Weimar verheimlicht Geimpfte in Kliniken OB Peter Kleine: Zahlen spielen „Corona-Leugnern und Impfgegnern in die Hände“

Von Alexander Wallasch

Da muss man nicht lange nach Begrifflichkeiten suchen, diesen Irrsinn rund um die Dokumentation von Corona-Erkrankungen zu beschreiben, den der Bürgermeister einer deutschen Stadt gerade als Ankündigung öffentlich gemacht hat:

Darüber hinaus wird die Zahl der Personen, die mit vollständigem Impfschutz in Kliniken behandelt werden, künftig nicht mehr angegeben. Oberbürgermeister Peter Kleine stellt dazu klar: „Wir wollen in unserer Zahlenmeldung so transparent wie irgendwie möglich sein. Die Angabe der Personen, die mit Impfung im Klinikum behandelt werden, verzerrt die Realität jedoch deutlich und spielt damit Corona-Leugnern und Impfgegnern in die Hände.“

Früher wäre so eine skandalöse Meldung wohl ein veritabler Rücktrittsgrund gewesen, heute bleibt einfach sitzen, wer sich so furchtbar nass gemacht hat und wartet, dass es trocknet.

Nochmal zum Mitschreiben: Unter „Die aktuellen Weimarer Zahlen“ informiert die Stadt Weimar ihre Bürger und Interessierte, dass möglicherweise zur Beurteilung der Corona-Lage wichtige Informationen zwar theoretisch weiter vorliegen würden bzw. erhoben werden könnten, aber ab heute nicht mehr veröffentlicht werden.

Weimar informiert seine Bürger darüber, dass man jetzt Corona-Warnstufe 2 (orange) ausgerufen hätte, „da der Anteil an COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen thüringenweit den dritten Tag in Folge über dem Wert von 6 % liegt“.

Das Ärzteblatt berichtet zusätzlich, dass die Sieben-Tage-Inzidenz mindestens drei Tage nacheinander über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche liegen muss, was dann für die jeweilige Region die Warnstufe 2 auslösen würde. 

Das wiederum führe dann zu strengeren Corona-Maßnahmen.

Intensivfälle unterproportional gegenüber Inzidenzen

Interessant ist hier, dass der Jenaer Infektiologe Mathias Pletz gegenüber dem Blatt sagt, die Belegungszahlen in den Krankenhäusern würden absehbar weiter ansteigen. Aber er schränkt gleich ein: Man habe schon bei der dritten Welle gesehen, dass die Hospitalisierungen und die Intensivfälle nicht so stark angestiegen sind wie die Inzidenzen, weil viele vulnerable Fälle geimpft waren.

Oberbürgermeister Kleine

Die Aussage des parteilosen Bürgermeisters – zugespitzt, die Wahrheit spiele „Corona-Leugnern und Impfgegnern in die Hände“ – hieße aber doch im Umkehrschluss, dass sich die Corona-Maßnahmen-Kritiker und Impfskeptiker (Das wäre eine korrekte Bezeichnung) im Besitz der Wahrheit befänden, die man nun wegschließen will, frei nach dem Pippi-Langstrumpf-Motto:

2 x 3 macht 4 …, ich mach‘ mir die Welt – Widdewidde wie sie mir gefällt …

Volkserziehung mit langen Zöpfen à la DDR mitten in Thüringen im Jahr 2021. Woran liegt’s? An der mangelnden Befähigung von Bürgermeistern generell? Wurde hier von einem speziellen Vertreter dieser Spezies nur ungeschickt rausposaunt, was andere pfiffiger gedeckelt hätten?

Das Weimarer Gesundheitsamt registrierte an einem Tag 43 neue Infektionen mit SARS-CoV-2 im Stadtgebiet. Dieses Aufkommen sorgt in Weimar dann schon dafür, dass die Stadt ihre Bewohner bittet, sollten sie Kontakt mit Infizierten gehabt haben, sich selbst und ohne Aufforderung in Quarantäne zu begeben: „Es kann aktuell mehr als 48 Stunden dauern, bis das Gesundheitsamt Sie zurückruft.“

Die Weimarer Zahlen Stand 22.10.2021, 00:00 Uhr lauten so:

Seit Beginn der Pandemie wurden 3.107 (Veränderung zum Vortag: +43) Personen positiv getestet. Aktuell sind 226 (+15) Personen infiziert. 105 Personen sind seit Beginn der Pandemie verstorben, 2.776 (+28) seien Genesene.

Wobei von Genesung ja teilweise nicht gesprochen werden kann, wenn auch die vollkommen symptomlos Infizierten später als Genesene gelten.

