Vergewaltigungen springen auf Rekordhoch – wo sind die Empörten? Die „Antwort" des Pannen-Hoteldirektors auf LinkedIn – eine Selbstdemontage in Echtzeit

Die Nachricht klingt maximal nüchtern. „Die Polizei hat 2025 so viele Vergewaltigungen erfasst wie seit Jahren nicht. Das zeigt eine Abfrage dieser Zeitung unter allen Bundesländern“, schreibt die „Welt“. Und weiter: „Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr 13.920 Fälle nach Paragraf 177, Absatz 6, 7 und 8 des Strafgesetzbuches registriert, der die Vergewaltigungsdelikte umfasst. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. Seit Jahren steigt die Zahl deutlich: 2018 waren es 8106 Fälle, 2024 bereits 12.771.“

Und jetzt meine große Frage dazu: Wo ist die Aufregung darüber bei all denen, die sich vor Wochen so massiv über die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Mann Christian Ulmen empörten? Die dagegen auf die Straße gingen?

Damit wir uns richtig verstehen: Wenn die Vorwürfe zutreffen und Ulmen seine Ehefrau tatsächlich mit Fake-Profilen und Intimitäten gedemütigt hat, ist das mit aller Schärfe zu verurteilen und durch nichts zu relativieren. Ein anderer Punkt ist, dass hier aber die Unschuldsvermutung – Grundlage jeden Rechtsstaats – nicht nur vergessen wurde. Schlimmer noch – wer auf sie hinwies, musste mit übelsten Beschimpfungen rechnen. Bis hin zu Entgleisungen wie der der Unfluencerin Leonie Löwenherz, die öffentlich forderte, Männern, die es wagen, auf rechtsstaatliche Grundsätze zu verweisen, das Brandmal „Täterschützer“ auf die Stirn zu tätowieren.

Julian Adrat hat auf X zu den neuen Schreckenszahlen in Sachen Vergewaltigungen folgende Fragen gepostet:

Warum schweigt Collien Fernandes?
Warum schweigt Kevin Kühnert?
Warum schweigt Palina Rojinski?
Warum schweigt Katja Krasavice?
Warum schweigt Anja Reschke?
Warum schweigt Jessy Wellmer?
Warum schweigt Ricarda Lang?
Warum schweigt Heidi Reichinnek?
Warum schweigt Stefanie Hubig?
Warum schweigt Katharina Dröge?
Warum schweigt Britta Hasselmann?
Warum schweigt Dunja Hayali?
Warum schweigt Caren Miosga?
Warum schweigt Maybrit Illner?
Warum schweigt Sandra Maischberger?
Warum schweigt Carolin Kebekus?
Warum schweigt Bettina Böttinger?
Warum schweigt Pinar Atalay?
Warum schweigt Marietta Slomka?

Man muss kein Zyniker sein, um die Antwort zu kennen. Die öffentliche Empörung über Ulmen war nie wirklich von Empörung über Erniedrigung und Demütigung von Frauen getrieben. Sie war Empörung über einen Mann, dem man sie medienwirksam verpassen konnte – mit Namen, Gesicht, Fallhöhe. Und der sich politisch-ideologisch perfekt eignete: ein weißer, heterosexueller Mann aus dem Establishment – das Feindbild, das die Gender-Agenda seit Jahren braucht, um sich zu bestätigen. 13.920 Vergewaltigungen passen da nicht ins Bild. Sie haben Täter, über deren Herkunft und Hintergrund das Narrativ ins Stocken gerät. Und genau deshalb schweigen auch die, die in den letzten Wochen noch die lautesten waren.

Es ist so offensichtlich. So dummdreist. So schäbig. Ideologie geht über Empathie, über echtes Mitgefühl, echtes Mit-Leiden.

Man kann sich nur noch Fremdschämen.

PS: Bemerkenswert auch, wie die „Welt am Sonntag“ mit ihrer eigenen Meldung umgeht. In der Printausgabe, die ich am Flughafen Berlin in der Hand hielt, lautete der Titel noch klar: „Länder registrieren Höchststand bei Vergewaltigungen.“ Ich ließ die Zeitung liegen, dachte – sehe ich mir später Im ePaper an. Doch da  fehlte der Artikel auf der Startseite gleich ganz. Und in der Online-Version war zumindest das Wort „Höchststand“ verschwunden. Wer die Zeitung nicht am Kiosk gekauft hatte, bekam eine entschärfte – oder gar keine – Version. Überschrift im Internet, kastriert: „Zahl der Vergewaltigungen steigt stark – ein Befund fällt dabei auf“. Das ist kein Tippfehler. Das ist Redaktionspolitik. Angst vor der eigenen Courage?

Unabhängiger Journalismus hat seinen Preis. Manchmal buchstäblich.

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Bild: Symbolbild/KI-generiert/Grok