Bei Maischberger: Ein grüner Söder und ein Flöte spielender Scholz Zwei Verlierer im Talk

Ein Gastbeitrag von Alexander Wallasch

Kann man das mit Blick auf Markus Söder (CSU) und Olaf Scholz (SPD) sagen: Zwei Verlierer bei Sandra Maischberger zum Gespräch, der eine schon an der Kandidaturaufstellung gescheitert – noch dazu gegen den blassen Armin Laschet (CDU) – und der andere zwar in die Startlöcher gestellt, jedoch ohne jede Chance, je ins Ziel zu kommen?

Die Aufgabe, die dem bayrischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef in der Talkshow laut Vorankündigung gestellt wird, ist denkbar komfortabel: Söder soll erklären, was der große Erfolg von Reiner Haseloff (CDU) für die Bundestagswahl und die Union bedeutet.

So ungerecht ist die Welt manchmal. Denn Scholz, der jede Anschubhilfe brauchen könnte als potenziell erfolglosester Kanzlerkandidat der Sozialdemokratie überhaupt, muss bei Maischberger auch noch geradestehen für ein einstelliges Desaster der SPD in Sachsen-Anhalt, für die Obdachlosenmasken und noch für einiges mehr.

Die Wissenschaft, die sich während der Corona-Pandemie alles andere als mit Ruhm bekleckert hat, die möglicherweise sogar große Schuld auf sich geladen hat – bedenkt man die Folgen der Einschränkungen – wird an diesem Abend vertreten vom Virologen Prof. Hendrik Streeck.

Der soll das nächste große Ding erzählen, dieses Mal geht es um die so genannte „Delta-Variante“. Die soll hochansteckend sein, aber ähnliche Szenarien gab es schon zur englischen und südafrikanischen Corona-Variante. Streeck ist der eher weniger ängstliche Typ. Damit steht er dann schon in sowas wie Opposition zu Lauterbach und Drosten, aber der Unterschied dürfte so gering sein wie auf der politischen Bühne zwischen Union und SPD. Brisanz ist hier eher nicht zu erwarten.

So viel zu den eigentlichen Gästen. Hinzu kommen aber entlang des Konzeptes der Sendung noch drei Medienleute. Und hier ist die Auswahl – bezöge man die neuen Medien mit ein – theoretisch zwar groß, aber es sitzen doch immer dieselben am Tresen.

Linkspopulistin vom Spiegel

Maischberger hat sogar die linkspopulistische Melanie Amann vom Spiegel eingeladen. Die war zwar gerade bei Anne Will – aber so einfallslos ist das bisweilen im Zwangsgebühren-Fernsehen, wenn es gleich dreier Anstandswauwaus bedarf als Feuerwehr, Ausreißer unter den Gästen noch gemeinsam abzuräumen.

Immerhin ist Jan Fleischhauer abwesend, hatte er mal keine Zeit? Der muss ja schon ein Namensschild am Hocker kleben haben bei Maischberger – oder ist das selektive Wahrnehmung?

Und damit bloß keine übertriebene Spannung aufkommt und die Vertreter des polit-medialen Komplexes unter sich bleiben, darf Dagmar Rosenfeld, die Chefredakteurin der Welt mit ran – war das nicht Ulf Poschardt? Aber auch schon egal – und weil die verschobene Europameisterschaft von 2020 irgendwann in den nächsten Tagen startet, hat Maischberger noch Sportjournalist Gerhard Delling eingeladen – Jörg Wontorra blieb uns also immerhin erspart. Aber wie ein großer Gewinn fühlt es sich trotzdem nicht an.

Los geht’s. Wir schalten uns ein, wenn es interessanter wird. Selbst Sport-Delling macht hier gleich mal auf Politkommentator. Besser kann man kaum illustrieren, wie gleich es ist, wer da aus der immer selben Riege Platz nimmt.

Melanie Amann vom Spiegel fasst es unfreiwillig zusammen: „Viele Leute wollen vielleicht gar keine Fakten und jetzt Sommer haben.“ Viele Leute wollen allerdings einfach nur ihr altes Leben wiederhaben. Das allerdings liegt zerschlagen am Boden.

Herr Laschet sei auch „ein sehr impulsiver Typ“, meint Amann noch. Wie bitte? Klar doch, man fürchtet sich schon jedes Mal, wenn Armin auf der Bühne steht und wieder vollkommen ausrastet, Zwinkersmiley.

Markus Söder ist zugeschaltet aus München. Söder soll erst einmal seine Kaffeetasse zeigen, fordert die Moderatorin. Was auch immer drin ist, drauf ist jedenfalls Spidermann, „Spiderman ist cool“, sagt Söder, puh … Nun war Söder schon so oft zu Corona-Themen auf dem Bildschirm, dass man seine TV-Masche in- und auswendig kennt: Zunächst mal hat jeder in der Runde Recht. Herr Delling hat Recht weil … Frau X und Frau Y natürlich auch. Eine Art Zwangsumarmung von Söder ist das – allerdings eine wie aus dem Rhetorikseminar von 1964.

