„Wir müssen vom Sofa runter!“ Ein Appell von Klaus Kelle

Ein Gastbeitrag von Klaus Kelle

Corona und Lockdown machen ernsthafte politische Aktivitäten zur Zeit nahezu unmöglich. Parteitage fallen aus, Stammtische auch, Seminare sowieso. Demonstrationen finden gelegentlich statt, was erst einmal gut ist im Sinne des demokratischen Prozesses. Der neue Gesetzentwurf im Bundestag als Basis für andauernde und wiederkehrende Einschränkungen unserer Grundrechte beunruhigt verständlicherweise viele Bürger. Andererseits: Wenn Covid-19 oder irgendwann auch andere Viren oder Naturkatastrophen wirklich entschlossenes Handeln der Regierung erfordern, kann man eben den Regierenden auch nicht jedes Instrumentarium, das dafür möglich sein muss, verweigern oder aus der Hand schlagen. Was ja oft schon passiert, wenn zum Beispiel der Datenschutz von Grün_*Innen höher bewertet wird als effektiver Kampf gegen Terroristen oder Kinderschänder. Dieser Staat, eigentlich eine großartige Erfindung mit garantiertem Recht auf Leben und Würde, mit Gewaltenteilung und Freiheit von Gedanken und Rede, mit Wohlstand und sozialer Absicherung wie kaum sonst auf der Welt, droht in eine bedrohliche Schieflage zu geraten.

Wohin ich auch in diesen Tagen komme, nahezu alle sagen: Klaus, wir müssen etwas tun. Das geht nicht so weiter. Mit einem Freund stand ich gestern auf einer Terrasse in der strahlenden Mittagssonne, und wir hatten genau dieses Thema. Es geht nicht mehr nur darum, wen wir alle vier Jahre wählen. Bei der derzeitigen politischen Gemengelage ist das nahezu bedeutungslos. Wird es nächstes Jahr eine schwarz-grüne Bundesregierung geben, ist das ganz schlecht. Wird es eine rot-rot-grüne Bundesregierung geben, dann ist das ganz, ganz schlecht. Aber sollte eine Bundestagswahl nicht den Zweck haben, etwas Gutes zu wählen? Das Richtige anzustreben, statt nur das Allerschlimmste zu verhindern oder dem “kleineren Übel” zwei Kreuze zu schenken?

Und genau das ist das Problem. Wir alle hoffen, dass es nicht so schlimm wird. Dass Frau Merkel endlich aus dem Kanzleramt verschwindet und man in den nächsten zehn Jahren die katastrophalen Fehlentwicklungen reparieren kann. Wir freuen uns, wenn in der Palaverrunde der unsäglichen “Anne Will”-Sendung am Sonntagabend zwischen all den uniformen Worthülsen auch mal wenigstens EINER zu Wort kommt, der Klartext redet.

Erinnern Sie sich noch an den armen Philipp Amthor von der CDU, der in eine aufgeregte Runde von Feministinnen eingeladen wurde – einzig zu dem Zweck, vor großem Publikum dort “geschlachtet” zu werden? Oder wenn Jörg Meuthen, der Vorsitzende der größten Oppositionspartei im Lande, zwei Mal pro Jahr kommen darf, während Ober-Grüne dort als Dauergäste fast einen eigenen Sessel mit Namensschild aufstellen könnten. Da freuen wir uns über dieses öffentlich-rechtliche Höchstmaß an Meinungsvielfalt. Es ist immer das gleiche Muster: eine Gutmenschen-Majorität trifft auf einen Watschenmann, um ihn oder sie öffentlich auspeitschen zu können. Und am nächsten Morgen kann man im Mainstream nachlesen, dass das Gute wieder mal gesiegt hat. Es ekelt mich an.

Wie Meinungsvielfalt möglich ist, konnten wir alle wieder in den vergangenen Tagen anschaulich beim Wahlkrimi in den USA erleben. Natürlich ist FOX NEWS nicht neutral, aber das muss es auch gar nicht sein. Denn es gibt ja CNN oder NSNBC, die auch nicht neutral sind. Und deshalb gibt es klare Positionierungen und jeder kann dort schauen und sehen, wie sich Progressive und  Konservative ihre Standpunkte um die Ohren hauen. Da ist Leben in der Bude, da herrscht wirklich bunte Vielfalt – und das ganz ohne Zwangsgebühren und Claus Kleber.

