Annalena Baerbock – „Nicht komplett gewählt“ Haben die Grünen bei jungen Leuten die Meinungsführerschaft?

Von Sönke Paulsen

Müde sieht sie aus und abgekämpft, aber ihre Stimme ist weiterhin so übersteuert und schrill wie im Wahlkampf. Annalena Baerbock hat ihr Wahlziel nicht erreicht und die Grünen finden sich in der Welt der Zehn-Prozent-Parteien wieder, zusammen mit FDP und AfD.

Immerhin, möchte man sagen, wenn die Grünen-Spitze am Wahlabend und auf der Bundespressekonferenz am Montag nicht so vehement auf ihrer Meinungsführerschaft bestehen würde.

Baerbock spricht von „Sehnsucht nach Erneuerung“, was wie ein Automatismus klingt. „Wovon leiten Sie das ab?“, fragt eine Journalistin. Die Spitzenkandidatin spricht von Märkten in Deutschland, auf denen sie Wahlveranstaltungen hatte, wo die Menschen es ihr gesagt hätten, dass sie auf dem richtigen Weg sei. Sie spricht von Meinungsumfragen, in denen viele für eine neue Klimapolitik wären. „Auch wenn uns alle diese Menschen nicht komplett gewählt haben“, fügt sie in bekannt unbeholfener und zugleich manipulativer Manier hinzu. Denn über fünfundachtzig Prozent der Deutschen haben die Grünen eben nicht gewählt.

Auf der Bundespressekonferenz am Montag springt ihr Habeck bei und bringt zum Ausdruck, was das Image der Grünen zu sein hat: „Hey, das wäre doch echt cool, wenn was Neues entsteht“, sagt der falsche Fünfziger in jugendlicher Sprache und impliziert dabei, dass die jungen Leute ganz bei den Grünen sind.

Die ersten Wahlanalysen sehen allerdings anders aus.

Die Grünen kämpfen bei den Jungwählern (unter 25 Jahren) laut Infratest dimap mit der FDP um die Hegemonie. Denn ebenso viele junge Leute haben die Liberalen gewählt. Die Analyse vom Wahlabend ist vorläufig, aber glaubwürdig. Je ein Viertel der jungen Wähler entschied sich für die FDP und die Grünen, zusammen fast die Hälfte aller Menschen unter 25 Jahren, die zur Wahl gingen.

Was sagt uns das?

Der Corona-Schock hat viele junge Leute in das politische Lager der Liberalen geführt. Die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der uns von der Politik die Grundrechte entzogen wurden, hat gerade viele junge Menschen verunsichert.

Auch die Jugend ist gespalten!

Die FDP hat sich in Bezug auf Freiheitsrechte und Wirtschaftsinteressen im Wahlkampf mehr oder weniger klar auf dem Gegenpol der Grünen positioniert. Die guten Ergebnisse der Liberalen dürften damit zusammenhängen. Auch bei den Jungwählern.

Die Grünen haben also kein Monopol auf die Jugend, sondern stehen in Konkurrenz zu einer ganz anderen Denkart, die nicht Klimaneutralität durch Verbote, sondern Freiheitsrechte und persönliche Chancen im Vordergrund sieht. Entschieden ist diese Auseinandersetzung um Prioritäten nicht im Geringsten. Die Angst vor der Ökodiktatur polarisiert genauso wie die Angst vor der Klimakatastrophe.

Das entspricht auch dem öffentlichen Bild, welches junge Leute in den letzten achtzehn Monaten abgegeben haben, wobei deren europaweite Proteste gegen die Einschränkungen der Grundrechte wesentlich authentischer wirkten als die gut organisierten Klima-Proteste, die von den Medien gepuscht wurden.

Was in der Jugend Mainstream wird, ob Öko-Staat oder Liberalismus, ist also nicht entschieden.

Gerade für junge Menschen bietet der Liberalismus die größeren Chancen!

Man sollte aber auch nicht ganz die Alten vergessen. Die Wähler über siebzig Jahre haben sich nämlich mehrheitlich zwischen Union und SPD entschieden. Zusammen sind das über siebzig Prozent dieser Wählergruppe. Dies verwundert auch nicht, weil die Alten bekanntermaßen die Stabilität favorisieren. Eine der ehemaligen Volksparteien musste es also sein.

Auch hier darf man eine Frage stellen, die zu eher ungewohnten Überlegungen führt.

Ist das Votum für SPD oder Union nicht in Wirklichkeit ein konservatives Votum? Sind nicht auch alte SPD-Wähler konservativ eingestellt? Wie sieht es dann mit dem Konservativismus in unserem Land aus?

Die Medien können deuten, wie sie möchten. Union und SPD kommen zusammen auf die Mehrheit, sie werden von den älteren Wählern mehrheitlich gewählt. Auch die AfD-Wähler sind überwiegend konservativ eingestellt. Der Konservativismus kommt in unserem Land vermutlich auf eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Die lauten Minderheiten dagegen streben die Meinungsführerschaft an. Ein Privileg der Jugend und derer, die sich der Jugend bedienen. Aber eben keine Mehrheit!

Das ist vermutlich die Hauptaussage dieser Wahl.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt auch in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“. Hier finden Sie seine Fortsetzungsgeschichte „Angriff auf die Welt“ – der „wahre“ Bond.

Bild: photocosmos1/Shutterstock 
Text: Gast

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