Niemals hätte ich gedacht, dass ich einmal für eine SPD-Veranstaltung werben würde.
Hofheim am Taunus ist eine Stadt mit etwa 40.000 Einwohnern im Main-Taunus-Kreis, gegen die ich nicht das Geringste einzuwenden habe, ausgenommen vielleicht ihre Nähe zu Schwalbach am Taunus – denn in Schwalbach, das nichts dafür kann, residiert die gewesene Bundesinnenministerin Nancy Faeser, die wir alle noch in bester Erinnerung haben. Wer erinnert sich nicht voller Freude an ihren eher unbeholfenen und letztlich gescheiterten Versuch, das Magazin „Compact“ mithilfe des Vereinsrechts zu verbieten? Wer denkt nicht voller Begeisterung zurück an ihren Auftritt auf der Zuschauertribüne während der Fußball-WM in Katar, geschmückt von einer Regenbogen-Armbinde mit der Aufschrift „One Love“, mit der sie das Land lächerlich machte, ohne es auch nur zu bemerken? Mancher entsinnt sich vielleicht ihres Umgangs mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, den sie aufgrund unbelegter und tatsächlich falscher Anschuldigungen des eher minderbegabten Komikers Jan Böhmermann seines Amtes enthob. Und dass sie in höchst lobenswerter Weise den Kampf gegen „Rechts“ auf ihr Banner schrieb, wobei jeder, der sich nicht wenigstens in der Nähe ihres linksradikalen Denkens bewegte, ungesäumt dem „Rechts“-Verdikt unterlag, wird niemals vergessen werden.
Auch ihre hessischen Wurzeln sind ihr nicht entfallen. Immerhin darf sie sich der beachtlichen Leistung rühmen, die SPD bei der hessischen Landtagswahl des Jahres 2023 als Spitzenkandidatin in ungeahnte Tiefen geführt zu haben: 15,1 Prozent der Stimmen konnte ihre Partei erringen, womit sie das ohnehin schon miserable Ergebnis der Wahl 2019 noch um 4,7 Prozentpunkte unterbot.
Inzwischen hat sie das Innenministerium längst verlassen, auch der hessischen SPD sitzt sie nicht mehr vor, doch noch immer ist sie in der heimischen Region politisch aktiv. Und damit das auch jeder merkt, hat sie für den 19. Juni zu einem ganz besonderen Ereignis eingeladen, für das sie auf ihrer Homepage, bei Facebook und an welchen weiteren Stellen auch immer wirbt. Auf ihrem ureigenen Internetauftritt sieht das dann so aus:

Bratwürste konnte man wohl kaum nehmen, die sind infolge ihres Impfeinsatzes während der sonderbaren PCR-Pandemie doch ein wenig diskreditiert. Und natürlich passen Döner auch besser zum bunt-migrantischen Zeitgeist.
Ich gebe zu: Faeser ist nicht die erste, die sich auf diese Weise der Lächerlichkeit preisgibt. Im Februar 2026 hat Phillip Amthor, das jugendlich-vergreiste Gesicht der CDU, mit der Parole „Döner und Politik“ zu „Onkel-Ali in Backnang“ eingeladen, und es mag sein, dass Faeser sich durch diese Aktion inspiriert fühlte. Jedenfalls soll ihre Aktion am 19. Juni auf dem Marktplatz in Hofheim stattfinden, und ich wünsche ihr viele Besucher, die es versuchen, ihr bei einem „Austausch auf Augenhöhe“ klarzumachen, was sie von ihr und ihrer Politik halten. Man hätte den Andrang vermutlich erhöhen können, indem man die Döner verschenkt hätte, denn wenn man schon die deutschen Steuergelder vor allem auf Drängen der SPD an jeden verschenkt, der sie im In- oder Ausland haben möchte, wäre es darauf auch nicht mehr angekommen – es sei denn, Faeser muss die Döner aus eigener Tasche bezahlen, das kann man ihr nicht zumuten. Allerdings sollte man dann auch nicht sagen: „Gemeinsam mit den Jusos Main-Taunus lädt Nancy Faeser junge Menschen herzlich zu „Döner & Politik“ ein“, denn im Rahmen einer Einladung darf man erwarten, keine 4 Euro bezahlen zu müssen.
