Auch im Oktober wieder deutliche Übersterblichkeit – nicht wegen Corona In der letzten Kalenderwoche sogar zwölf Prozent mehr Todesfälle als in den Vorjahren

Der Trend setzt sich fort. Bereits für den September meldete das Statistische Bundesamt (Destatis), dass die Sterbefallzahlen im September 2021 „10 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre“ lagen. Spahns Sprecherin Parissa Hajebi antwortete am 18. Oktober in der Bundespressekonferenz auf meine Frage nach dieser Übersterblichkeit im Vergleich zum Vorjahr wie folgt: „Es ist so, dass sich Statistiken zur Übersterblichkeit nicht zeitnah interpretieren lassen. Dafür fehlen die Vergleichsdaten. Die Zahl der Coronatoten ist deutlich zurückgegangen. Das ist auch eine sehr gute Entwicklung.“

Nun setzt sich die Entwicklung aber fort. Nach einer neuen Hochrechnung des Bundesamtes sind im Oktober 2021 in Deutschland 82.733 Menschen gestorben. Auf der Webseite des Amtes heißt es: „Diese Zahl liegt neun Prozent über dem mittleren Wert (Median) der Jahre 2017 bis 2020 für diesen Monat (+6.615 Fälle) … In der 43. Kalenderwoche (vom 25. bis 31. Oktober) lagen die Zahlen 12 % über dem mittleren Wert der Vorjahre. Zum Vergleich: Laut Robert Koch-Institut lag die die Zahl der Coronatoten im Oktober mit 893 unterhalb der des Vorjahresmonats mit 1.488 Toten. Corona kann also kaum der Grund für die Übersterblichkeit sein (wobei man natürlich nie irgend etwas ausschließen darf).

Ich befragte dazu heute auf der Bundespressekonferenz Spahns Sprecher Hanno Kautz: „Nach den neuesten Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes gab es im Oktober eine Übersterblichkeit von 9 Prozent im Vergleich mit den Vorjahren, Tendenz steigend. In der letzten Kalenderwoche des Oktobers waren es sogar 12 Prozent. Im September hatten wir das auch schon. Ist das für Sie jetzt noch die normale Schwankung, die immer vorkommt, oder sehen Sie das schon mit Sorge als Trend? Gibt es gegebenenfalls Erklärungsansätze?“

Die Antwort von Kautz: „Wir haben Zahlen zu Coronatoten. Wir haben Zahlen zu der Entwicklung auf den Intensivstationen. Das ist für uns erst einmal sehr viel wichtiger, als jetzt auf das Statistische Bundesamt zu schauen. Wir sehen, dass sich eine vierte Welle aufbaut, erschreckend schnell aufbaut. Die Dynamik ist das Problem an der ganzen Sache. Wenn die Infektionszahlen weiter so steigen wie jetzt, dann werden sich die Infektionszahlen innerhalb von zwei Wochen verdoppeln.“

Ich hakte nach: „Ein großer Teil dieser Übersterblichkeit ist aber nicht auf Coronatote zurückzuführen, wenn ich das richtig überschlagen habe. Macht Ihnen diese Entwicklung, ganz unabhängig von Corona, auch Sorgen? Versucht man, zu klären, woran das liegen könnte?“

Darauf Kautz: „Solche Zahlen werten wir natürlich immer aus. Ich habe darüber keine aktuellen Erkenntnisse, Herr Reitschuster, aber das werten wir natürlich aus. Wir werden sicherlich auch bewerten, wie sich bei bestimmten Erkrankungen die Zahl der Todesfälle entwickelt hat.“

Auf diese Erklärung gilt es gespannt zu warten. Viele Menschen argwöhnen ja, dass Impf-Nebenwirkungen der Grund für die Übersterblichkeit sein könnten. Für solche Spekulationen gibt es aktuell keine Belege. Aber gerade, da das Misstrauen bei den Menschen so hoch ist, kann man nur hoffen, dass die Bundesregierung wie versprochen ein genaues Auge auf die Entwicklung hat. 

 

Hier finden Sie mein Video über die heutige Bundespressekonferenz; das Video mit der Aufzeichnung der gesamten Veranstaltung finden Sie hier.

 

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Bild: Shutterstock
Text: br

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