‘Volle Rückendeckung aus München‘

Dass anders entschieden worden sei in der Kandidatenfrage, „ist mehr als okay und habe deshalb volle Rückendeckung für Armin Laschet, denn […] es gehe ja tatsächlich um Deutschland“.

Maischberger treibt Söders Wahlkampftheater auf die Spitze und will wissen, ob Laschet jetzt auch „der Kanzlerkandidat der Herzen“ sei. „Ja auf jeden Fall, wieso zweifeln Sie daran?“, kontert Söder. Lustigerweise ist die Schalte nach München etwas zeitverzögert, und so verzieht Söder zunächst keine Miene und die Frage wabert zunächst ins Leere.

Dann wird noch der „Welt“-Autor Robin Alexander zitiert, der wohl ein neues Buch auf dem Markt hat und darin laut Maischberger aufgeschrieben haben soll, wie es zur Entscheidung für Laschet kam.

Ernsthaft: Gibt es wirklich Menschen, die so etwas lesen wollen? Söder will Klimaschutz und Nachhaltigkeit und eine gute Corona-Politik. Der Bayer in Söder ist jedenfalls ausgefegt, er will nur noch der treue und brave Wahlkämpfer für Laschet sein. Viele Inhalte der Grünen wären spannend, die könne man auch teilen, so Söder. Man sollte ihm das grüne Parteiprogramm mal auf den Tisch legen oder gleich um die Ohren hauen, dann soll er mal anstreichen, was er da meint. Deren Einwanderungspolitik vielleicht? Oder gar die Genderdebatte?

„Innovationskraft der neuen Ideen“, die gehöre für Söder den Grünen, der Union billigt er gerade noch „Seriosität und Stabilität“ zu. Also das Gestern, das Väterliche, diese Bonner und Münchner Schwiemeligkeit, die ihm so überdeutlich anhaftet, nein anklebt.

Söder deutet an, dass es unter einer grünen Kanzlerin keine Union geben wird, dann wäre die „Erneuerung“ fällig, also die Opposition. Und er prognostiziert, dass es am Wahlabend knapper werden könne als erwartet. Die Grünen hätten zwar eine Delle, „aber am Ende wird es um andere Fragen gehen“.

Neben „intellektueller Bearbeitung“ der Politk fehlt Söder an den Grünen, dass sie noch zu wenige „Angebote machen für viele Menschen der Gesellschaft“.

Auf reinen Machterhalt ausgerichtet

Wenn das aber Wahlkampf gegen den politischen Gegner sein soll, dann ist es nicht mehr als ein lauer Wind. Diese immer noch auf den reinen Machterhalt ausgerichtete Haltung der Union könnte ihr Untergang werden. Eine Erneuerung hat auch nichts mit dem Abschneiden der Grünen zu tun, sie wäre nach Angela Merkel sogar zwingend.

Wenn man Söder so zuhört, wird der Verdacht nur noch größer, dass hier vor der Wahl ein bisschen auf Freiheit gemacht wird, während man schon überlegt, wie man diese für die Politik so komfortable Corona-Panik-Lage anschließend wieder hochfahren kann.

Und schon nach kurzer Zeit fragt man sich auch, für welche Zuschauer solche Sendungen eigentlich gemacht werden. Wer schaut so etwas noch? Wer freut sich darauf, wer lauscht interessiert und hat anschließend welchen Zugewinn?

Und noch einmal stellt Markus Söder die Kanzlerin als eine Art Übermutter hin. Eine Heilige der Politik geradezu: „Die Kanzlerin hat nie, auch bei Ministern, die Fehler gemacht haben, dann nicht die Fehler identifiziert und sie abgeklärt. Wenn die Kanzlerin sich so eindeutig positioniert, dann ist da mein Glaube ganz eindeutig bei der Kanzlerin.“ Söder im Gebet? Amen. Das ist schon übel. Da die Übermutter, da die bösen Buben und Mädels, und vorne in der ersten Reihe der geläuterte, der brave Markus Söder aus Bayern.

Das Gespräch mit Söder ist endlich vorbei. Und was sollte da mehr haften bleiben als der traurige Eindruck, dass hier jemand das Deutschland seiner Väter längst aufgegeben und den Grünen geopfert hat – aber nicht ohne nochmal vor ihrer Heiligkeit niederzuknien.

Dann darf Melanie Amann die vom Spiegel recherchierte Geschichte der mangelhaften Masken nacherzählen, die ausgemustert und angeblich planmäßig an Obdachlose und Behinderte verteilt worden sein sollen.

Schulz als Lockenkopf

Erstes echtes Highlight der Sendung: Lockenkopf Olaf Scholz wird im Einspieler eingeblendet: 1984 bei einer Rede als Jungsozialist zur Friedensbewegung, also irgendwo auf der Strecke dieses ominösen langen Marsches durch die Institutionen, an deren paradiesischem Ende aktuell Annalena Baerbock stehen soll, so, als hätte es die Regierung Schröder (SPD) / Fischer (Grüne) nie gegeben.

