Verräterischer Nebensatz: Falsche Zahlen zur Impf-Effektivität hatten Methode "Rein statistischer Effekt"

Sehen Sie hier mein Video zu diesem Bericht (das leider wegen der Youtube-Zensur nicht auf meinem Kanal erscheinen kann), oder hier die gesamte Bundespressekonferenz.

„Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“ – so lautet ein alter Sponti-Spruch.

Heute kann man ihn umwandeln: „Stell Dir vor, eine Regierung wird bei massiven Fehlern im Umgang mit Zahlen ertappt, vertuscht das – und keiner fragt nach, kein großes Medium berichtet darüber“.

Was der Sprecher des Gesundheitsministeriums Andreas Deffner heute auf der Bundespressekonferenz (wohl eher unabsichtlich) eingestand, hätte in funktionierenden Medien-Landschaften den Effekt einer politischen Atombombe. Monatelang baute die Bundesregierung ihre Impfkampagne auf eine in ihren Augen überwältigende Impf-Effektivität. Ständig beteuerte sie diese und warb mit ihr. Deffner musste heute auf meine Frage hin zugeben, dass diese falsch berechnet wurde. Doch keine Spur davon, dass die Regierung kleinlaut wäre deswegen. Im Gegenteil: Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ attackierten Deffner und indirekt auch sein Chef Steffen Seibert mich. Deffner verplapperte sich dabei in meinen Augen auf eine verräterische Art und Weise – und versuchte zudem, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen. So zumindest mein subjektiver Eindruck. Sehen Sie sich den Wortwechsel in Kürze kommentiert in meinem Bundespressekonferenz-Video an – oder lesen Sie hier das Wortprotokoll und meine Anmerkungen:

FRAGE REITSCHUSTER: „Das RKI hat falsche Zahlen zur Berechnung der Impfeffektivität verwendet und musste diese jetzt korrigieren. Herr Seibert, muss das nicht Anlass für eine Entschuldigung sein und dafür, in Zukunft kleinlauter mit Erfolgsmeldungen umzugehen?“

SEIBERT: „Wir beteuern hier nichts, sondern wir geben die Fakten wieder, so wie sie das RKI veröffentlicht hat. Wenn sich Zahlen ändern, ich bin darüber jetzt nicht im Klaren, dann gibt es neue Erkenntnisse. Dann wird man auf Ihre Fragen hin genau diese Zahlen transparent veröffentlichen und nicht irgendetwas beteuern.“

Anmerkung: In meinen Augen hatte der gebetsmühlenhafte, wochenlange Verweis auf die Impfeffektivität sehr wohl den Charakter des „beteuern“. Zum anderen änderten sich die Zahlen nicht, sondern sie wurden unter fehlerhaften Vorzeichen herangezogen.  

DEFFNER: „Ich kann das gern ergänzen. Herr Reitschuster bezieht sich offensichtlich auf den neuesten Wochenbericht des RKI, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Richtig ist: Das RKI hat eine methodische Umstellung vorgenommen. Bis zum 22. September wurden Patienten mit einer Coronainfektion, die ins Krankenhaus aufgenommen wurden, von denen man den Impfstatus nicht sicher kannte, als ungeimpft registriert.“
 
Anmerkung: Ich halte das für dreist – die Korrektur einer fehlerhaften Verwendung von Zahlen als „methodische Umstellung“ zu verschleiern. Das ist so, wie wenn jemand, der bisher bei der Steuererklärung schummelte und das dann nicht mehr tut, dem Finanzamt erklärt, das sei eine „methodische Umstellung“. Wobei die Wortwahl ja streng genommen sogar zutrifft – und damit aber selbstentlarvend ist. Denn Deffner gibt damit zu: Hinter den falschen Zahlen stand nicht ein Fehler – sondern sie hatten Methode!  

