Abrechnungsdaten enthüllen: Nur jeder zweite „Covid-Patient“ mit Hauptdiagnose COVID-19 Der nächste Sargnagel für das Narrativ von der Corona-Überlastung der Krankenhäuser

Von Mario Martin

Die Krankenhäuser stehen wieder einmal im Fokus der Berichterstattung. Es melden sich Mediziner und Politiker zu Wort und warnen vor einer möglichen Überlastung der Krankenhäuser. Wie schon so oft wird der Eindruck erweckt, die stark ansteigende Anzahl der COVID-19-Patienten sorge für die baldige Überlastung der Krankenhäuser.

Aktuelle Lage in den Krankenhäusern

Dabei gestaltet sich die Lage in den Krankenhäusern (Stand 29.10.21) wie folgt: Deutschland hat derzeit 24.762 Intensivbetten betriebsbereit. Davon sind 13,2 % derzeit noch unbelegt. 3,9 % sind von COVID-19-Patienten belegt, die beatmet werden, und 3,7 % von COVID-19-Fällen ohne Beatmung. Das macht 1.862 COVID-19-Patienten bzw. 7,6 %.

Anteil an Covid-Patienten an der Gesamtbelegung
Quelle: SWR/DIVI-Intensivregister

Die Situation ist also angespannt, da die von den Krankenhäusern angestrebte Auslastung überschritten ist. Die Idealquote der Auslastung liegt bei 80 %. Was die Zahlen jedoch verdeutlichen, ist der relativ geringe Anteil von COVID-19-Patienten an der Gesamtbelegung.

Während die Auslastung der Kapazitäten in den letzten Monaten kontinuierlich gesunken war, sorgt auch das durch den #divigate-Skandal offengelegte Anreizsystem zum Abbau der Kapazitäten dafür, dass die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten immer weiter absinkt. Die Grafik des DIVI-Intensivregisters zeigt die Veränderung der Krankenhauskapazitäten seit April 2020.

Auslastung und Verfügbarkeit der Intenvisbetten in Deutschland
(Quelle: DIVI-Intensivregister)

Zur Situation in den Krankenhäusern wurde schon im letzten Jahr ein Experten-Bericht für das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angefertigt, der das Überlastungs-Narrativ beschädigt. Dort werden die fragwürdigen Freihaltepauschalen, die für die Vorhaltung von Betten für COVID-19-Patienten gezahlt wurden, aufgegriffen. Die Pauschalen an die Krankenhäuser beliefen sich allein für die ersten drei Monate der Coronakrise auf 4,7 Milliarden Euro. Ein Geldsegen für die Krankenhäuser. Scheinbar wächst das Geld doch an den Bäumen.

Währenddessen fiel die durchschnittliche Anzahl der Patienten in den Krankenhäusern. Mit Beginn der zwölften Kalenderwoche ging die Zahl im Vergleich zum Vorjahr stark zurück. In der 15. Kalenderwoche um satte 42 %.

Anzahl der Patienten in Krankenhäusern pro Kalenderwoche. (Quelle: Analysen zum Leistungsgeschehen, zur Erlössituation von Krankenhäusern und zu betroffenen Patienten und ihrer Versorgung in der Corona-Krise)

COVID-19-Patienten falsch klassifiziert?

Oben haben wir den geringen Anteil der COVID-19-Patienten an der Gesamtbelegung aufgezeigt. Wir wissen außerdem, dass im Jahresdurchschnitt nur 4 % aller Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt waren. Und, dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat.

Doch jetzt gibt es berechtigte Zweifel, dass selbst diese Angaben zu hoch gegriffen sein könnten. Karsten Montag berichtet für das Magazin Multipolar über die Auswertung der Abrechnungsdaten der Krankenhäuser mit den Krankenkassen, die vom Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) bereitgestellt werden. Die Daten schlüsseln das Verhältnis auf von COVID-19-Patienten, die mit Symptomen einer SARS-CoV-2-Infektion behandelt wurden, zu denen, bei welchen COVID-19 nur als Nebendiagnose gestellt wurde.

