Deutscher Impf-Internationalismus: Selbstlosigkeit oder Heuchelei? Umfrage: EU-Solidarität wichtiger als schnelles Impfen

Die europäische Solidarität geht offenbar bei einer Mehrheit der Menschen in Deutschland über das Interesse, möglichst schnell möglichst viel Impfstoff für Deutschland zu bekommen. Zumindest könnte man so das Ergebnis einer Umfrage auffassen, die ich bei dem Meinungsforschungsinstitut INSA exklusiv in Auftrag gegeben habe. Mehr als 2000 Menschen in allen Bundesländern wurden dazu repräsentativ per Telefon und Online befragt. Sie sollten angeben, ob sie folgender Aussage zustimmen: „Es war richtig von der Bundesregierung, bei der Bestellung und Verteilung der Impfstoffe gegen COVID-19 der Europäischen Kommission den Vorrang zu lassen, die Bestellungen für alle Länder gemeinsam zu verhandeln und entscheiden.“

Insgesamt ist eine relative Mehrheit von 45 Prozent der Ansicht, dass es richtig von der Bundesregierung war, bei der Bestellung und Verteilung der Impfstoffe gegen COVID-19 der Europäischen Kommission den Vorrang zu lassen, sodass diese die Bestellungen der Länder gemeinsam verhandelt und darüber entscheidet. Ein knappes Drittel (31 Prozent) der Befragten stimmt dem nicht zu.

 

Befragte ab 60 Jahren stimmen der Aussage häufiger zu als Befragte, welche jünger sind (51 zu 37 zu 46 Prozent).

 

Befragte aus dem Westen Deutschlands sind häufiger der Ansicht, dass das gemeinsame europäische Vorgehen bei der Beschaffung und Verteilung der Impfstoffe gegen COVID-19 richtig war, als dies Befragte aus dem Osten so empfinden (46 zu 41 Prozent). Diese halten dieses Vorgehen etwas häufiger für falsch (35 zu 30 Prozent).

 


Befragte mit Abitur oder Fachhochschulreife halten dieses Vorgehen deutlich häufiger für richtig, als dies Befragte mit einem geringeren formalen Bildungsabschluss empfinden (52 zu 37 bzw. 40 Prozent).

 

Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen ab 3.000 Euro halten das gemeinsame europäische Vorgehen häufiger für richtig als die anderen Befragten (jeweils 52 zu 37 bis 46 Prozent).

 

Wähler der AfD (66 zu 11 Prozent) halten das gemeinsame europäische Vorgehen bei der Bestellung und Verteilung der COVID-19-Impfstoffe absolut-mehrheitlich für falsch, Wähler der FDP relativ-mehrheitlich (47 zu 35 Prozent). Die anderen Wählergruppen halten dieses Vorgehen absolut-mehrheitlich für richtig (Zustimmung: 54 bis 71 Prozent).

Mir ist völlig bewußt, wie umstritten der Impfstoff vor allem wegen der sehr kurzen Entwicklungs- und Prüfungszeit ist. Da ich persönlich nicht zur Risiko-Gruppe gehöre, und völlig unklar ist, ob der Impfstoff dazu beiträgt, dass der Geimpfte andere nicht mehr ansteckt, würde ich persönlich mich auf absehbare Zeit nicht impfen lassen. Kritiker mit Hang zum Sarkasmus sagen, es sei gut, dass unsere Regierung bei der Beschaffung von Impfstoff versagt habe. Ich glaube aber nicht, dass dies bei dieser Umfrage ein wesentlicher Aspekt bei einer größeren Anzahl von Befragten war. Das in Medien und Politik verbreitete Narrativ ist ja, je schneller und je mehr geimpft wird, umso schneller geht es zurück in ein halbwegs normales Leben. Insofern bleibt die Schlussfolgerung, dass einer Mehrheit europäische Solidarität über die eigenen Interessen geht. Oder dass sie sich bei einer Umfrage nicht mehr trauen, etwas anderes anzugeben.


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Bild: rawf8/Shutterstock
Text: red


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