainingslager Zuversicht ausstrahlen? Die Symbolwirkung der Wortbrüche ist fatal. Auch das eine Parallele zur Politik – und den Wortbrüchen von Friedrich Merz, die ebenso fatale Auswirkungen haben.

Joshua Kimmich, Lenker und Denker im Bayern-Mittelfeld, funktionierte Nagelsmann zum Rechtsverteidiger um — und nominierte nicht mal ein Backup für diese Position. Als Kimmich dann doch ins Mittelfeld rückte, war es zu spät.

Das WM-Quartier in Winston-Salem wählte Nagelsmann nach rein logistischen Kriterien. Ergebnis laut „Bild“: Die Spieler fanden es „stinklangweilig.“ Den Kontrast hatten sie in der Vorbereitungswoche in Chicago erlebt — mitten in der Stadt, lebendig, die Spieler liebten es. Aber Nagelsmann wusste es natürlich besser.

Und das Elfmeterschießen? Kapitän Kimmich teilte die Schützen spontan an der Mittellinie ein. England hat 2024 vorgemacht, wie man das macht — mit Vorbereitung, Psychologie, Datenarbeit. Das Ergebnis: Nach jahrzehntelangem Desaster bei Elfmeterschießen gewann England seines. Bei den Deutschen war es umgekehrt – Elfmeterschießen waren früher eine sichere Bank. Doch diesmal verschossen gleich drei deutsche Schützen.

Nagelsmann und die deutschen Medien ziehen nun über den Schiedsrichter her, wegen eines nicht gegebenen Tores. Schuld sind immer die anderen. Das Urteil von Fifa-Schiri-Boss Collina über Nagelsmanns „Voll-Skandal“-Vorwurf setzt dem Ganzen die Krone auf: Die Trainer seien vorab über genau solche Schiedsrichter-Entscheidungen informiert worden. Es sollte „keine Überraschung sein.“ War es bei Nagelsmann offenbar trotzdem.

Und die Medien schweigen

Die Kirsche auf der Sahnetorte war gestern die Nachrichten im ZDF während der Halbzeitpause des Sechzehntelfinales Norwegen-Elfenbeinküste. Ganz Deutschland lacht über den Social-Media-Post von Bundeskanzler Friedrich Merz, in dem er die Verlierer regelrecht beglückwünschte. Nur die ZDF-Zuschauer erfuhren von dem riesigen Wirbel um den Post nichts – da wurde den Zuschauern einfach nur bierernst der Kanzler-Post vorgelesen und so getan, als sei er etwas Tolles.

Wer solche Nachrichten hat, braucht keine Tranquilizer mehr.

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