RKI räumt ein: Auslandsreisen sind doch kein Pandemietreiber Übertriebene Lockdown-Maßnahmen

Von Christian Euler

Fast gebetsmühlenartig raten Kanzlerin Merkel und ihr Gesundheitsminister Spahn seit Beginn der Coronakrise von „nicht notwendigen“ Reisen ab. Auch Kanzleramtschef Helge Braun stimmt gern ein: „Jetzt ist nicht die Zeit für Reisen“, lautet sein immer wieder bemühtes Credo. Unterdessen schmelzen die Chancen für einen Osterurlaub außerhalb der eigenen vier Wände wie Eis am Strand der so fern scheinenden Riviera.

Dabei könnte alles viel einfacher – und menschlicher – sein, wie das Epidemiologische Bulletin 8/2021 des Robert-Koch-Instituts vom 25. Februar zeigt. Ergebnis: Im vergangenen Sommer sollen Reisen in Urlaubsländer nämlich kein Pandemietreiber gewesen sein. „Die Sommerferienwelle wurde von der zweiten großen Infektionswelle in Deutschland in den Schatten gestellt. In dieser spielen reiseassoziierte Infektionen nur eine sehr untergeordnete Rolle, weil die autochthone Übertragung überwiegt.“ Zum besseren Verständnis: Mit autochthonen Übertragungen sind Übertragung zwischen zwei Menschen gemeint.

Im Bulletin heißt es zudem: „Obgleich es plausibel erscheint, dass Sekundärinfektionen ausgehend von reiseassoziierten Infektionen im Sommer 2020 das Entstehen der zweiten Welle beeinflusst haben, ist das Ausmaß aus den vorliegenden Daten nicht ablesbar.“ Eine weitere Erkenntnis des RKI, die nur darauf beruhen kann, dass die Mitarbeiter der Behörde wohl nur allzu selten reisen: Touristen hätten auf „Reisen in häufige Urlaubsländer“ nur wenig Kontakt zu Einheimischen, was zu einem geringen Ansteckungsrisiko führt. „Dazu beigetragen haben vermutlich auch die Übernachtungen in Hotels, die im vergangenen Sommer oftmals starken Hygieneregeln unterlagen.“ Mit anderen Worten: Die teils enormen Investitionen der Beherbergungsbetriebe zeigen Wirkung. Vom Lockdown blieb die Branche dennoch nicht verschont.

„Das Warten auf eine Öffnungsperspektive muss am 3. März endlich ein Ende haben!“

Mit Blick auf das Versagen der Regierung beim Impfen und Testen herrscht in der Hotellerie blanke Verzweiflung vor. „Die Politik muss mit uns darüber reden und uns etwas zutrauen. Wir werden alles dafür tun, dass die Infektionszahlen durch Urlaubsreisen nicht in die Höhe gehen“, beteuerte kürzlich FTI-Geschäftsführer Ralph Schiller.

Derweil fordern Otto Lindner, der Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland (IHA) und sein Verbandsgeschäftsführer Markus Luthe: „Das Warten auf eine Öffnungsperspektive muss am 3. März endlich ein Ende haben!“ Die Bund-Länder-Runde müsse einen nachvollziehbaren, belastbaren und überschaubaren Stufenplan vorlegen, der auch das Wiederhochfahren der Hotellerie nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschiebe.

Vor diesem Hintergrund wirkt es fast wie ein Schlag ins Gesicht, dass das RKI höchstselbst in seinem kürzlich veröffentlichten Papier „Strategie und Handreichung zur Entwicklung von Stufenkonzepten bis Frühjahr 2021“ Hotels als „Setting mit niedrigem Risiko“ fast ganz am Ende der Skala einordnet. Nur Parks und Spielplätze seien noch sicherer.

Warum also sollte es nach dieser (Un-)Logik des der Regierung unterstehenden RKI Erleichterungen geben? Die Tourismusbranche wird wohl weiter um ihre Existenz kämpfen müssen. Zumindest eine Planungsperspektive wäre ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Man darf gespannt sein, was die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten morgen verkünden. Die Hoffnung stirbt zuletzt, wenn sie nicht bereits dahingeschieden ist.

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Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Denis Moskvinov/Shutterstock
Text: ce

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