„Zeit“ fordert „Rettung der Wahrheit“ vor Meinungsfreiheit Andere Sichtweisen als "Unsinn"

Wenn Sie bisher geglaubt haben, dass die schlimmsten Auswüchse totalitären Denkens in Deutschland überwunden sind, dann lesen Sie diesen aktuellen Kommentar in der „Zeit“, dem Zentralorgan des linksgrünen Zeitgeists der Bundesrepublik: Unter dem Stichwort „Meinungsfreiheit“ und der Überschrift „Rettet die Wahrheit!“ fordert da Mark Schieritz, ausgerechnet wirtschaftspolitischer (!) Korrespondent des Blattes, Einschränkungen der Meinungsfreiheit: „Die Demokratie ist darauf angewiesen, dass nicht jeder Unsinn die Debatte bestimmt.“

Das kann man sich nicht ausdenken. Und das würde eher in ein System wie Russland oder China zu Hochzeiten des Sozialismus passen als in eine demokratische, freiheitliche Gesellschaft. Deren Grundessenz ist es, dass niemand (fremd-)bestimmt, was wie diskutiert wird. Schon gar nicht Journalisten, die eine freie Debatte, Hinterfragen, Zweifeln und Kritik fördern müssen, statt zu fordern, sie einzuschränken. Wer als Journalist glaubt, im Besitz einer wie auch immer gearteten Wahrheit zu sein, sollte nicht in eine Redaktion gehen, sondern schleunigst den Beruf wechseln und etwa Prediger werden.

Was Schieritz schreibt, ist so ungeheuerlich, dass es einem schier die Sprache verschlägt. Besonders schlimm daran: Sehr, sehr viele Journalisten denken heute so. Der Zeit-Mitarbeiter beklagt sich darüber, dass Leser ihm schrieben, Trump habe nicht nur negative Seiten. Er sei belehrt worden, so Schieritz bitter, „es gebe immer ‘zwei Seiten‘, und in der öffentlichen Debatte habe gefälligst die gesamte Bandbreite möglicher Meinungen aufzutauchen. Das sei Pluralismus.“ Dazu sein Kommentar: „Ich möchte dieser Sichtweise an dieser Stelle mit großem Nachdruck widersprechen.“ Und weiter: „Der Satz, dass es immer zwei Seiten gibt, stimmt vielleicht in der Paartherapie. Im politischen Diskurs kommt er einem Rückfall in die Vormoderne gleich und gefährdet die Grundlagen der Demokratie.

Die Pervertierung von Logik und Begriffen durch den Autor erreicht dann einen traurigen Höhepunkt, der einen den Kopf schütteln lässt wie einen Ventilator: „Wenn jeder unter Rückgriff auf die Meinungsfreiheit einfach behauptet, was er will, ist am Ende eine Unterscheidung zwischen guten und schlechten Argumenten nicht mehr möglich. Das wäre dann das Ende des historischen Projekts der Aufklärung.“

Das ist schon eine Verdrehung von Sprache und Logik, die sich nur noch von der DDR toppen lässt – bei der die menschenverachtende Mauer zum „antifaschistischen Schutzwall“ gedreht wurde: Im Namen der Aufklärung, die für das Hinterfragen und Zweifeln an allem steht, zu fordern, dass nicht mehr jeder sagen darf, was er denkt.

Wie groß muss die Verzweiflung sein bei linksgrünen Ideologen wie Schieritz, dass die Realität sich ihren Dogmen nicht unterordnet, sondern sie beinahe täglich widerlegt, dass sie zu solchen verzweifelten Pervertierungen von Begriffen greifen müssen, um Widerspruch mundtot zu machen und nicht mit der Realität konfrontiert zu werden?

Wie gefährlich ein Denken wie das von Schieritz ist, hat die Geschichte schon oft gezeigt. Der Ex-Staatschef von Litauen, Vytautas Landsbergis, warnte offenbar nicht zu Unrecht davor, dass Deutschland zum dritten Mal in den Kommunismus abgleite (siehe mein Interview mit ihm hier als Text oder hier als Podcast zum Anhören). PS: Als ich las, dass Schieritz an der Harvard University und an der London School of Economics studierte und Bücher schreibt wie „Der Lohnklau: Warum wir nicht verdienen, was wir verdienen und wer daran schuld ist“. musste ich sofort an eine alte Geschichte aus Moskau denken. Da wurde zu Kommunismus-Zeiten ein Politiker eines nicht-kommunistischen afrikanischen Staates gefragt, warum er so viele Studenten nach Moskau schicke, obwohl er Antikommunist sei. Die Antwort: „Wenn ich sie auf die Unis in die USA, England oder Deutschland schicke, kommen sie als Kommunisten zurück. Alle, die ich in die Sowjetunion schicke, kehren als überzeugte Anti-Kommunisten heim“.Bei mir war der Effekt nach 16 Jahren Moskau übrigens der gleiche.


Bild: Screenshot Zeit.de/bearbeitet/Reitschuster
Text: red

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