Bibeltext an der Berliner Schlosskuppel soll überschrieben werden Kulturstaatsministerin Roth ohne Verständnis für Kultur

Ein Gastbeitrag von Vera Lengsfeld

Claudia Roth hat auf grünem Ticket schon jede Menge Posten bekleidet, denn sie gilt innerhalb der Partei als eine wichtige Vertreterin des linken Flügels. Unter anderem schasste der damalige grüne Außenminister Joschka Fischer seinen fähigen Menschenrechtsbeauftragten Gerd Poppe, weil für Roth ein Posten gebraucht wurde. Was Poppe als Menschenrechtsbeauftragter geleistet hat, war herausragend, Roth dagegen blieb in dieser Funktion eher unauffällig.

Dafür war sie gut sichtbar, als sie in einer linksradikalen Demonstration hinter einem Transparent mit der Aufschrift: „Deutschland, Du mieses Stück Scheiße“ herlief. Angeblich hatte sie diese Losung nicht gesehen und auch die entsprechenden Rufe, die ihre Mitdemonstranten von sich gaben, nicht gehört. Ihrer Karriere hat es nicht geschadet und sie hat 2014 sogar den Bayrischen Verdienstorden vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer umgehängt bekommen. Auch der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz ließ sich in enger Umarmung mit Roth ablichten.

Mit der Freiheit stehen die Grünen eher auf Kriegsfuß

Mit Spannung darf man erwarten, wie der Oppositionsführer Merz auf die Mitteilung reagieren wird, dass Roth jetzt kraft ihres Amtes gegen die Europa prägende christliche Kultur kämpfen will. Sie will den Bibeltext an der Berliner Schlosskuppel „temporär“ verhängen lassen. Das Bibelzitat soll mit „alternativen, reflektierenden, kommentierenden Texten“ überschrieben werden. Die Inschrift, die von Wilhelm IV. ausgewählt wurde, lautet: „Es ist in keinem andern Heil, […] denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Das ist kein Herrschaftsanspruch des Christentums, wie der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, gegenüber der B.Z. äußerte, sondern die Aufforderung, „dass sich Menschen nur vor Gott verbeugen und keiner irdischen Macht diese Ehre erweisen sollen“. Daraus spreche eine große Freiheit, so der Erzbischof weiter. Aber mit der Freiheit stehen die Grünen eher auf Kriegsfuß.

Es macht nicht nur Roths Unverständnis gegenüber der eigenen Geschichte, gegenüber der besonderen und herausragenden Rolle des Christentums für unsere abendländische Kultur und ihr völlig verzerrtes Bibelverständnis fassungslos.

Es ist ihre generelle Ahnungslosigkeit, was Europa zu dem Erfolgsmodell gemacht hat, das es, wenn auch zunehmend dekonstruiert, immer noch ist. Natürlich kann man zu Recht vieles in der Geschichte des Christentums und des Westens kritisieren, zum Beispiel seinen Kolonialismus.

Man muss aber gleichzeitig sehen, dass der Antikolonialismus ebenfalls ein europäisches Produkt ist. Wenn eine Kultur weltoffen ist, dann ist es die westliche.

Wirkliche Weltoffenheit heißt doch, nirgendwo religiös bzw. weltanschaulich völlig dicht zu machen. Aber eine regelrechte Intoleranz gegenüber dem christlichen Glauben, sowie den eigenen geschichtlich-kulturellen Wurzeln, tritt bei Claudia Roth überdeutlich zu Tage. Weltoffen und weltzugewandt kann nur derjenige sein, der selbst kulturell verwurzelt ist und der zugleich kritisch reflektierend zu den Ambivalenzen der eigenen Geschichte und kulturell-religiösen Herkunft steht. Niemand kann andere religiöse Überzeugungen und Kulturen achten und verstehen, wenn er schon die eigenen Prägungen geringschätzt und missachtet.

Religionsfreiheit bedeutet Pluralität und Akzeptanz der unterschiedlichen Perspektiven und Wahrheitsansprüche. Die Verleugnung der eigenen geschichtlich gewachsenen religiösen Wurzeln ist alles andere als ein guter Beitrag zur Förderung von Religionsfreiheit. Religionsfreiheit ist eine der Hauptvoraussetzungen für gelebte Freiheit und sogar eine unverzichtbare Voraussetzung für die Achtung von universalen Menschenrechten.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Thüringen, ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Sie betreibt einen Blog, den ich sehr empfehle. Der Beitrag erschien zuerst auf Vera Lengsfelds Blog.

Bild: Mo Photography Berlin/Shutterstock

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