Ich weiß, der Gedanke ist Ihnen noch nie gekommen. Wie auch? Aber wissen Sie, dass es tatsächlich auch möglich wäre, eine Talkshow mit vier Abtreibungsgegnern und einem Gender-Watschenmann zu produzieren? Oder mit vier Teilnehmern, die strikt gegen Massenmigration argumentieren und Frau Rakete als Watschenfrau? Oder eine Runde, in der vier Teilnehmer für neue Atomkraftwerke in Deutschland argumentieren, und Fräulein Thunberg mittendrin traurig guckt. Das wäre mal Eventfernsehen, oder? Aber wir werden das nicht erleben, weil niemand in diesem medialen Einheitsbrei wagt, wirkliche Meinungsfreiheit zuzulassen. Wir alle in den sogenannten alternativen Medien halten dagegen – auch mit wachsendem Erfolg, aber weitab von den finanziellen Möglichkeiten und Reichweiten der Milliardenkonzerne.

14 Millionen Menschen bezahlen in Deutschland die große Party, wissen Sie das? Das sind die Leute, die mit ihrer Arbeit und ihren Steuern den Laden am Laufen halten. Und weil das alles Masochisten sein müssen – anders ist es nicht zu erklären – lassen sie sich willenlos am Nasenring durch die Manege führen. Alle schauen zu, alle halten sich brav an jede noch so dämliche Vorschrift, alle bezahlen, alle gehorchen, alle wollen mit ihren abweichenden Meinungen bloß nicht auffallen.

Wir müssen grundsätzlich umdenken. Und wir müssen vom Sofa runter! Wir müssen aufstehen, uns bekennen zu dem, was richtig ist. Und ja, wir müssen auch in unsere Geldbörsen schauen. Was könnten wir alles allein medial aber auch politisch tun, wenn es finanzierbar wäre. Es ist an der Zeit, aktiv zu werden. Wir dürfen nicht mehr abseits stehen und zuschauen – das gab es schon mal vor 90 Jahren in Deutschland: das Totalversagen der bürgerlichen Mitte gegenüber den Extremisten, den Feinden der Demokratie und der Freiheit. Und wir haben nichts gelernt. Vielleicht ist jetzt unsere letzte Chance für lange Zeit …


Bild: Lightspring/Shutterstock
text: Gast


Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-Online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs. Dieser Beitrag ist auch auf seinem Blog „Denken erwünscht“ erschienen.


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A.F.
3 Monate zuvor

Zu Maria: Schreibt und ruft eure Abgeordneten an! Durch eine Gruppe auf Telegram gibt es zwar die Erfahrung, dass nur ABs laufen. Aber auch die werden abgehört. Quatscht sie voll, höflich! unter Namensnennung, und fragt an, wie er/sie stimmen wird. Sagt, dass ihr eurer Mandat zurückzieht, ihr sie nicht mehr wählt, wenn die Absicht besteht, für die Änderung des Gesetzes zum Infektionsschutzes zu stimmen. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Maria
3 Monate zuvor

Es stimmt schon, man sollte mehr tun und vom Sofa hochkommen. Allerdings frage ich mich, was und wie? Für „Andersdenker“ gibt es kaum wirklich öffentlichkeitswirksame Plattformen, die ÖR fallen regelrecht über diese „schlimmen Verschwörungstheroretiker“ her und selbst im eigenen Bekanntenkreis wird man bestenfalls noch müde belächelt, im schlimmeren Fall heißt es, „sei doch still und behalte deine krude Meinung für dich“. Macht man die Maske nach dem Einkauf schon beim Rauslaufen ab, wird man entweder mit Blicken erdolcht oder rüde beschimpft. Es ist kaum machbar, den Leuten das Umdenken näher zu bringen da sie gar nicht bereit dazu sind. Und der soziale Druck der überall ausgeübt wird, macht es auch nicht gerade einfacher. Eigentlich ein simples System. So wird es unserem Regime ganz einfach gemacht, die unsinnigsten Sachen umzusetzen. Wir bekämpfen uns gegenseitig selber…

Hans-Hasso Stamer
3 Monate zuvor

@ SK: Sorry, die Mauer wäre auf gar keinen Fall früher gefallen. Entscheidend war, dass Gorbatschow seine Hand von der DDR-Führung abgezogen hatte und die Russenpanzer in den Kasernen blieben. Erst als das einer Mehrheit klar war, und das war nach dem Besuch von Gorbatschow in der DDR um den 7. Oktober herum klar, gab es kein Halten mehr. Am 9. Oktober wurde die Wende in Leipzig durchgesetzt und damit war auch klar, dass irgendwann die Mauer fallen würde. Vorher wäre es auch Selbstmord gewesen. Egal ob mit Maske und Kaffee oder ohne. Über solche Kleinigkeiten hätte sich in der DDR keiner aufgeregt.

