Überlastung der Intensivstationen durch 4 Prozent Covid-Patienten? Sollbruchstelle in der Logik

Sehen Sie sich auch mein Video von den heutigen Bundespressekonferenzen an – hier.

Das ganze Jahr über hörten wir immer wieder von massiven Problemen auf den Intensivstationen, von einer drohenden Überlastung. Und dann das: Die Nachricht, dass im Jahresdurchschnitt nur vier Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt waren. Und, „dass die Pandemie zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat“. Es waren nicht die „üblichen Verdächtigen“, von denen diese Aussagen stammen. Sondern der Beirat des Gesundheitsministeriums. Und nachzulesen sind die Sätze direkt auf der Seite des Ministeriums. Ich nahm den Bericht zum Anlass, Merkels Sprecher Steffen Seibert zu fragen, wie er sich den Widerspruch erklärt. Es stellte sich heraus: Die Bundesregierung sieht gar keinen.

FRAGE REITSCHUSTER: „Eine Frage an Herrn Seibert bzw. Herrn Gülde: Der Beirat des Gesundheitsministeriums ist zum Ergebnis gekommen, dass im Jahresdurchschnitt 2020 4 Prozent der Intensivbetten mit Coronapatienten belegt waren. Die Begründung für die Coronamaßnahmen war ja bisher immer die angespannte Situation auf den Intensivstationen wegen Corona. Könnten Sie den Widerspruch für mich auflösen?“

GÜLDE: „Herr Reitschuster, ich sehe da ehrlich gesagt keinen Widerspruch. Grundsätzlich folgten die Maßnahmen gerade dem Ziel, die Intensivstationen nicht zu überlasten. Deutschland ist bislang relativ gut durch die Pandemie gekommen. Wir dürfen nicht vergessen: Wir haben bislang immerhin 80.000 Tote zu verzeichnen, das ist kein Grund zur Freude und viele Menschen, die auch nachträglich noch mit den Folgen von Corona zu kämpfen. Nichtsdestotrotz ist es uns mit diesen Maßnahmen gelungen, einer Überlastung des Gesundheitswesens in Deutschland vorzubeugen. Das ist im Grunde genommen das, was ich Ihnen dazu sagen kann.“

ZUSATZFRAGE REITSCHUSTER: „Es gab immer wieder Berichte, Medienberichte, dass die Intensivstationen bereits an ihrer Grenze sind. Es gab sogar Medienberichte über Triage. Der Beirat sagt nun, die Pandemie habe die stationäre Versorgung zu keinem Zeitpunkt an ihre Grenzen gebracht. Waren die Medienberichte falsch?“

GÜLDE: „Ich werde hier keine einzelnen Medienberichte kommentieren. Wir haben natürlich immer über die aktuelle Situation auf den Intensivstationen und die Auslastung des Gesundheitswesens berichtet. Über einzelne Medienberichterstattung oder möglicherweise auch Zuspitzungen kann ich hier nichts sagen.“

SEIBERT: „Ich möchte aber gern hinzufügen, Herr Reitschuster: Es gab nicht nur Medienberichte. Es gab glasklare Aussagen von Menschen, Ärzten wie Pflegepersonal, die tagtäglich Verantwortung in Intensivstationen tragen und die aus ihrem Alltag am Rande der Überlastung berichtet haben. Da gab es ganz klare Aussagen. Das sind nicht nur Medienberichte, sondern das sind Stimmen von Menschen, die es tagtäglich erleben.“

Wie ist der Widerspruch aufzulösen? Dass die Pandemie laut offiziellem Ministeriums-Beirat zu keinem Zeitpunkt die stationäre Versorgung an ihre Grenzen gebracht hat, Personal allerdings genau davon berichtete? Bei nur vier Prozent Covid-Patienten auf den Intensivstationen im Jahresschnitt?

Die einzige für mich einleuchtende Erklärung ist, dass die Intensivstationen eben schon vor Corona oft massiv überlastet waren – wie das etwa der Pfleger Ricardo Lange in seinem nun schon fast legendären Auftritt mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf der Bundespressekonferenz beklagte (nachzulesen hier). Damit würde aber einer der Grundpfeiler, auf den die Bundesregierung die Rechtfertigung für ihre harte Corona-Politik aufbaut, in sich zusammenfallen.

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Bild: Shutterstock
Text: br

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