Hier können wir also erkennen, wie hoch der Anteil an COVID-19-klassifizierten Patienten war, die auch tatsächlich korrespondierende Symptome der Krankheit hatten.

Dazu schreibt der Autor des Artikels:

Sowohl bei allen hospitalisierten Fällen als auch bei den Fällen mit Intensiv-Aufenthalt mit nachgewiesenem Virus ist zu erkennen, dass die Anzahl der COVID-19-Fälle mit einer akuten Atemwegserkrankung in der Hauptdiagnose insbesondere um die Jahreswende 2020/21 deutlich geringer ist als die gesamte Anzahl der Fälle mit einer laborbestätigten SARS-CoV-2-Infektion. […]

Die Hauptdiagnosen, die nicht einer akuten Atemwegserkrankung entsprechen und zu denen als Nebendiagnose eine nachgewiesene SARS-CoV-2-Infektion gemeldet wurde, sind weit gestreut und reichen von Hirn- und Herzinfarkten über Harnwegsinfektionen und Gehirnerschütterung bis zu Oberschenkelhalsbrüchen. Im Grunde decken sie das gesamte Spektrum der im Krankenhaus behandelten Fälle ab, außer dass bei der stationären Aufnahme ein positiver PCR-Test festgestellt wurde.

Zahlen waren der Politik früh bekannt

COVID-19-Patienten benötigten ab der zwölften Kalenderwoche nur 1,7 % der Krankenhausbettenkapazität, wie aus dem oben genannten Experten-Bericht an das BMG hervorgeht.

Ziehen wir jetzt in Betracht, dass in diesen 1,7 % auch alle Nebendiagnosen mit COVID-19 enthalten sind, ergibt sich nochmal ein anderes Bild. Der tatsächliche Anteil von COVID-19-Patienten liegt also deutlich unter diesem Wert.

Es ist anzunehmen, dass der Politik die Abrechnungsdaten der Krankenhäuser vorgelegt werden. Somit scheint es rückblickend noch ein Stück anrüchiger, den zweiten Lockdown im Winter 20/21 mit der drohenden Überlastung der Krankenhäuser zu rechtfertigen. Zu dieser Zeit war der geringe Anteil an COVID-19-Patienten an der Gesamtauslastung der Politik schon längst bekannt.

Im Multipolar-Artikel wird das kommentiert:

“Anhand der vorliegenden Daten ist es sachlich nicht nachvollziehbar, warum Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder diesen Fehler ein zweites Mal begingen und Ende 2020 weitere Lockdowns beschlossen.”

Analyse der Abrechnungsdaten liefert weitere Erkenntnisse

Der Beitrag legt nicht nur die Chronologie der Ereignisse seit Anfang 2020 en détail dar und liefert Grafiken, er geht anhand der extrahierten Abrechnungsdaten auch auf die stark anwachsende Anzahl von Intensivfällen ein, die nicht mit COVID-19 im Zusammenhang stehen.

Insbesondere die Krankheitsbilder Schlaganfall, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gleichgewichtsstörungen stiegen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 %.

Es kann vermutet werden, dass eine Kombination aus fehlender Vorsorge, Verschiebung von Operationen und der Angst, ins Krankenhaus zu kommen und sich dort potenziell zu infizieren, zu diesen Wachstumsraten führen.

Indes fällt der Politik nichts Neueres ein, als für eine Verschärfung der Maßnahmen wieder einmal die selbstinduzierte Auslastung der Krankenhäuser zu bemühen.

Die Regierung wurde in der heutigen Bundespressekonferenz auf die Erkenntnisse hinsichtlich der Abrechnungsdaten angesprochen. Die Antwort ließ allerdings wieder einmal zu wünschen übrig: Man könne nichts dazu sagen.

Angesichts der nachgewiesenen Schummeleien mit den statistischen Größen, auf die man sich beruft, bleibt die Frage, für wie eingeschränkt die Politik die Bürger halten muss, ein weiteres Mal mit dieser Geschichte aufzuwarten.

Eine sehenswerte Übersicht zu allen Corona-Daten wird auf dieser Seite angeboten.

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Mario Martin ist Ökonom und arbeitet als Software-Projektmanager in Berlin.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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