Christlicher Fundamentalismus? Schule verbietet Osterbräuche Aus Rücksicht auf Muslime

Von Kai Rebmann

Niki Glattauer ist in Österreich so etwas wie der Dr. Sommer für Lehrer. Pädagogen aus dem ganzen Land wenden sich mit ihren Sorgen und Nöten an den ehemaligen Schuldirektor, der diese Fragen in einer Kolumne in der Zeitung „Heute“ beantwortet. Jetzt erreichte den gebürtigen Schweizer eine Zuschrift einer Kollegin aus Oberösterreich, deren Inhalt man noch vor wenigen Jahren wohl sofort als Fake abgetan hätte.

Das Osterfest steht vor der Tür, sprich der wichtigste Feiertag des Christentums. Die hilfesuchende Lehrerin, die eigenen Angaben zufolge eine Klasse der Unterstufe einer AHS (Allgemeinbildende Höhere Schule, vergleichbar mit dem Gymnasium) unterrichtet, hat daher die Planungen entsprechend vorangetrieben und wollte einen passenden Rahmen schaffen. Deshalb wurde unter anderem das Klassenzimmer mit Palmzweigen geschmückt und der Besuch eines lokalen Ostermarktes auf den Stundenplan gesetzt.

Verwandlung des Klassenzimmers in eine Kirche

Was in Mitteleuropa, noch dazu im (einst) erzkatholischen Österreich, eigentlich die normalste Sache der Welt sein sollte, sorgte jetzt für ein ausgewachsenes Politikum. Die Eltern eines mutmaßlich muslimischen Schülers, die in zweiter Generation aus Bosnien-Herzegowina stammen, wandten sich per „Schoolfox-App“ an die Lehrerin: „Unser Kind reagiert auf die Verwandlung seines Klassenzimmers in eine Kirche sehr verstört. Auch ein Ostermarkt ist für M. völlig unzumutbar. Wir werden unser Kind daher vorläufig zu Hause lassen.“

Mit anderen Worten: Die Eltern „drohen“ der Pädagogin mit einem einseitigen Verstoß gegen die gesetzliche Schulpflicht, die in Österreich ebenso gilt wie in Deutschland. Grund genug für eine entsprechende Meldung bei der Schulleitung, so jedenfalls die Überzeugung der Lehrerin. Doch die Frau hatte die Rechnung ohne ihre Vorgesetzten gemacht, die nicht etwa die Eltern des Schülers zur Ordnung riefen, sondern die Lehrerin.

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Sie habe „unsensibel agiert“ und solle dafür sorgen, dass die Palmzweige umgehend wieder aus dem Klassenzimmer verschwinden. Begründung: Für „christlichen Fundamentalismus“ gibt es die Karwoche.

Böser Fundamentalismus, guter Fundamentalismus

Doch was ist unter „christlichem Fundamentalismus“ überhaupt zu verstehen? Die „Beratungsstelle Extremismus“, finanziert vom Bundeskanzleramt in Wien, will aufklären und informiert dazu wie folgt: „Christlich-fundamentalistische Gruppierungen berufen sich auf die Bibel als nicht zu hinterfragendes Wort Gottes und befolgen die Handlungsanweisungen der Bibel wörtlich und ohne Interpretation im historischen Kontext.“

Dinge, die nie hinterfragt werden dürfen, war da nicht etwas? Zugegeben, man muss einen gewissen thematischen Bogen schlagen, aber die oben zitierte Definition zwingt einen ja förmlich dazu. Während der vergangenen drei Jahre wurde Deutschland, und im übrigen auch Österreich, mit geradezu dogmatisch wirkenden „Handlungsanweisungen“ überzogen – sei es das Maskentragen, der Lockdown oder nicht zuletzt das Impfen. Nur kamen die nicht aus der Bibel, sondern aus dem RKI, und wurden von den „Zeugen Wielers“ mit religiösem Eifer befolgt, allen offenen Widersprüchen zum Trotz.

Es geht auch anders – wenn man will

Dieser Vergleich zeigt eindrücklich, wie schnell staatliche Stellen inzwischen dabei sind, sich den Vorgaben des Zeitgeistes zu unterwerfen. Eine einzige Beschwerde einer Familie, der es offensichtlich an jeder Bereitschaft zur Integration fehlt, reicht aus, um eine Lehrerin an den Pranger zu stellen. Zur Erinnerung: Integration setzt die Anpassung des Einzelnen (oder der Wenigen) an die Kultur und die Bräuche der Vielen voraus – nicht umgekehrt.

Dass es auch anders geht, zeigt das ebenfalls von Niki Glattauer zitierte Beispiel einer Volksschule in Wien. Auch dort hat man sich mit Ostern auseinandergesetzt und sich Gedanken zur Gestaltung dieses Festes gemacht. An der betreffenden Schule liegt der Anteil muslimischer Schüler dem Bericht zufolge bei rund 30 Prozent, weshalb es auch einen separaten islamischen Religionsunterricht gibt.

Per Elternbrief wurde ein Oster-Projekttag „für alle“ angekündigt, der unter anderem mit dem Binden von Sträußen, Eierfärben und einem Osterspiel gestaltet werden soll. Im Mittelpunkt sollen dabei die „Kreuzigung und Auferstehung Jesu“ stehen. Die Aktion wird von der Islam-Lehrerin der Schule unterstützt, in einem Zusatz zum Elternbrief bittet sie deshalb, „die Bräuche des Osterfestes zu respektieren und Ihre Kinder mitfeiern zu lassen. Wir haben nicht dieselbe Religion, aber Jesus ist auch im Koran ein Prophet“.

Glattauer zitiert aus dem Schreiben der Schulleiterin: „Wir verleugnen unsere Sitten und Bräuche nicht, sondern setzen auf interreligiösen Dialog.“ Den Angaben zufolge haben Eltern muslimischer Schüler aus Syrien und Afghanistan die Aktion unter anderem durch die Spende von Eierfarben und Osterschmuck unterstützt.

Und die Moral der Geschicht’? Wer einmal den Kniefall probt, wie in diesem Fall eine Schule in Oberösterreich bzw. deren Leitung, der wird das immer wieder tun. Wer hingegen auf die Bewahrung seit Jahrhunderten bestehender Traditionen der hiesigen Kultur und Gesellschaft besteht, der leistet den eigentlichen Beitrag zu einer gelingenden Integration.

Ausschreibung zur Fahndung durch die Polizei, Kontenkündigungen, Ausschluss aus der Bundespressekonferenz: Wer in Deutschland kritisch berichtet, sieht sich Psychoterror ausgesetzt. Und braucht für den Spott der rot-grünen Kultur-Krieger nicht zu sorgen. Ich mache trotzdem weiter. Auch, weil ich glaube, dass ich Ihnen das schuldig bin. Entscheidend fürs Weitermachen ist Ihre Unterstützung! Sie ist auch moralisch sehr, sehr wichtig für mich – sie zeigt mir, ich bin nicht allein und gibt mir die Kraft, trotz der ganzen Schikanen weiterzumachen! Ganz, ganz herzlichen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung, und sei es nur eine symbolische!
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.
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