Stationär werden aktuell in Weimar 5 (-1) Personen behandelt. Wieviele davon auf den Intensivstationen liegen, wird ebenso wenig angegeben, wie die Zahl derer, die von ihnen geimpft sind. Weimar befindet sich in Frühwarnstufe 2 (orange).

Das Internet vergisst nichts

Und dann blättert reitschuster.de eben in webarchive.org, beispielsweise zum 15. Oktober, und findet dort noch die Angaben der Geimpften und Ungeimpften in den Krankenhäusern („Zahl der stationär in Kliniken Behandelten: 4 (0) (2x ungeimpft, 2x vollständig geimpft)“).

Stand 15. Oktober waren also fünfzig Prozent der stationär aufgenommenen Patienten vollständig Geimpfte. Auch das Argument einer fehlenden Auffrischimpfung darf nicht gelten, da vom Beginn der Impfung an gerechnet der vorgegebene Auffrischzeitraum noch nicht erreicht wäre.

Am 21. Oktober, also einen Tag vor der Ankündigung der Streichung der Veröffentlichungen, sind es ebenfalls fünfzig Prozent: „Zahl der stationär in Kliniken Behandelten: 6 (+1) (davon mit vollständigem Impfschutz: 3)“.

Jetzt sind vier bzw. sechs Patienten statistisch nicht hinreichend, eine Prognose abzugeben, aber wohl ausreichend genug für den Weimarer Bürgermeister, in DDR-Verhältnisse und den Modus einer umfassenden Volkserziehung zurückzuwechseln.

Noch am 16. Februar 2021 trat Oberbürgermeister Peter Kleine vor seine Weimarer Bürger und warb in einer Videobotschaft für eine Impfung gegen SARS-CoV-2. Die Impfung wäre ein Ende der Verbreitung der Krankheit „in unseren Breitengraden“.

Mitte März 2021 verkündet die Thüringer Allgemeine stolz einen Sonderweg Weimars: „Weimar geht eigenen Weg aus dem Lockdown“.

Heute geht der Bürgermeister einen ganz anderen, „eigenen Weg“, indem er seinen Bürgern die weitere Entwicklung der in Weimar festgestellten Tendenz vorenthalten will, welche besagt, dass aktuell fünfzig Prozent der wegen einer Corona-Erkrankung stationär aufgenommenen Patienten doppelt geimpfte sind.

Was wird in Weimar damit gewonnen, wenn Impfdurchbrüche ab Freitag dieser Woche einfach verheimlicht werden?

Bürger sind keine kleinen Kinder

Wer als Bürgermeister einer Stadt wie Weimar mit über 65.000 Einwohnern jenen Teil der Bürger, die den Corona-Maßnahmen und dem Impfen kritisch gegenüberstehen, weiter als „Corona-Leugner“ verunglimpft, der spielt mit dem Vertrauen jener, in dessen Auftrag er unterwegs ist.

Oberbürgermeister Peter Kleine will in seiner Zahlenmeldung „so transparent wie irgendwie möglich sein“ und teilt gleichzeitig mit, dass er bestimmte Zahlen nicht mehr veröffentlicht. Diese Entscheidung war grundfalsch, nein, so spricht man nicht einmal mit Kindern. Oder erst recht nicht.

Kleine betont zudem, dass die Patientinnen und Patienten mit vollständigem Impfstatus „i.d.R. nicht WEGEN, sondern MIT Corona im Klinikum behandelt“ werden. Mal unabhängig davon, wie lange das in der Regel (i.d.R.) so bleibt, wenn es denn so ist (jetzt lässt es sich aber ohnehin nicht mehr nachprüfen) – maximal diese Einschätzung hätte Kleine seinen Weimarern mitteilen müssen, neben allen für eine Gesamtbeurteilung so wichtigen Zahlen.

Die Entscheidung der Aufhebung eines Teils der Transparenz im Umgang mit Zahlen zur Corona-Pandemie durch den Weimarer Oberbürgermeister ist eine Zäsur. Mindestens die Rückkehr zum vorherigen Maß an Transparenz ist überfällig. Möglicherweise aber auch der Rücktritt von Kleine, aber das sollen in den nächsten Tagen die Weimarer unter sich ausmachen.

Enden wir hier mit einem hinlänglich bekannten Zitat des berühmtesten Sohnes der Stadt Weimar:

Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

 

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

 
Bild: Shutterstock / Matthias Eckert/Wikicommons/CC BY-SA 3.0
Text: wal

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