Die neuen grünen Spießer: Wie der Pirat im Ausguck Im Lastenfahrrad auf Nasenhöhe zu den Auspuffgasen

Von Ulrike Trebesius 

In den zentral gelegenen Stadtgebieten Hamburgs sind immer mehr Lastenfahrräder unterwegs. Meist gefahren von Eltern (nicht selten sogenannten Spätgebärenden, denn ein Lastenfahrrad ist nicht ganz preiswert), die verblüffender Weise ihre Kinder unbesorgt vor schlecht gefedertem Fahrwerk oft über hohe Bordsteinkanten oder Kopfsteinpflaster durch die Gegend fahren und sich dabei offensichtlich hip und woke fühlen. Straßenverkehrsregeln gelten selbstverständlich nur für andere. Und so schimpft Muddi auch schon mal dem Rentner hinterher, der bei Grün die Fußgänger-Ampel überquert und nicht schnell genug aus dem Weg springt, wenn sie rücksichtslos durch die die Straße überquerende Menschenmenge lenkt, ohne auch nur zu bremsen. Die Kinder, die im vorgebauten Sperrholzkasten mit angstverzerrtem Gesicht sitzen wie der Pirat im Ausguck, lernen hier gleich, wie das gemeinschaftliche Miteinander praktiziert wird, wenn das Rad mit dem Bug voran als Waffe eingesetzt wird.

Gemäß dem praktischen Fahrwerk ist die Bekleidung der Fahrenden oft ebenfalls durch praktische Aspekte geprägt. Man trägt – insbesondere in diesem kühlen und regnerischen Sommer in Hamburg – Regenkleidung sowie die üblichen modischen Insignien ökologisch geprägter Bürger. Niemand wäre früher auf den Gedanken gekommen, die notgedrungen schlecht frisierten Fahrer dieses ungelenken Gefährtes als cool zu bezeichnen. Nein, man hätte sie einfach Spießer genannt. Ungeschminkt, schlecht gekleidet und doch mit einem neuen Selbstbewusstsein ausgestattet.

Was früher bestenfalls für ein Lächeln ob dieses spinnerten Vehikels sorgte, das viel Platz wegnimmt, die Kinder zuverlässig ins Schleudertrauma bringt und wahrscheinlich schlecht zu steuern ist (soweit ich das im schnellen Vorbeifahren aus dem Diesel beurteilen kann), ist heute total angesagt! Früher hätten besorgte Mütter diskutiert, ob dies dem zarten jungen Gehirn des Sprösslings zugemutet werden soll, heute ist man stolz, die Brut auf Nasenhöhe zu den Auspuffgasen zu transportieren.

Nun ist meine Tochter 23 und soweit ich beurteilen kann, ist ihr Gehirn in tadellosem Zustand (sie würde niemals die Grünen wählen). Doch ich wäre vor Scham im Boden versunken, mit solch mittelalterlichen Gefährt unterwegs gewesen zu sein. Und sie wahrscheinlich auch. Sie saß in einem sicheren TÜV-geprüften Kindersitz in einem Auto, das im Zweifelsfalle mit einer Knautschzone Schlimmeres verhindert hätte. Mein Zugeständnis war damals, vom Rennrad aufs Mountainbike umzusteigen, um gemeinschaftlich durch Feld und Wald fahren zu können und sich an Flora und Fauna zu erfreuen. Aber was weiß ich alte weiße Frau schon.

Rückkehr zur Gaslaterne?

Ich stelle mir andere Fragen, wenn ich die Lastenfahrrad-Fahrer in Eppendorf und Winterhude weiträumig umfahre. Ich frage mich, ob die Fahrer demnächst zu den Mooren am Rande Hamburgs aufbrechen werden, um Torf zu stechen, den sie dann in ihren schicken Gründerzeit-Wohnungen verheizen. Torf ist vielleicht mehr Bio als Kohle und früher hat man das ja auch so gemacht. Wenn auch aus anderen Gründen. Offensichtlich sehnen sich viele Menschen wieder in eine Zeit zurück, in der die Welt und das Leben beschwerlich war. In eine Zeit, wo man die Kohlen-Briketts aus dem Keller in den fünften Stock schleppen musste, um den Kachelofen einzuheizen. Vielleicht sollten wir auch zu Gaslaternen zurückkehren und uns im Hinterhof Hühner halten. Es sind romantische Vorstellungen, die in einer Zeit, in der Modernisierung, Digitalisierung und Globalisierung für Verunsicherung zu sorgen scheinen, den Wunsch nähren, dass früher alles besser war.

Mit Fahrrädern und Einkaufsnetzen und dem Bio-Bauern, der seine schmutzigen Wurzeln an ein Publikum verkauft, das glaubt, nur eine überteuerte, von Erdbrocken umhüllte Möhre kann ein wertvolles Lebensmittel sein. Es ist wohl der Wunsch nach einer übersichtlichen Welt, in der die Produkte vermeintlich aus der Region kamen, der Wald noch heil und das Klima noch gesund war. Es ist ein zurück in eine Zukunft, die eigentlich eine Vergangenheit ist, an die sich kaum mehr jemand erinnert. So etwas kann in dieser Form nur in einer satten Gesellschaft gedeihen, die niemals Mangel und niemals Not litt.

Was die neuen Spießer übersehen, ist ihre begrenzte Sicht auf die Welt. Denn so waren es während der Lockdown-Phasen in erster Linie diese woken Menschen, die lautstark in die Hamburger Naturschutz-Gebiete einfielen, um die Maikätzchen-Zweige abzureißen, sich mit Picknick-Decken auf geschützten Wiesen niederzulassen, während die schreiende Kinderschar die brütenden Vögel aufschreckte.

Sie übersehen, dass sie keinen Bezug zur Natur haben. Sie übersehen, dass man vielleicht im Stadtzentrum so leben kann, aber nicht auf dem Land. Sie übersehen, dass die Sojamilch, die sie abends mit Avocado und Chia-Samen, mit Kimchi-Salat und Matcha-Eis genießen, eben nicht mit der Segeljolle übers Meer gebracht und dann vom Hamburger Hafen aus mit dem Bike zum Bio-Händler an der Ecke gefahren wurden, sondern immer noch per Schiff und LKW transportiert werden mussten. Mit Schwerdiesel betrieben.

Die Lastenfahrräder mögen gut gemeint sein, doch sind sie ein Symbol der vermeintlichen eigenen Überlegenheit von Menschen, die ihre Kleingeistigkeit kultiviert haben und damit zum ersten Male eine Stimme in diesem Land haben, verkörpert von Annalena Baerbock.

Ich fahre dann nach Büroschluss mit meinem Diesel in meine Wohnung am Stadtrand, lade in Ruhe meine Steaks und meinen Rotwein aus und lese Aldous Huxleys „Brave New World“. Ein jeder nach seiner Façon. 

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog von Klaus Kelle theGermanZ.

Bild: Shutterstock
Text: Gast
 

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