„Wir haben seit dem Sommer die Meldepflicht der Krankenhäuser, dass sie angeben müssen, ob jemand geimpft oder ungeimpft ist. Das RKI hat bis zum 22. September diese Personen, von denen man es nicht hundertprozentig sagen konnte, als Ungeimpfte in die Registrierung genommen.“

Anmerkung
: Als ich mit Ärzten darüber sprach, wie es zu den falschen Zahlen kommen konnte, äußerten sie genau diesen Verdacht. Sie sagten, das wäre ungeheuerlich – sei aber nicht nachweisbar. Nun hat die Regierung selbst bestätigt, dass sie Erkrankte mit ungeklärtem Impfstatus einfach als umgeimpft gewertet hat. Das führt zwangsläufig zu einer Erhöhung der errechneten, vermeintlichen Impfeffektivität. 

„Jetzt werden nur noch die Fälle ausgewiesen, von denen man den Impfstatus tatsächlich einwandfrei kennt.“

Anmerkung: Genau das hätte für eine ehrliche Erhebung von Anfang an eine Selbstverständlichkeit sein müssen.

„Dadurch steigt natürlich der relative Anteil der hospitalisierten Fälle, die trotz Impfung ins Krankenhaus mussten.“

Anmerkung: Eben! Und dadurch sind die Zahlen falsch!

„Das ist aber letztlich ein rein statistischer Effekt.“

Anmerkung: Dreist! In etwa so, wie wenn man in der Steuererklärung falsche Zahlen angibt und dann zur Rechtfertigung sagt: „Das ist letztlich ein rein statistischer Effekt.“ Genau um die Statistik geht es doch! 

„Das ändert nichts an der grundsätzlichen Aussage, dass Impfen wirkt und schwere Coronaerkrankungen verhindert.“

Anmerkung: Um im Bild mit der Steuererklärung zu bleiben, ist das in etwa so, wie wenn der Schummler sagt: „Das ändert nichts an der grundsätzlichen Aussage, dass ich Steuern zahlen muss.“

„Vielleicht an der Stelle: Wenn Herr Reitschuster aus dem Wochenbericht zitiert, dann möchte ich es auch tun. Das RKI schreibt dort unter anderem:

‚Der bei weitem größte Teil der seit der 5. Kalenderwoche übermittelten COVID-19-Fälle war nicht geimpft. Durch einen Vergleich des Anteils vollständig Geimpfter unter COVID-19-Fällen mit dem Anteil vollständig Geimpfter in der Bevölkerung ist es möglich, die Wirksamkeit der Impfung grob abzuschätzen (sog. Screening-Methode nach Farrington …). Die nach dieser Methode geschätzte Impfeffektivität liegt für den Gesamtbeobachtungszeitraum … für die Altersgruppe'“

Anmerkung: Wir haben es also mit einer groben Schätzung zu tun, wo bisher der Eindruck vermittelt wurde, es ginge um Gewissheiten?

„‚der 18- bis 59-Jährigen

bei ca. 84 % und für die Altersgruppe

der über 60-Jährigen

bei ca. 82 %.’“

Anmerkung: Moment, Moment, das wirkt wie ein Versuch, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen! Deffner nennt die „COVID-19-Fälle“ – und darin sind offenbar auch die positiv Getesteten ohne Symptome eingeschlossen. Geimpfte werden aber kaum getestet – und wer allein positiv getestet ist, muss keine Krankheitsanzeichen haben. Entscheidend ist deswegen die Zahl derjenigen, die Krankheitssymptome haben. Und bei denen ist bei der entscheidenden Gruppe, den ab 60-Jährigen, fast jeder zweite mit Symptomen Erkrankte geimpft, wie aus dem Wochenbericht des RKI hervorgeht:

„Wahrscheinliche Impfdurchbrüche“ mit den Altergruppen 12-17, 18-59 und ≥60 im Wochenbericht des RKI vom 30. September 2021 (Quelle: Screenshot Wochenbericht RKI)

JUNG: „Das heißt also, Berichte von den Kollegen, dass es falsche Zahlen zur Impfeffektivität gibt, sind dann falsch? Da habe ich Sie richtig verstanden?“

Anmerkung: Tilo Jung, der mich regelmäßig verleumdet, will mir auch hier wieder „Fake-News“ unterstellen. 