Hans-Hasso Stamer
Antwort an  Hans-Hasso Stamer
3 Monate zuvor

Sorry, ich war zu schnell. Der letzte Satz muss gestrichen werden. Aufgeregt hätte man sich schon, aber nur „privat“. Keiner hätte aber sein Leben, seine Gesundheit oder seine Existenz deswegen riskiert. Und darauf lief es hinaus, wenn man sich gegen den Staat stellte.

Georg Bauer
3 Monate zuvor

Der Begriff „Gutmenschen“ ist missverständlich. Gutmenschen sind keine guten Menschen, sondern instrumentalisieren Themen zur Machterweiterung.

Nordlicht
3 Monate zuvor

Machen wir uns nichts vor: Die Wenigsten sind zu Helden geboren, die für „die Gemeinschaft“ (- das Volk, Deutschland etc.) ins Gefängnis gehen oder sich von linken Schlägern verprügeln lassen. Ich beschränke mich auf – ungefährliche – Meinungsäusserungen und Spenden an UNSERE.

Meine Kinder sind erwachsen und haben durchweg Mainstream-Ansichten bzw noch linkere Positionen, bezweifeln weder „white guilt“, Klimakatastrophe noch die Richtigkeit von Murkels Corona-Politik samt dahinter laufendem Reset. Da entfällt bei mir die Motivation „Ich kämpfe für die Zukunft der Kinder“ weitgehend.

 

Gert
Antwort an  Nordlicht
3 Monate zuvor

Das kann ich Ihnen nachfühlen.

Aber gehen Sie doch davon aus, daß Ihre Kinder nur medial verblendet sind.

Ich selbst bin ja noch in den 60/70er Jahren mit dem Duktus links=gut; rechts = böse aufgewachsen und war in den ersten Jahren der Grünen mit Feuereifer dabei.

Aber da war Marxismus und NWO noch kein Thema; jedenfalls nicht bei der Mehrheit.

 

Heute bin ich schlauer und möchte Merkel und ihren Marionettenspielern nicht meine Nation überlassen.

Indigoartshop
Antwort an  Nordlicht
3 Monate zuvor

Mein ehrliches Beileid. Wenn schon die engsten Angehörigen nach fremder Pfeife tanzen, kann man nur noch resignieren. Ich komme mir manchmal vor wie in einem B-Movie, wo Außerirdische in die Gestalt menschlicher Körper schlüpfen (Die Nacht der Körperfresser, oder so ähnlich), um dann den Planeten in Besitz zu nehmen. Also viel fehlt nicht mehr an der aktuellen Story. Zum Beweis der Bericht von der BPK von Herrn Reitschuster. Den sogenannten Pressesprecher Seibert habe ich aus seiner Zeit beim ZDF in durchaus in guter Erinnerung. Und heute? Der Mann wirkt wie ausgewechselt. Sein Zynismus und die gezeigte Verachtung sind bemerkenswert.

Hein Noog
3 Monate zuvor

Hier ein Kommentar, der nur indirekt etwas mit dem eigentlichen Artikel zu tun, aber irgendwie doch.

Heute wäre ein guter Tag einen Großversuch zu starten, wie leistungsfähig die Erzeugung von Grünstrom tatsächlich ist. Also mal alle konventionellen Kraftwerke drosseln oder abstellen und sehen was passiert. Die Importe von schmutzigen Strom müssen auch gestoppt werde. Was würde passieren? Schaut euch dazu die Webseite Agorameter an.
https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/08.11.2020/11.11.2020/
Selbst wenn noch 100000 Windräder aufgestellt würden und die halbe Republik mit Solarpanelen zu gepflastert wäre, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint, geht die Glotze und das Licht aus.

