Das Kartell der Mittelmäßigkeit will die CDU nicht aus den Klauen lassen "Die gleichen Köpfe ein wenig neu gruppieren"

Von Klaus Kelle

Thüringens CDU-Landesvorsitzender Christian Hirte hat gestern gesagt, dass die Parteispitze der Union “zeitnah mit der Basis ins Gespräch kommen” müsse. Tolle Idee, oder? Nach meinem Verständnis müsste eine Parteispitze sowieso jederzeit mit den eigenen Mitgliedern im Gespräch sein.

Die CDU-Nomenklatura, die Führungsgremien Bundesvorstand und Präsidium, ist eine Ansammlung von Spitzenpolitikern, die allesamt einfach nur versagt haben. Erst nur durch Unterlassen, indem sie Merkel jahrelang haben gewähren lassen. Sie haben ihre Partei nach der schlimmsten Wahlschlappe 2017 noch einmal um weitere 8,4 Prozent runtergewirtschaftet. Sie haben dafür gesorgt, dass der an der Parteibasis unbeliebteste Kandidat erst Bundesvorsitzender und dann sogar noch Kanzlerkandidat wurde. Und das alles, um ihr größtes Talent Friedrich Merz zu verhindern. Denn der ist unabhängig vom System, unabhängig von Partei und Mandat – er wäre frei, zu tun, was jetzt richtig und notwendig ist nach dem Merkelschen Abbruch.

Dieses Geschwurbel in den vergangenen 48 Stunden, Leute wie Ministerpräsident Daniel Günther aus Schleswig-Holstein, die auf jeden Fall auch dieses Mal wieder keinen Mitgliederentscheid zulassen wollen, damit sie nicht endgültig die Kontrolle über die einstmals große Volkspartei verlieren, sind unerträglich. Hätte die Partei auf ihre Basis gehört, die Junge Union hatte das schon vor zwei Jahren vorgeschlagen, wäre das alles nicht passiert. Dann wäre die Union mit Merz in den Bundestagswahlkampf gezogen, hätte 32 oder 33 Prozent geholt und würde nun eine erneute Bundesregierung unter Führung der Union bilden.

Aber das wird nicht passieren. Das Kartell der Mittelmäßigkeit, all die mäßig begabten Politdarsteller, haben das Erbe und die Traditionen ihrer Partei verraten. Und nun wollen viele von ihnen die Mitglieder erneut außen vor halten. Die dürfen zu Veranstaltungen kommen und eifrig klatschen für gute Fotos in der Lokalpresse, im strömenden Regen Plakate kleben und sich an Infoständen von den Bürgern beschimpfen lassen für das Versagen Ihrer Vorturner. Sie dürfen Beiträge zahlen und spenden, aber wenn entschieden wird, wie die Zukunft ihrer Partei aussehen soll, dann haben sie gefälligst den Mund zu halten.

Bundesvorstand und Präsidium der CDU und übrigens auch der CSU haben in den vergangenen drei Jahren ein jämmerliches Bild abgegeben. Die Union taumelt am Abgrund, keiner weiß, für was diese Parteienfamilie noch steht. Und jetzt wollen die Nieten in Nadelstreifen unter sich sein, die gleichen Köpfe ein wenig neu gruppieren, und dann so weitermachen wie bisher.

Das kann niemand wollen, der es noch irgendwie gut meint mit der Partei Adenauers und Kohls.

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Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs. Heute leitet der Christdemokrat die Internet-Zeitung „The Germanz“. Dieser Beitrag ist zuerst dort erschienen.

 
Bild: nitpicker/Shutterstock
Text: Gast

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