DEFFNER: „Zumindest hat er dann unvollständig im Wochenbericht recherchiert.“

Anmerkung: In meinen Augen der Gipfel der Dreistigkeit. Die Regierung wird auf frischer Tat mit falschen Zahlen ertappt – und wirft dann dem, der sie ertappt hat, vor, er habe „unvollständig recherchiert“. Und unterschwellig suggeriert sie auch noch Lüge (Statt klar zu sagen, dass es eben falsche Zahlen gab, kommt ein „zumindest unvollständig recherchiert“. Infam und höchst manipulativ). 

VORS. BUSCHOW: „Damit, denke ich, ist auch die Nachfrage von Herrn Reitschuster, in der es um die Transparenz der Zahlen und um die Schätzungen geht, beantwortet. Sonst würde ich ihn bitten, das bilateral zu klären.“

Anmerkung: Das war sie in meinen Augen nicht, aber sei es drum – das ist subjektiv.

Besonders bemerkenswert: Kein einziger Kollege fand die Sache einer weiteren Nachfrage wert. Dafür ging es wieder um Masken für Kinder etc. – siehe Wortprotokoll unten.

Man kann die Fehler in den Zahlen sicher sehr unterschiedlich werten. Man kann, wie Deffner das tut, sagen, sie änderten nichts an den Grundaussagen. Aber so mit den Fehlern umzugehen, wie es die Regierung tut und wie es heute auf der Bundespressekonferenz sehr offensichtlich wurde, ist eine Verhöhnung der Öffentlichkeit.

Sehen Sie hier mein Video zu diesem Bericht (das leider wegen der Youtube-Zensur nicht auf meinem Kanal erscheinen kann), oder hier die gesamte Bundespressekonferenz.

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Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

GAVRILIS: „Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass mehrere Bundesländer die Maskenpflicht an Schulen wieder zurücknehmen?“

DEFFNER: „Das Thema haben wir schon seit einiger Zeit. Klar ist, das ist letztlich Ländersache. Die Länder müssen vor Ort eine Abwägung treffen und eine Risikoeinschätzung vornehmen. Klar ist auf der anderen Seite auch, dass wir immer gesagt haben: Masken schützen, damit wir gut und sicher durch Herbst und Winter kommen. Alles Weitere liegt in der Hand der Länder.“

HOENIG: „Herr Deffner, kann man das so verstehen, dass Sie dafür plädieren würden, die Maskenpflicht an Schulen beizubehalten? So würde ich das jetzt verstehen. Ist das richtig?“

DEFFNER: „Wir haben ja in der Pandemiebekämpfung immer gesagt: Wir müssen eine Risikoabwägung machen, die letztlich auch die Besonderheiten vor Ort berücksichtigt. Da gibt es natürlich Unterschiede in den Ländern. Das können die Länder natürlich sehr viel besser einschätzen, als dies der Bund sozusagen mit der großen Schere obendrüber für alle könnte.“

HOENIG: „Herr Seibert, wie sieht die Kanzlerin das?“

SEIBERT: „Wir haben dasselbe Thema in der vergangenen Woche hier diskutiert. Ich kann es nur wiederholen.

Genau wie der Kollege aus dem Gesundheitsministerium sagt: Es ist eine Abwägung. Natürlich brauchen wir weiterhin, gerade wenn wir jetzt in den Herbst und Winter gehen, Hygiene- und Schutzkonzepte an den Schulen. Masken können tatsächlich ein Teil eines solchen Schutzkonzeptes sein. Das ist eine Abwägung. Es gibt noch keinen Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren.

Gleichzeitig, das ist klar, kann es für jüngere Kinder im Schulunterricht eine Erleichterung sein, wenn auf das Tragen von Masken verzichtet werden muss. Aber es kann sicherlich noch nicht auf Schutz- und Hygienekonzepte verzichtet werden.