Hein Noog
3 Monate zuvor

Herr Kelle, Sie haben ja so recht, aber es geht den Vielen die nötig wären für einen wirksamen Protest noch viel, viel zu gut. Reden Sie mit dem geeinen Volk, rbeitskollegen, Nachbarn, da hört man, man müßte, man sollte, es gehört mal, das ist alles, dann nehmen Sie wieder Platz auf dem Sofa und lassen sich von Kleber in den Schlaf quatschen. Wer ist „Man“, das ist genauso nebulös wie Merkels „Wir“ und  „Mann und Männer“ in den Mainstream-Medien. Ja und es wird den Leuten der Schneid schon auf der untersten Ebene der Politik abgekauft. Kleines Beispiel gefällig, ein Bekannter hat auf der Kreistagsliste für die AFD kanditiert, es hat nicht lange gedauert, war das Garagentor mit AfD… verschmiert. Ja was soll man da machen, der Polizei melden, sinnlos. Wohlgemerkt, das war in der unterfränkischen Provinz.

 

Gert
3 Monate zuvor

Tut mir leid, Herr Kelle,

aber das ist ein relativ sinnloser Artikel.

Allein das

„Dieser Staat, eigentlich eine großartige Erfindung mit garantiertem Recht auf Leben und Würde, mit Gewaltenteilung und Freiheit von Gedanken und Rede, mit Wohlstand und sozialer Absicherung wie kaum sonst auf der Welt, droht in eine bedrohliche Schieflage zu geraten.“

schildert den Zustand dieses Landes zu einem Zeitpunkt, als Merkel die Grenzen aufgerissen hat.

Mittlerweile sind wir 5(!) Jahre im Eilschritt weiter.

Demoverbote unter fadenscheinigen Vorwänden, Verhaftungen wegen „falscher Meinungen“ und Indoktrination und Verfolgung auf allen Ebenen bis in die Kindergärten hinein https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/corona-kinder-105.html sind Standard.

Oppositionellen Gruppen werden die Konten und die Versammlungsorte gekündigt und sie stehen in ständiger Gefahr, körperlich von einer Schattenarmee, die von unserer Regierung nicht nur geduldet, sondern auch über Ecken massiv finanziert wird, angegriffen zu werden.

Und da kommen Sie mit solchen Sachen wie der Andersbesetzung von Talkshows.

Glauben Sie ernsthaft, daß wäre nicht genau so geplant und beabsichtigt, wie es gerade läuft?

Glauben Sie, die politischen Zustände wären einfach nur irgendwie etwas verrutscht und man müsse die Haltungsjournalisten nur aufklären, weil sie selbst nicht merken, daß sie was falsch machen?

 

Hier läuft eine Riesenaktion gegen den freien Willen der westlichen Kultur.

Und wir haben Bürgerkrieg.

Und da würden mich (und Millionen andere) Ihre konkreten Vorschläge interessieren, wie man wieder demokratische Verhältnisse herstellen kann.

Sorry, aber so was macht mich wütend.

 

Indigoartshop
3 Monate zuvor

„Der neue Gesetzentwurf im Bundestag als Basis für andauernde und wiederkehrende Einschränkungen unserer Grundrechte beunruhigt verständlicherweise viele Bürger. “ Mitnichten. Viele Bürger haben gar nicht mitgekriegt, was da vorbereitet wird oder es ist ihnen egal. Und nicht wenige befürworten das Ganze, weil – „die“ machen es schon richtig.  Und die wenigen, die klarsehen, die staunend zu Kenntnis nehmen müssen, daß 1933 kein Betriebsunfall der Geschichte gewesen ist, sondern daß es der Normalfall ist.  Sehr schön zu beobachten ist die konzertierte Aktion von L-Medien bis  Grüßaugust  am Beispiel Widerstand gegen die Coronamaßmahmen.  Es geht nicht um Mindestabstände oder Mund-Nasen-Schutz. Das wissen selbst die Dümmsten unter den Akteuren. Nein, das Ziel ist die Zerschlagung der bürgerlichen Mitte und die Errichtung einer Diktatur im Gewand einer Scheindemokratie=Sozialismus (ob brauner oder rotergrüner Sozialismus ist egal, ist dasselbe) zwecks Absicherung der Herrschaft einer Elite, die schon lange weiß, daß die Ressourcen dieser Welt nicht für alle reichen.

Michael
Antwort an  Indigoartshop
3 Monate zuvor

@indigoartshop Jepp. Inteligenz und Intellekt sind halt verschiedene Schuhe, von Empathie gar nicht erst zu reden. Erst, wenn es an den eigene Wohlstand geht, wird gehandelt. Dann ist es längst zu spät. Und es wird wieder jede Menge Wendehälse geben…

Phantombürger
3 Monate zuvor

Tja, das Böse zeigt sich nicht immer in alt bekannten Gesichtern.

Diesmal hat das Böse sich halt mal entmenschlicht. Jetzt ist es ein Virus.