Gut, der Einspieler war hilfreich, den Scholz von 2021 zu kapieren. Der Mann ist also Finanzminister mit der DNA der Friedensbewegung? Jedenfalls ein Hippie, der trotzdem nie einen Joint geraucht hat – Maischberger wollte es genauer wissen. Fragt sie jetzt auch noch nach freier Liebe und so?

Nicht einmal Gitarre hätte er gespielt, dafür aber Flöte. Oh je, das alles klingt dann noch intimer als Hippiesexgeschichten von Rainer Langhans oder so – nervös rutscht der kleine Kanzlerkandidat ohne Siebenmeilenstiefel auf dem viel zu großen Hocker.

„Ich will Kanzler werden! Ich will Kanzler werden!“, Maischberger will es von Scholz wissen mit Blick auf die Umfragewerte: „Ab wann wird so ein Satz dann lächerlich?“ Scholz glaubt tatsächlich, die SPD hätte bis zur Wahl noch die Chance, mit der CDU und den Grünen aufzuschließen? Hatte er zuvor mit dem Kiffen ein bisschen geflunkert, um zu so einer Prognose zu gelangen?

„Die SPD sorgt am ehesten für soziale Gerechtigkeit“ fanden in Sachsen-Anhalt laut Einspieler übrigens nur noch 17 Prozent. Die SPD in der GroKo pulverisiert am Rocksaum der Bundeskanzlerin. Nein, Olaf hat keinen Husten, er hat aber offensichtlich keinen Bock mehr. Und wer würde das dem tapferen Parteisoldaten verdenken wollen, von dem man jetzt weiß, dass er auch Flöte spielen kann, aber nie bekifft spielt.

Hilflos und traurig

Olaf Scholz will nicht sagen, ob Jens Spahn zurücktreten soll, so sehr Maischberger auch drückt. Und sie drückt weiter zu Impfdosen und lässt Scholz am Ende tatsächlich aussehen wie den hilflosesten und traurigsten Menschen in Deutschland. Aber sah er zu Beginn des Gesprächs wirklich anders aus?

Maischberger macht hier sowas wie Journalismus, okay. Aber ihr Gegenüber lag schon am Boden, als er sich auf den weißen Drehstuhl schleppte, als ginge es schon darum, die SPD zu Grabe zu tragen.

Dann kommt noch Virologe Prof. Hendrik Streeck. Da erfahren wir zunächst, dass die Delta-Variante eigentlich die frühere indische Corona-Variante ist. Nur umbenannt, weil der Schrecken der indischen zunächst nicht schrecklich genug war? Aber klingt Delta furchteinflößender?

Virologe Streeck wird wie Söder zugeschaltet. Und er teilt mit, es gäbe bei der Delta-Variante die Behauptung eines vierzig- oder sechzigprozentigen Anstiegs in der Übertragungswahrscheinlichkeit. Aber wo sich schon die Inzidenzwerte als ein großer unpräziser Unfug herausgestellt haben, woher soll nun die Gewissheit für den nächsten Untergang des Abendlandes kommen? Und Streeck sagt es auch gleich: Es wäre noch nicht schlussendlich gesagt, wie hoch die Übertragungsraten wirklich sind.

Und da folgt dann ausgerechnet auf Olaf Scholz dieser junge, agile Streeck und lässt den Vorgänger bei Maischberger so leider noch älter aussehen. Würde man jetzt die Zuschauer fragen, wer Kanzler werden soll, Baerbock, Scholz oder der Virologe, sie würden wahrscheinlich sogar Streeck wählen. Denn wenn diese Wissenschaftler schon so sehr Politik machen, dann doch gleich richtig, mag der eine oder andere fatalerweise denken.

Und Virologe Streeck zieht auch gleich mal den Zahn mit der Herdenimmunität, die so oft als Argument für das Impfen genannt wurde: Die würde es wohl nie geben, so Streeck. 40.000 Menschen in einem Stadion, da wüsste man nicht einmal, ob das ein Anlass für ein gesteigertes Infektionsgeschehen sei. Man müsse noch viel mehr lernen. Möglicherweise gäbe es dann auch noch im Winter Großveranstaltungen.

Möglicherweise, vielleicht, irgendwann oder nie mehr. Und dann bekommen die drei am Tresen noch ein paar Fragen gestellt, deren Antworten man sich getrost sparen kann – inklusive der Fußballerzählungen eines Gerhard Delling, der den deutschen Fußballmännern nur geringe Siegchancen gibt, aber Frankreich und Spanien toll findet. „Jogi Löw hört auf, Angela Merkel hört auf …“ Ach, jetzt hört doch endlich auf Sandra Maischberger.

 

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger. Er schrieb schon früh und regelmäßig für Szene-Magazine Kolumnen. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Volkswagen tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“

Bild: Screenshot/Das Erste
Text: Gast
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