Wie gesagt: Es ist dann die Entscheidung einer Landesregierung, wie sie das aufgrund der regionalen Lage und von Analysen, die sie entsprechend vornimmt, umsetzt.“

DR. RINKE: „Herr Deffner, eine kurze Nachfrage dazu: Masken sind ein Schutzmittel, Tests ein anderes. Die Bildungsministerin hat sich ja dafür ausgesprochen, wenn man die Maskenpflicht fallen lässt, dann die Anzahl der Testungen zu erhöhen. Ist das eine Position, die auch Ihr Gesundheitsminister teilt?“

DEFFNER: „Das ist, wie gesagt, letztlich auch Bestandteil der Schutz- und Hygienemaßnahmen, die die Länder vor Ort zu entscheiden haben. Richtig ist natürlich, dass häufiges Testen auch zu einer größeren Sicherheit führt.“

DR. RINKE: „Es ging ja um die Meinung. Ihnen ist das also als Gesundheitsministerium egal? Oder würden Sie sagen, die Länder wären gut beraten, wenn sie das machen würden?“

DEFFNER: „Die Länder sind grundsätzlich gut beraten, gute Hygienekonzepte in ihren Schulen zu haben. Wie diese im Einzelnen auszusehen haben, ist letztlich Sache der Länder.“

JUNG: „Ich weiß jetzt nicht, wer den Ethikrat beauftragt. Aber die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat heute gefordert, dass die Bundesregierung den Ethikrat beauftragt, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen zu bewerten. Wie steht die Bundesregierung dazu?“

SEIBERT: „Im Zusammenhang mit dem Ethikrat? Ich weiß nicht, ob Sie etwas dazu sagen können.“

DEFFNER: „Ich denke, diese Forderung kam wohl zeitgleich während der Pressekonferenz. Deshalb kann ich das jetzt noch nicht ganz genau einschätzen.

Grundsätzlich gilt wir haben das auch mehrfach gesagt, dass es eine Impfpflicht nicht geben wird, aber für bestimmte Berufsgruppen eine Impfung natürlich sehr wohl sehr sinnvoll wäre.“

JUNG: „Wer beauftragt den Ethikrat rein förmlich, Herr Seibert?“

SEIBERT: „Ehrlich gesagt, kann ich Ihnen jetzt nicht sagen, wie das Verfahren ist. Das werden wir nachreichen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass der Ethikrat auch von sich aus Stellungnahmen abgibt, ohne dazu konkret beauftragt zu sein. Aber das weiß ich jetzt wirklich nicht und werde es nachreichen.“

HOENIG: „Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat der Bundesregierung auch den Vorwurf gemacht, Arbeitgeber und Beschäftigte in der Frage, was Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen und eine mögliche Ausweitung betrifft, alleinzulassen. Was entgegnen Sie auf diesen Vorwurf eines sehr wichtigen Players in der Coronakrise?“

DEFFNER: „Ich denke mitnichten, dass man Arbeitgeber in der Pandemie alleingelassen hätte. Es gab all die Monate wirklich gute und konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten. Von daher kann ich diese Kritik in der Form nicht nachvollziehen. Wenn es Gesprächsbedarf geben sollte, auch seitens der DKG, dann kann man das natürlich gern entgegennehmen.“

VORSITZENDE BUSCHOW: „Solange wir umsetzen, können wir noch die Antwort zum Ethikrat nachreichen.“

SEIBERT: „Das geht doch schnell. Man schaut einfach einmal auf der Seite des Deutschen Ethikrates nach. Dort heißt es:

‚Der Deutsche Ethikrat legt die Themen für seine inhaltliche Arbeit selbst fest, er kann aber auch von der Bundesregierung oder dem Deutschen Bundestag beauftragt werden, ein bestimmtes Thema zu bearbeiten. Bislang hat der Deutsche Ethikrat … dreimal von der Bundesregierung einen Auftrag erhalten, eine Stellungnahme zu erarbeiten.‘

Es gibt also verschiedene Wege.“

 
Bild: Boris Reitschuster/RTL/Ekaterina Quehl
Text: br

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