Der Berliner Gelenkchirurg Masyar Rahmanzadeh hat angekündigt, die Hauptstadt zu verlassen – wegen des Wahlsiegs der „Linken“. Grünes OP-Hemd, 1,5 Millionen Klicks, Zitate über linke Politiker mit Schlumpffrisuren, Nasenringen und Wirtschaftsfeindlichkeit.
Das Video ging viral. Aber was der in Deutschland geborene Mann mit den iranischen Wurzeln tatsächlich sagt, geht viel tiefer als dieses Video. Der entscheidende Aspekt kommt da, wo überhaupt berichtet wird, meist nur als Beilage.
Rahmanzadeh stört am „Linken“-Wahlsieg nicht zuerst die Frisur der Sieger. Ihn stört die Koalition, die er kommen sieht: die verblendete Linke in enger Umarmung mit den Islamisten. „Völlig blind, völlig suizidal.“ Viele Muslime hätten die „Linke“ gewählt – und sobald die die Macht habe, landeten die bunten Fahnen im Müll. Als iranischstämmiger, säkularer Mensch sehe er darin eine besondere Gefahr für Deutschland, sagt Rahmanzadeh – und betont: Auch 1979 haben im Iran die Sozialisten mit den Islamisten koaliert. Der Rest ist Geschichte. Traurige Geschichte. Genau dieser Satz ging im Getöse um Frisuren und Nasenringe unter.
Das ist kein Stimmungsbild aus Schöneberg. Das ist eine familiäre Erinnerung und Prägung, die der Durchschnittsdeutsche nicht hat.
Fataler Irrtum
Sein Vater kam in den 1960er-Jahren. 1966 implantierte Rahim Rahmanzadeh mit einem Team in Mainz das erste totale künstliche Hüftgelenk in Deutschland. Der Sohn operiert seit drei Jahrzehnten Hüften und Knie, holt Patienten aus der ganzen Welt nach Berlin und nennt sich selbst bescheiden einen Handwerker. Er braucht keine Fachkonferenz über „toxische Allianzen“. Seine Familie hat das Bündnis schon einmal gesehen, ja erlebt. In Teheran. Wer danach übrig bleibt, steht nicht auf der Pride-Bühne.
Westdeutsche Eliten sind blind für den Widerspruch: hier Queer-Flagge, dort Islamverband. Rahmanzadeh sieht die Sollbruchstelle. Er hat die Impfung dafür durch seine enge Verbindung mit dem Iran. Und er sieht auch die Hintergründe für diese unheilige Allianz: Sie liegen im gemeinsamen Gegner. Die westliche, säkulare, anstrengende Ordnung soll zerstört werden. Darin ist man sich einig, dafür kämpft man gemeinsam. Den Rest, so die Hoffnung der naiven Glaubenskrieger im Westen, regelt man später. Zuerst kommt der Sturz der bestehenden Ordnung.
Genau das ist keine neue Pointe des Arztes. Es ist die Linie, die in diesem Land seit Jahren totgeschwiegen oder als rechte Phobie abgeheftet wird.
Unheilige Allianz
Alt-SED-Kader Gregor Gysi, heute hoch angesehen – was mehr über unsere politische und mediale Landschaft aussagt als meterlange Analysen – hat diese Linie öffentlich gemacht, ohne es zu merken – oder sehr wohl merkend. Als Alterspräsident im Bundestag erklärte er den Islam für „aufgeklärter als die evangelikale Rechte“ in den USA. Kein Versprecher. Gysi ist nicht der nette Querkopf aus der Talkshow. Er ist der geschmeidigste Architekt der SED-Nachfolge. Vielfalt, Antidiskriminierung, Religionsfreiheit – bei dieser Partei keine Güter, sondern Werkzeuge. Der Kampf gegen rechts ersetzte den Antifaschismus der DDR in der Funktion: moralische Lufthoheit, Diskurskontrolle, Ablenkungen von den eigenen – buchstäblichen – Leichen im Keller. Den Islam hat diese Linke nie geliebt. Sie hat ihn gebraucht. Als Hebel (siehe meinen Text „Warum Linke ein islamisches Deutschland bauen wollen“).
