Studie: Politik-Journalisten auf Schmusekurs mit den Grünen Medienwissenschaftler bestätigen Präferenz für die Öko-Partei

Von Christian Euler

„Polit-Propaganda auf Kosten der Gebührenzahler: Das grüne Weltbild der ARD“, titelte Reitschuster.de Anfang Mai an dieser Stelle. Das Erste Deutsche Fernsehen macht keinen Hehl aus seiner Grünenliebe. „Bei der ARD hat die Grünenliebe System“, schrieb der Branchendienst „Meedia“ Anfang Mai, das „Groupie-Gebaren, wenn es um die Grünen geht, reicht bis ganz nach oben“.

Die Wissenschaft hat bisher indes nur wenige Erkenntnisse darüber geliefert, wie die Kommunikations- und Interaktionsmuster zwischen Vertretern der Politik und der Medien aussehen. Nun präsentiert die „Neue Zürcher Zeitung“ eine Studie, die die Partei-Präferenz deutscher Polit-Journalisten der öffentlich-rechtlichen und auch privaten Medien untersucht.

Die am 16. Juni im “International Journal of Press/Politics“ veröffentlichte Arbeit trägt den Titel „Towards New Standards? Interaction Patterns of German Political Journalists in the Twittersphere” und analysiert, wie in der Bundespressekonferenz registrierte Journalisten mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf Twitter interagieren und welche Art von Inhalten sie miteinander austauschen.

Journalisten äußern sich generell negativ – nur nicht über die Grünen

„Durch eine Kombination aus Inhalts- und Netzwerkanalyse werden neue Erkenntnisse über die Konversationsstruktur generiert“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie, „die Ergebnisse zeigen einen Trend in der Nutzung von Twitter unter den Akteuren als politisches Meinungsmedium.“

Während die Meinungsverbreitung unter Politikern stabil bleibe, nutzten Journalisten Twitter-Interaktionen im Zeitverlauf mehr zur Äußerung einer subjektiven und kritischen Sichtweise und weniger zur Nachrichtenberichterstattung. Die drei an der Universität Trier forschenden Medienwissenschaftler Nina Schumacher, Peter Maurer und Christian Nuernbergk kommen zum Ergebnis, dass sich Journalisten generell negativ über die Parteien äußern – nicht aber bei den Grünen.

Ein weiteres Fazit lautet, dass nur ein kleiner Teil der Tweets als Berichterstattung klassifiziert werden kann. „Journalisten nutzten den Dienst eher, um ihre subjektive, meist kritische Meinung zu äußern.“ Für seine Untersuchung wertete das Forscher-Trio Tweets im vergangenen Jahr und 2016 aus. Sämtliche Polit-Berichterstatter waren – ebenso wie der Gründer dieser Seite – Mitglieder der Bundespressekonferenz. Im ersten Zeitraum waren es 425 Journalisten, im zweiten 512.

Aufschlussreich, wenn auch wenig überraschend: Während Politiker vermehrt auf Kooperation setzen, suchen Journalisten eher die Konfrontation. Indes offenbaren sich deutliche Unterschiede in den Parteien. Während sich 66 Prozent der Abgeordneten der Linkspartei in ihrer Kommunikation mit den Pressevertretern am häufigsten kooperativ zeigten, waren AfD-Abgeordnete mit 25 Prozent wenig konziliant.

Hält man sich die größtenteils negative Berichterstattung über diese Partei vor Augen, verwundert dies wenig. Bei den Sozialdemokraten lag der Anteil der kooperativen Tweets bei 61 Prozent, die Union kam auf 59 Prozent. Große Unterschiede gab es auch, wenn die Interaktionen von den Medienvertretern ausgingen.

Schon 2016 war eine Präferenz für die Grünen feststellbar

Während im vergangenen Jahr 51 Prozent aller Tweets an Abgeordnete der Öko-Partei im Ton verbindlich waren, traf dies im Dialog mit Unions- und SPD-Abgeordneten nur auf 37 Prozent der Fälle zu.

Die Präferenz für die Grünen manifestiert sich auch darin, dass die Umweltpartei und ihre Protagonisten im zweiten Untersuchungszeitraum kein einziges Mal negativ beurteilt wurden. Auch 2016 wurden sie wohlwollender behandelt: 37,5 Prozent negative Tweets standen einer „überwältigenden Mehrheit“ an ungünstigen Kurznachrichten an die Adresse der übrigen Parteien gegenüber (genaue Angaben liefern die Autoren hier nicht).

Faktenchecker mögen die geringe Datenbasis bemängeln. Die „Neue Zürcher Zeitung“ zitiert eine Nachfrage eines Journalisten der Plattform Netzpolitik, auf die Co-Autor Maurer mitteilte, dass beispielsweise die 79 gezählten Beurteilungen des zehnwöchigen Untersuchungszeitraums im vergangenen Jahr von 28 Accounts stammten.

Selbst wenn die Datenbasis vor diesem Hintergrund ausbaufähig ist, bestätigt die Studie der Universität die zuletzt immer wieder beobachtbare Zuneigung vieler politischer Berichterstatter zu den Grünen. Zudem ist es bezeichnend, dass mit der NZZ eine der traditionsreichsten europäischen Zeitungen dieser Thematik viel Platz einräumt.

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Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Shutterstock/Dmitry Demidovich
Text: ce
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