Und worum soll es gehen? Um grundlegende Fragen. „Wie können sich junge Menschen politisch einbringen? Welche Themen beschäftigen euch aktuell? Und welche Erwartungen habt ihr an Politik?“ Ich mache mir ein wenig Sorgen, ob Faeser nicht mentale Schäden davontragen wird, denn falls sie erfahren sollte, welche Themen die Menschen wirklich beschäftigen und welche Erwartungen an die Politik sie haben, könnte sie schnell aus allen politischen Wolken fallen, und der Aufprall auf dem Boden der Realität ist schmerzhaft.
Der Vier-Euro-Realitätscheck
Aber sie stellt sich dieser Herausforderung. „Bei einem gemeinsamen Döner“, für den man vier Euro bezahlen soll, „bietet sich die Gelegenheit, in entspannter Atmosphäre über politische Themen, Herausforderungen im Alltag und Anliegen vor Ort zu sprechen.“ Mit wem? Falls sie nur mit den Jusos spricht, wird die Atmosphäre zweifellos entspannt bleiben, denn die leben im gleichen Wolkenkuckucksheim wie Faeser. Sollten sich aber üble Rechte einschleichen, also beispielsweise freiheitlich Denkende oder gar Konservative, dürfte es mit der Entspannung und der Augenhöhe schnell ein Ende haben. „Im Mittelpunkt stehen dabei der direkte Austausch, neue Perspektiven und die Fragen, die junge Menschen bewegen.“ Ja, die jungen Menschen hat sie eingeladen zu ihrem Vier-Euro-Döner; es wäre wohl besser gewesen, sie hätte sich an die Älteren gewandt. Denn bei der letzten Bundestagswahl erreichte die SPD in der Altersgruppe von 60 bis 69 Jahren noch 21 Prozent der Stimmen, während es in der Gruppe ab 70 sogar beachtliche 25 Prozent waren. In der Gruppe zwischen 18 und 34 Jahren dagegen brachte man es nur auf 12 Prozent, das kann der entspannten Atmosphäre etwas abträglich sein. Die Schwefelpartei hingegen, die AfD, kam in der Gruppe zwischen 18 und 24 Jahren auf 21 Prozent und unter den Wählern zwischen 25 und 34 Jahren auf 24 Prozent. Und das ist mehr als ein Jahr her, die seitherige Politik der schwarz-roten Katastrophenkoalition wird diesen Anteil kaum geschmälert, sondern vermutlich erhöht haben.
Guter Dinge in der Echokammer
Aber Faeser und ihre Jusos sind guter Dinge. „Nancy Faeser und die Jusos Main-Taunus freuen sich auf spannende Gespräche und zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer!“ Das wünsche ich ihnen auch. Viele, sehr viele junge Leute, denen man gerade die wirtschaftliche und kulturelle Zukunft raubt, deren Meinungsfreiheit nur noch gelten soll, wenn sie die richtige Meinung haben, die sich zum Beispiel im nahegelegenen Frankfurt deutlichen Sicherheitsproblemen ausgesetzt sehen und auf deren Kosten man mit überbordenden Schuldenbergen das Weltklima zu retten sucht – viele, sehr viele junge Leute sollten sich am 19. Juni um 18 Uhr zum Marktplatz in Hofheim aufmachen, um der gewesenen Ministerin und ihren juvenilen Mitstreitern klar und deutlich zu zeigen, wie sie das politische Personal und seine verheerende Politik einschätzen.
Auf Augenhöhe.
In entspannter Atmosphäre.
Aber deutlich.
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Der Autor:
Thomas Rießinger ist promovierter Mathematiker und ehemaliger Professor für Mathematik und Informatik. Er publiziert Fachbücher, philosophische Aufsätze und Beiträge zur Unterhaltungsmathematik. Sein Buch „Wahrheit oder Spiel“ finden Sie hier, „Umgang mit Formeln“ über diesen Link. Hier seine Homepage.
Bild: Symbolbild/KI/Grok
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