Angst vor der Wahrheit: Angaben zum Impfstatus sind in Schottland künftig tabu Gesundheitsbehörde diskreditiert Impfgegner

Von Daniel Weinmann

„Ich mach’ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt“, skandierte Pippi Langstrumpf schon vor rund einem halben Jahrhundert, um zu demonstrieren, wie sie die Wahrheit so zurechtzimmert, dass sie in ihr Weltbild passt.

Die schottische Gesundheitsbehörde Public Health Scotland scheint zurzeit nach dieser Maxime zu handeln – und stoppt die Veröffentlichung von Zahlen über Corona-Todesfälle und Krankenhausaufenthalte nach Impfstatus. Die Beamten fürchten, dass diese Daten von Impfskeptikern vorsätzlich falsch dargestellt werden. Sie könnten aufgrund von zwei Problemen im Zusammenhang mit der nicht geimpften Bevölkerung und den Testgewohnheiten nicht mehr zuverlässig sein und ohne Kontext zu Fehlinterpretationen führen. Anders ausgedrückt: Impfgegner könnten die Daten benutzen, um zu suggerieren, dass die Vakzine gefährlich sind.

Nachtigall, ick hör dir trapsen, könnte man eine zweite häufig bemühte Redewendung an dieser Stelle zitieren. Denn merkwürdig erscheint dieser Vorstoß angesichts der Tatsache, dass Public Health Scotland erst Mitte Januar eine niedrige Zahl von Todesfällen unter den Geimpften meldete, um so für den Segen der Impfung zu werben.

Will man so davon ablenken, dass häufiger vollständig geimpfte Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden als Ungeimpfte? „Fallzahlen bei Ungeimpften am niedrigsten, während doppelt geimpfte ältere Menschen die Zahl der Krankenhauseinweisungen in die Höhe treiben“, titelte etwa die schottische Zeitung „The Herald“ bereits vor mehr als vier Wochen.

Was nicht passt, wird passend gemacht

Die Gesundheitsbehörde kündigte ihre neue Informationspolitik im Rahmen der Präsentation ihrer jüngsten Corona-Statistik an und erklärte, dass die Daten überprüft werden. „Wir werden nicht mehr wöchentlich eine Zusammenfassung der COVID-19-Fälle, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle nach Impfstatus veröffentlichen, sondern uns auf die Berichterstattung über die Wirksamkeit der Impfung konzentrieren“ teilte die Behörde mit – frei nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.

„Die Fallraten, Krankenhausaufenthalts- und Sterberaten sind sehr einfache Statistiken“, argumentiert ein Behördenvertreter, „während wir für die Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffs eine Modellierung verwenden: Wir vergleichen Menschen, die negativ getestet wurden, mit denen, die positiv getestet wurden, und gleichen sie hinsichtlich der zugrunde liegenden Komorbiditäten ab.“ Es sei eine völlig andere, viel belastbarere Methode. „Und darauf wollen wir die Leute aufmerksam machen.“

Der am vergangenen Mittwoch veröffentlichte Bericht ist somit die letzte wöchentliche Datenerhebung, die Informationen zu Infektions- und Todesraten unter Geimpften und Ungeimpften enthält. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Schottland just zu dem Zeitpunkt mit genauen Daten zum Impfstatus geizt, zu dem der britische Gesundheitsminister Sajid Javid ankündigte, der Empfehlung der zuständigen Impfkommission zu folgen und Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren die Corona-Impfung anzubieten.


Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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