Die ARD – eine große Familie Schäubles Tochter wird Programmdirektorin

Wer den öffentlich-rechtlichen Sendern eine Nähe zur Politik nachsagt, wird von den Gralshütern des Zeitgeists sofort heftig attackiert. Für die Verwendung des Begriffes „Staatsfunk“ folgt schnell die Diffamierung als „Verschwörungstheoretiker.“ Und nun das: Ausgerechnet die Tochter von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), Ehefrau von Thomas Strobl, dem CDU-Landesvorsitzenden und Innenminister von Baden-Württemberg, wird Programmdirektorin beim größten öffentlich-rechtlichen Sender – der ARD: Christine Strobl.

Die 49-Jährige leitet seit nunmehr acht Jahren die ARD-Tochter Degeto. Diese befasst sich unter anderem mit dem Einkauf und der Eigenproduktion der Senderfamilie. So entstand etwa die Serie „Babylon Berlin“ durch das Mitwirken der Degeto.

Ab dem nächsten Jahr soll die gut vernetzte Frau den neuen Posten beziehen. Amtsinhaber Volker Herres, 63, zieht sich bereits vor Ablauf seines Vertrages zurück. Die Programmdirektion gilt als einer der wichtigsten Posten im gesamten öffentlich-rechtlichen System.

Die Programmdirektion für das ARD-Gemeinschaftsprogramm im Ersten ist in München angesiedelt und ist einer der höchsten Posten im öffentlich-rechtlichen System. Strobl wird damit maßgeblichen Einfluss auf die Inhalte dessen haben, was gesendet wird. Das Branchenmedium dwdl.de lobt die 49-Jährige: „Anerkennung verdiente sie sich schon kurz nach ihrem Antritt 2012 mit durchaus rigorosen Aufräumarbeiten bei der zuvor Skandal-gebeutelten Degeto. Ihr Wechsel zur Degeto war 2012 eine Aufgabe, die sich nur wenige antun wollten.“ Weiter schreibt dwdl: „Ihren Aufstieg in der ARD nach acht Jahren bei der Degeto kann man also als konsequenten Schritt bezeichnen, der dementsprechend auch unumstritten ist in den Anstalten.“

Kritiker sehen das anders und betrachten auch die „Unumstrittenheit“ als Beleg für fehlende Sensibilität des öffentlich-rechtlichen Systems. Egal wie man es wendet: Die Personalie ist Wasser auf die Mühlen der Gegner des gebührenfinanzierten Rundfunks. Diese beklagen oft eine zu große Nähe zwischen den Anstalten und der Politik. Und für die gibt es viele Anhaltspunkte. Nicht nur die Parteivertreter in den Kontrollgremien der Kanäle. Problematisch ist etwa auch, dass Angela Merkels langjähriger Pressesprecher Ulrich Wilhelm 2010 die „Fronten“ wechselte und direkt aus der Regierung an die Spitze des Bayerischen Rundfunks. Der ist seitdem noch weniger als zuvor durch Kritik an Wilhelms Ex-Chefin aufgefallen.

Umgekehrt wechselte ZDF-Anchorman Steffen Seibert 2010 aus dem öffentlich-rechtlichen System zur Kanzlerin und ist seither deren Sprecher. Es gab sozusagen eine Rochade – wenn man die Personalie Wilhelm mit einbezieht.

mvg

Doch auch mit den privaten Medien ist der Austausch virulent. So wechselten meine beiden früheren Focus-Kolleginnen Ulrike Demmer und Martina Fietz die Fronten und zogen aus der Redaktion ins Kanzleramt. Auch sie waren zuvor nicht durch besondere Kritik an der Regierungschefin aufgefallen. Das hätte den Wechsel wohl auch nicht gerade befördert. Heute spotten Kollegen, manche Hauptstadt-Journalisten berichteten so unkritisch über die Kanzlerin, dass sie sich offenbar einen Job im Kanzleramt erschreiben möchten. Und genau das ist das Problem.


Bild: Andrii Yalanskyi/Shutterstock
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