Amtsärzte kritisieren Privilegien für Geimpfte "Nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gehen"

Der Verband der Amtsärzte hat die geplanten „Privilegien“ für Geimpfte kritisiert. Die Bundesregierung will für sie diverse Ausnahmen von den Corona-Regeln, wie etwa eine Aufhebung der Testpflicht für das Einkaufen oder für die Einreise nach Deutschland. Auch eine Ausnahme von den nächtlichen Ausgangssperren ist im Gespräch. „Es wäre fatal, wenn Geimpfte und Genesene künftig von allen Testpflichten, etwa bei der Einreise, ausgenommen würden“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

„Ohne umfassende Tests verlieren wir den Überblick über das Infektionsgeschehen – gerade auch mit Blick auf Virusvarianten“, sagte Teichert der Meldung zufolge: „Wenn wir Reiserückkehrer nicht mehr testen, wissen wir nicht, ob sie Mutanten einschleppen.“ Die Ärztin fordert zudem, dass auch die verpflichtenden Tests unabhängig von einer Impfung der Betroffenen fortgeführt werden.

Kritik übte die Ärztevertreterin laut den Funke-Zeitungen auch daran, dass die Bundesregierung Geimpften Rechte zurückgeben wolle, obwohl noch kein einheitlicher und fälschungssicherer Nachweis für den Impfstatus verfügbar sei. Die Politik dürfe „nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gehen“, so die Ärztin. Sie forderte, das Zertifikat müsse sowohl digital als auch in Papierform erhältlich und fälschungssicher sein.

In der aktuellen Situation gebe es in Sachen Nachweis ein „großes Durcheinander“. Die Impfbescheinigungen sähen im Augenblick alle unterschiedlich aus, so Teichert gegenüber den Zeitungen. Das Resultat ist ihren Angaben zufolge, dass auf diese Weise ungeschulte Mitarbeiter in Geschäften oder Friseursalons entscheiden, ob jemand einen ausreichenden Impfstatus habe oder nicht.

Mit den „Privilegien“ für Geimpfte wird Deutschland faktisch zur Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der die Grundrechte für einen Teil der Bürger weniger gelten als für andere. Ich fragte die Regierung gestern nach den wissenschaftlichen Grundlagen und konkreten Zahlen. Sie sollen nachgereicht werden. Bislang geschah das noch nicht. Lesen Sie hier meinen Bericht dazu.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Bild: Shutterstock
Text: red

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