Eigentlich muss ich mich bei meinen russischen Freunden und Bekannten entschuldigen. Oder zumindest etwas klarstellen. Jahrelang beteuerte ich denen, bei uns in Deutschland sei es unvorstellbar, dass Kritiker der Regierung als Menschen herabgesetzt und diffamiert werden. Weil, so sagte ich damals, zu echter Demokratie gehört, dass man die Regierung kritisieren kann, auch scharf, ohne Folgen.
Das habe ich so erlebt, unter Helmut Kohl und Gerhard Schröder. Dass Angela Merkel das änderte in Deutschland, habe ich im fernen Moskau nicht richtig mitbekommen – und erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland ab 2012 am eigenen Leib gespürt. Merkel, die Frau aus der DDR-Nomenklatura, hat Schritt für Schritt, und deshalb von vielen unbemerkt, die Machttechniken der DDR in die Bundesrepublik eingeführt. Geschickt, verkleidet, modernisiert. Man braucht keine Stasi, wenn man die neuen moralischen Haltungswächter und die heutigen Medien hat.
Naive Gutgläubigkeit
Das Tragische: Während viele frühere DDR-Bürger dank „politischer Impfung“ eine Immunität gegen diese Methoden haben, verfallen ihr viele „Wessis“ ahnungslos. Besonders tragisch: Der Bundeskanzler verfällt ihr besonders stark. Er tut das offenbar nicht aus bewußter Absicht heraus, sondern weil er sich an das Klima der Alternativlosigkeit gewöhnt hat – schleichend, ohne es selbst zu merken. So wird der einstige Widerpart Merkels zum unwillentlichen Testamentsvollstrecker ihres Systems – das zu bekämpfen er angetreten ist.
Nach den peinlichen Reförmchen-Versuchen, bei denen Merz den Menschen mit Hilfe willfähriger Journalisten ein Mäuschen für einen Elefanten vormachen will, sagte der Kanzler: „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker: Wegtreten!“.
Werter Herr Merz: Was Sie da mit einer solchen Selbstherrlichkeit diffamieren, ist das Fundament jeder Demokratie: Menschen, die die Regierung kritisieren.
Schämen Sie sich!
Sie sollten sich schämen, dass Sie das Denken von Merkel und der DDR-Nomenklatura übernommen haben! Unterhalten Sie sich mal mit einem gelernten Ostdeutschen, der kann Ihnen erklären, was Sie in Ihrer klimatisierten Machtblase offenbar nicht verstehen: Ein Kanzler, der Widerspruch und Kritik im Kasernenhof-Ton untersagen will, beweist, dass er den Geist der Freiheit längst vergessen hat. Ja, ausgetauscht gegen autokratisches Imponiergehabe und Inszenierung. Und damit Totengräber der Freiheit ist. Herr Kanzler, Sie suchen keine kritischen Bürger – Sie suchen Untertanen, die beim Abgang der Demokratie strammstehen. Sie sind Angestellter des Volkes — und kein Angestellter, der bei Verstand ist, brüllt seinem Arbeitgeber „Wegtreten!‘ entgegen.
Und auch all die Journalisten sollten sich schämen, die diese Aussage von Merz einfach durchwinken. Wer den Kasernenhof-Jargon der Macht deckt, ist kein Berichterstatter, sondern Propagandist.
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Mehr über den schlechtesten Kanzler aller Zeiten auf meiner Seite:
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- Merz und die Mathematik: Wenn der Kanzler nicht zählen kann
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- Merz‘ Rentenreform: 30 Milliarden aus dem Nichts
Beitragsbild: Symbolbild/KI/Grok
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