Wer das für Überinterpretation hält, schlage die Akten der DDR auf, nicht Twitter bzw. X. Ost-Berlin setzte nicht auf Israel. Es setzte auf arabische Diktaturen und die PLO. Kader wurden logistisch und militärisch gestützt, Abu Daud nach dem Münchner Olympia-Attentat in der DDR behandelt und protegiert, Funktionäre reisten mit DDR-Pässen, die Staatsmedien lieferten antiisraelische Propaganda, während die Bundesrepublik begann, die Verantwortung aus dem Holocaust ernst zu nehmen. Der Islam war kein kulturelles Interesse. Er war Bündnispartner gegen den Westen. Gysis Loblied ist Kontinuität, kein Damaskus.
Spalter an der Staatsspitze
Und der Bundespräsident? Frank-Walter Steinmeier, der Liebling der Redaktionen. Die Nähe zur Muslimbruderschaft, die Warnungen im Auswärtigen Amt, das Geld, das trotzdem floss, der Bericht darüber, den der Staat fünf Jahre unter Verschluss hielt – das ist kein Randgeschehen. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass er den Mullahs zum Revolutionsjubiläum gratulierte – das aber Trump bei seinem ersten Sieg verweigerte (siehe auch meinen Artikel „Steinmeiers Nähe zur Muslimbruderschaft: Was der Staat versteckte“).
Der entscheidende Strich dieses unheimlichen Bildes: Wenn im Iran gefoltert und erschossen wird, schauen dieselben Moralprediger weg, die sonst in jeder deutschen Talkshow die Moral-Übermenschen geben (siehe meinen Text „Iran foltert – und die rot-grünen Moralprediger schauen weg“).
Vor diesem Hintergrund ist Rahmanzadeh kein Internet-Phänomen. Er ist der Test, den die Erzählung nicht besteht.
Bloss nicht berichten!
Sie kennen die andere Variante. Prominente, die das Land verlassen wollen, falls die AfD regiert. Reiner Haseloff, früherer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, dachte laut über das Verlassen der Heimat nach. Ähnliche Ankündigungen für einen Sieg der „Linken“? Fehlanzeige. Bemerkenswert, denn die Partei ist nach eigener eidesstattlicher Versicherung rechtsidentisch mit der SED – jener Diktaturpartei, die Menschen an der Grenze erschießen ließ, wenn sie gehen wollten. Die Ex-SED hat die Meistbegünstigungsklausel in Politik und Medien. Wer vor rechts das Weite sucht, wird interviewt. Wer wegen links gehen will, ist ein Fall für Alternativmedien. Und höchstens noch die Springer-Presse. Für die angeblichen „Qualitätsmedien“ ist Rahmanzadeh kein Thema.
Was nicht verwundert. Denn seine Aussagen schmerzen unsere linken Kulturkrieger, die sonst über jeden Rülpser gegen rechts groß berichten. Rahmanzadeh ist kein Schauspieler, kein Landesvater. Ein Chirurg, der sich bescheiden Handwerker nennt, jemand, der hart arbeitet, und dessen Familie weiß, wohin das Zweckbündnis zwischen „Linken“ und Islamisten führt. Eine letzte Hoffnung habe er noch, sagt er – dass SPD und Grüne keine Koalition mit einer „antisemitisch orientierten Partei“ eingingen. Er glaubt selbst nicht recht daran.
Ob er wirklich packt, ist für die Stadt interessant. Für das Land ist etwas anderes interessant: dass ein Mann mit dieser Biografie Berlin nach einem Linken-Sieg für erledigt hält – und die Öffentlichkeit weiter über Frisuren spricht.
Die Strategie hat 1979 funktioniert. Sie braucht hier keine Mullahs an der Spitze. Sie braucht nützliche Idioten und eine Gesellschaft, die den Widerspruch für Vielfalt hält. Rahmanzadeh hält das für eine Wiederholung. Unsere Wohlstandsmenschen halten es für eine Verschwörungstheorie. Ihre Kinder und Enkel werden das büßen müssen.
Die großen Redaktionen haben für Rahmanzadeh keinen Platz. Für Haseloffs angebliche Fluchtpläne wegen rechts umso mehr. Genau deshalb gibt es diese Seite. Hier prüft niemand, ob die Geschichte ins Raster passt. Keine Staatsgelder, keine Förderprogramme, kein Wohlwollen von oben. Nur Sie. Wenn Sie wollen, dass solche Hintergründe weiter ausgegraben werden – 1979, die Akten, die Gratulationen nach Teheran –, geht das nur mit Ihrer Hilfe. Hier steht, wie es geht. Vielen Dank!
Bild: Symbolbild/KI/Grok
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